KI-Rechenzentren: Texas zwingt Betreiber zur Kostentragung
12.06.2026 - 23:55:49 | boerse-global.de
Die Anlagen verbrauchen Unmengen an Strom und Wasser – und treiben die Kosten für die Allgemeinheit in die Höhe.
Texas macht Ernst: Betreiber sollen zahlen
Texas geht voran. Gouverneur Greg Abbott wies die zuständigen Regulierungsbehörden an, die Kosten für den Ausbau der Datenzentren nicht länger auf die privaten Haushalte abzuwälzen. Stattdessen sollen die Betreiber künftig selbst für ihre Infrastruktur und Stromerzeugung aufkommen. Bis zum 17. Juli müssen die Behörden konkrete Vorschläge vorlegen, bis Ende Juli sollen die Netzentgelte für Haushalte sinken.
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Doch damit nicht genug: Für die nächste Legislaturperiode fordert Abbott unter anderem eine Pflicht zur Offenlegung des Wasser- und Stromverbrauchs, den Einsatz wassereffizienter Technologien und die Abschaffung von Steuervergünstigungen, die den Betreibern bisher rund 3,3 Milliarden Euro pro Zweijahreszeitraum ersparten.
Parallel dazu stellte sich die Republikanische Partei von Texas auf ihrem Parteitag in Houston hinter die Pläne. Die Delegierten forderten, dass Datenzentren ihre eigene Energie- und Wasserversorgung bereitstellen müssen. Gleichzeitig sollen die Kommunen mehr Mitspracherecht bei der Ansiedlung erhalten.
Widerstand erreicht Rekordniveau
Der Vorstoß aus Texas ist kein Einzelfall. Eine aktuelle Studie von Data Center Watch zeigt: Im ersten Quartal 2026 wurden rund 75 Datenzentrum-Projekte im Wert von schätzungsweise 130 Milliarden Euro blockiert oder verzögert – genauso viel wie im gesamten Vorjahr.
Die Zahl der aktiven Protestgruppen in den USA explodierte regelrecht: von 396 Ende 2025 auf 833 im März 2026. Sie sind in 49 Bundesstaaten aktiv. 14 Bundesstaaten erwägen derzeit ein Moratorium für neue Rechenzentren, und selbst im US-Kongress liegt ein entsprechender Gesetzesentwurf vor. Eine aktuelle Umfrage zeigt: 57 Prozent der Amerikaner lehnen den Bau von Datenzentren in ihrer Nachbarschaft ab.
Umwelt und Ressourcen: Klagen nehmen zu
Der rasante Ausbau der KI-Infrastruktur hat auch juristische Folgen. In Mississippi verklagten die Bürgerrechtsorganisation NAACP und mehrere Umweltgruppen das Unternehmen xAI. Der Vorwurf: Dutzende Gasturbinen zur Stromversorgung wurden ohne erforderliche Genehmigungen in Betrieb genommen. Allein Mitte Mai seien elf neue Turbinen installiert worden, insgesamt sind es mindestens 57. Die Anlagen stoßen demnach fünfmal mehr Stickoxide aus als der gesamte Flughafen von Memphis.
Die Sorgen sind nicht unbegründet. Eine Studie der Universität der Vereinten Nationen prognostiziert, dass der globale Strombedarf von Datenzentren bis 2030 auf 945 Terawattstunden pro Jahr steigen könnte. Der Wasserverbrauch der KI-Infrastruktur könnte bis zum Ende des Jahrzehnts Billionen Liter erreichen – genug, um 1,3 Milliarden Menschen zu versorgen.
In Kentucky, wo bereits 37 Datenzentren laufen und 29 weitere geplant sind, hat die Stadt Lexington ein Moratorium für Neubauten bis Oktober 2026 verhängt.
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Die Industrie sucht Auswege
Angesichts von Netzengpässen und wachsendem Widerstand setzen KI-Firmen auf unkonventionelle Lösungen:
- Eigene Kraftwerke: Crusoe investierte 1,25 Milliarden Euro in Düsentriebwerke zur Stromerzeugung, Oracle sicherte sich 2,8 Gigawatt Brennstoffzellen von Bloom Energy.
- Kleine modulare Reaktoren (SMRs): Google, Amazon und Meta setzen auf Partnerschaften mit Anbietern wie Kairos Power und X-Energy. Marktforscher erwarten, dass der SMR-Market für Datenzentren bis 2036 auf 53,8 Milliarden Euro wächst – allerdings werden funktionsfähige Reaktoren frühestens 2030 erwartet.
- Exotische Konzepte: Firmen wie Panthalassa und DeepGreen entwickeln Pläne für Unterwasser-Rechenzentren, während Meta und Overview Energy an Solarenergie aus dem Weltraum forschen.
Eine Studie der LUT-Universität zeigt: Theoretisch ließen sich Datenzentren vollständig mit erneuerbaren Energien betreiben. Dafür müsste die Wind- und Solarkapazität jedoch das Siebenfache der Grundlast betragen – eine enorme Herausforderung.
