KI-Zahlungen: 61% der Verbraucher skeptisch trotz wachsender Nutzung
Veröffentlicht: 08.07.2026 um 20:54 Uhr, Redaktion boerse-global.de
KI-gestützte Zahlungsdienste stoßen bei Verbrauchern weltweit auf Skepsis – trotz wachsender Nutzung.
Die Revolution des Bezahlens kommt langsamer als gedacht. Eine Reihe aktueller Studien zeigt: Künstliche Intelligenz in „Kaufe jetzt, zahle später“-Angeboten (BNPL) und an der digitalen Kasse stößt bei einer Mehrheit der Kunden auf Vorbehalte. Während Jüngere experimentierfreudiger sind, verlangen die meisten weiterhin den Menschen im Entscheidungsprozess.
Die Generationenlücke beim digitalen Bezahlen
Eine am heutigen Mittwoch veröffentlichte Erhebung des Analysehauses PYMNTS Intelligence und des Fintech-Unternehmens Splitit unter 2.034 US-Verbrauchern zeigt ein geteiltes Bild. 61 Prozent der Befragten können sich vorstellen, eine von der KI empfohlene Ratenzahlungsoption zu nutzen. Doch der Blick auf die Altersgruppen offenbart tiefe Gräben.
Während 80 Prozent der Gen Z und 78 Prozent der Millennials der KI zumindest offen gegenüberstehen, lehnen 64 Prozent der Babyboomer und 40 Prozent der Gen X die Technologie für Zahlungsentscheidungen komplett ab. Noch deutlicher wird die Zurückhaltung bei der Frage nach vollständiger Automatisierung: Nur zwei Prozent der Befragten wünschen sich einen vollautomatischen Bezahlprozess. 28 Prozent verlangen dagegen ausdrücklich eine persönliche Freigabe vor jedem Kauf.
Sicherheit hat Vorrang
Die größten Bedenken der Verbraucher drehen sich um finanzielle Sicherheit und die langfristige Bonität. 59 Prozent der US-Käufer nennen den Schutz ihrer Kreditwürdigkeit als oberste Priorität bei KI-gesteuerter Finanzierung. Dahinter folgen die Suche nach den niedrigsten Kreditkosten (56 Prozent) und die günstigsten monatlichen Raten (54 Prozent).
Das Vertrauen wächst offenbar, wenn KI auf bestehende Finanzbeziehungen angewendet wird. In den vergangenen drei Monaten nutzten 36 Prozent der US-Verbraucher kartenbasierte Ratenzahlungen, aber nur zwölf Prozent eigenständige BNPL-Dienste. Ein Drittel der Befragten gab an, dass kein Faktor ihr Vertrauen in KI-gesteuerte Zahlungen steigern könnte. Immerhin 28 Prozent würden durch eine Vorab-Genehmigungsmechanik beruhigt.
Europäische Zurückhaltung
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Der Trend vorsichtiger Adaption zeigt sich auch in Europa. Eine Studie des Zahlungsdienstleisters Ecommpay aus fünf europäischen Ländern, ebenfalls heute veröffentlicht, ergab: 73,4 Prozent der Verbraucher erwarten, dass KI-Einkaufsagenten im nächsten Jahrzehnt alltäglich werden. Aber nur 13,9 Prozent wollen diese Agenten aktuell eigenständig Käufe abschließen lassen.
Die Hälfte der europäischen Befragten (50,1 Prozent) würde einer KI ihre Kreditkartendaten nicht anvertrauen. Besonders ausgeprägt ist die Skepsis in Großbritannien, wo das Vertrauen bei nur 33 Prozent liegt. Spitzenreiter ist Spanien mit 62 Prozent. Zudem würden 44,3 Prozent der Europäer KI-gesteuerte Ausgaben auf maximal 100 Euro begrenzen.
Afrikanische Perspektive: Hohe Nutzung, geringes Vertrauen
In Kenia zeigt eine am Dienstag veröffentlichte Visa-Studie ein paradoxes Bild: 89 Prozent der Verbraucher nutzen KI für Einkaufsaufgaben, aber nur 29 Prozent vertrauen der Technologie an der Kasse. Die Vorsicht hat reale Gründe: 37 Prozent der kenianischen Verbraucher wurden im vergangenen Jahr Opfer eines Finanzbetrugs, mehr als die Hälfte der Fälle ging von sozialen Medien aus.
Vom Produkt zur Funktion
Branchenanalysten sehen trotz aller Skepsis einen fundamentalen Wandel. Eine Analyse von PYMNTS und Thredd vom Dienstag argumentiert, dass KI Kredite von einem eigenständigen Produkt zu einer Funktion auf Transaktionsebene verwandelt. Durch Tokenisierung und Echtzeit-Zahlungsdaten ermöglicht KI kontextabhängige Kreditentscheidungen direkt im Moment des Kaufs.
Forschungsergebnisse der Universität Toulouse, präsentiert Anfang Juli, zeigen jedoch Grenzen auf: Während KI bei rationalen Käufen wie Haushaltsgeräten menschliche Beratung übertrifft, bleibt sie bei emotionalen oder Erlebniskäufen unterlegen. Zudem seien traditionelle Suchmaschinen für viele Käufer im gesamten Entscheidungsprozess weiterhin überlegen.
Während 61% der Kunden KI-Zahlungen skeptisch gegenüberstehen, steigt das Betrugsrisiko – besonders in sozialen Medien. Dieses Sicherheitsframework hilft Ihnen, Transaktionen abzusichern und Vertrauen zurückzugewinnen. Sicherheitsframework für KI-Transaktionen sichern
Klarna auf dem Weg zur Bank
Während die Technologie reift, suchen die großen Player nach regulatorischer Absicherung. Der schwedische Finanzdienstleister Klarna beantragte am vergangenen Montag eine Banklizenz in den USA – über eine Industriekreditgesellschaft in Utah. Ziel ist es, das Bankgeschäft im wichtigsten Umsatzmarkt inhouse abzuwickeln. Seit 2019 hat das Unternehmen Kredite in Höhe von 91,3 Milliarden US-Dollar vergeben. Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund anhaltender politischer Debatten über die Aufsicht von Kreditvergaben und die Rolle automatisierter Kreditentscheidungen.
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