KI-Produktivität, Firmen

KI-Produktivität: 89% der Firmen messen keinen Effizienzgewinn

04.07.2026 - 03:31:20 | boerse-global.de

Viele Firmen sehen trotz KI-Nutzung keine Effizienzsteigerung. Manuelle Datentransfers und aufwändige Überwachung der Systeme bremsen die erhofften Fortschritte.

KI-Studie: Produktivität bleibt trotz Euphorie oft aus
KI-Produktivität - Eine Person sitzt an einem Schreibtisch, umgeben von mehreren leuchtenden Bildschirmen mit Daten, das Gesicht von den Monitoren beleuchtet. 04.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Aktuelle Studien zeigen: Die erhofften Effizienzsprünge bleiben vielerorts aus.

Integration stockt, Daten wandern manuell

Die Kluft zwischen KI-Euphorie und Realität ist groß. Eine Untersuchung des National Bureau of Economic Research (NBER) unter knapp 6.000 Führungskräften aus Deutschland, den USA und Großbritannien liefert ernüchternde Zahlen: 69 Prozent der Unternehmen nutzen KI aktiv, aber 89 Prozent der Befragten konnten in den letzten drei Jahren keinen Produktivitätseffekt feststellen.

Der Hauptgrund? Die Technologie hängt in den Systemen fest. Laut der Workday-Studie „The Copy/Paste Economy“ haben nur 21 Prozent der Firmen KI tief in ihre Kernprozesse integriert. Die Folge: Rund 22 Prozent der Beschäftigten verbringen wöchentlich sieben Stunden oder mehr damit, Daten manuell zwischen verschiedenen Systemen zu verschieben.

Immerhin: 74 Prozent der deutschen Angestellten sagen, dass KI ihre Arbeit verbessert. Doch nur 51 Prozent nehmen eine tatsächliche Beschleunigung wahr.

Das „Botsitting“-Dilemma

Ein neues Problem frisst die Zeitgewinne der Automatisierung auf: den Überwachungsaufwand für KI-Systeme. Fachleute nennen das Phänomen „Botsitting“. Daten des Anbieters Glean belegen: Büroangestellte kontrollieren und korrigieren im Schnitt 6,4 Stunden pro Woche die Ergebnisse von KI-Agenten.

Die KI-Strategin Sol Rashidi zog daraus Konsequenzen: Sie halbierte die Zahl ihrer KI-Agenten. Die Überwachung hatte mehr Zeit gefressen als die Automatisierung eingespart hatte. Stattdessen setzte sie wieder auf menschliche Assistenten.

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Auch bei Meta räumte man intern ein: Die Entwicklung von KI-Agenten erreichte nicht die erwartete Dynamik. Parallel dazu explodieren die Kosten. Führungskräfte von Hardware-Herstellern wie Nvidia betonen: Die Rechenkosten für KI-Infrastruktur übersteigen die Personalkosten inzwischen deutlich.

Multitasking: Gefahr für die Psyche

Die ständigen Wechsel zwischen verschiedenen digitalen Aufgaben und Systemen belasten zunehmend die mentale Gesundheit. Ein Anfang Juli veröffentlichter Diskurs warnt: Die Anforderung, tausend Dinge gleichzeitig managen zu müssen, erhöht das Risiko für psychische Störungen.

Die Wissenschaft untermauert diese Einschätzung. Eine Meta-Analyse im Journal „Current Psychology“ wertete 25 Studien mit über 10.000 Teilnehmern aus. Ergebnis: Der Führungsstil hat wesentlichen Einfluss auf das Burnout-Risiko. Ein transformationaler Führungsstil kann emotionale Erschöpfung reduzieren und die persönliche Wirksamkeit steigern.

Experten raten zu bewährten Methoden: Pomodoro-Technik, Time-Blocking oder die ALPEN-Methode helfen, durch klare Priorisierung und Pufferzeiten den negativen Effekten des Multitaskings entgegenzuwirken.

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Zurück zum Menschen

Die ausbleibenden Erfolge der Vollautomatisierung führen zum Umdenken in Personalabteilungen. Eine Umfrage unter 600 Personalverantwortlichen zeigt: Neun von zehn Unternehmen wären bereit, KI-bedingte Kündigungen zu revidieren. Nur 8,4 Prozent der Befragten gaben an, dass KI-Projekte die erwarteten Ergebnisse vollständig erreicht hätten.

Softwarekonzerne wie SAP reagieren mit Umschulungsprogrammen statt Entlassungen. Entwickler verbringen heute bereits mehr Zeit mit der Prüfung von KI-generiertem Code als mit dem eigentlichen Programmieren. Die menschliche Rolle verschiebt sich zur Steuerung und Qualitätssicherung.

Der SAP-Vorstand rechnet mit einem grundlegenden Wandel des Berufsbilds des klassischen Programmierers. Gleichzeitig entstehen tausende neue Stellen für die Betreuung der neuen Technologien.

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