Kniearthrose, Bewegung

Kniearthrose: Bewegung spart Österreich jährlich bis zu 32 Millionen Euro

Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 00:20 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Frühe Diagnostik und konservative Maßnahmen sollen Arthrose bremsen; eine Analyse beziffert mögliche Einsparungen bei Kniearthrose.

ÖÄK empfiehlt Arthrose-Checks ab 40 und setzt auf frühe Behandlung
Ein ruhiger, von Sonnenlicht durchfluteter Waldweg im Herbst, der zu sanfter Bewegung in der Natur einlädt. Illustration mit AI erstellt.

Die frühzeitige Erkennung von Gelenkerkrankungen gewinnt in der medizinischen Versorgung zunehmend an Bedeutung. Anlässlich des Welt-Rheuma-Tags am 12. Oktober 2026 empfahl Andreas Stippler, Experte der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), gezielte Arthrose-Checks bereits ab dem 40. Lebensjahr durchzuführen.

Da Knie- und Hüftarthrosen bereits in dieser Lebensphase beginnen können, ermögliche eine frühe Diagnose deutlich erweiterte Behandlungsspielräume. Die Österreichische Ärztekammer hebt hervor, dass insbesondere die Kombination aus Information, einer angepassten Ernährung und medizinischer Kräftigungstherapie das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen und operative Eingriffe vermeiden kann.

Diagnostische Verfahren und konservative Therapieansätze

Für eine fundierte Abklärung nennt die ÖÄK den Einsatz von Röntgenuntersuchungen, Ultraschall sowie funktionellen Muskeltests. Bei der Behandlung setzt die Standesvertretung vor allem auf Aufklärung, Ernährungsumstellung und eine gezielte medizinische Kräftigungstherapie, da die aktive Mitarbeit der Patienten wesentlich dazu beitragen könne, Gelenkoperationen zu umgehen.

Neben diesen Basismaßnahmen führt die ÖÄK in ihren Empfehlungen auch Ansätze der Orthobiologie an, darunter Behandlungen mit Eigenblut, Hyaluronsäure, Kollagen oder stammzellbasierten Verfahren.

Anzeige

Wer bereits unter ersten Verschleißerscheinungen leidet, kann mit der richtigen Strategie aktiv gegensteuern. Dieser bebilderte PDF-Guide zeigt Schritt für Schritt, wie Sie Arthrose-Beschwerden selbst aktiv lindern können – ohne Arztbesuch und ohne Hilfsmittel. 101 Druckpunkte gegen Arthrose kostenlos entdecken

Als elementarer Pfeiler gilt die gezielte Bewegung. Empfehlungen für den Alltag umfassen schonende Sportarten wie Radfahren, Schwimmen, Nordic Walking und Tai Chi in Verbindung mit einem kontrollierten Krafttraining.

Begleitende Schulungen können die Versorgung weiter unterstützen: So verweist die Deutsche Rheuma-Liga auf Selbstmanagement-Programme nach dem Konzept der Stanford University, die Betroffenen Strategien zum Umgang mit Schmerzen, Müdigkeit und Belastungen vermitteln. Zudem könne eine mediterrane Ernährung eine medikamentöse Therapie sinnvoll ergänzen, diese jedoch nicht ersetzen.

Wirtschaftliche Einsparpotenziale und Diskussion um Eingriffe

Dass konservative Therapieformen wie die Bewegungstherapie auch das Gesundheitssystem entlasten können, belegen gesundheitsökonomische Erhebungen. Eine Relevanzanalyse von Physio Austria und Economica beziffert die möglichen jährlichen Einsparungen in Österreich allein bei Kniearthrose auf 12 bis 32 Millionen Euro.

Anzeige

Eine gezielte Entlastung der Gelenke ist oft auch über die Ernährung möglich, um Entzündungsprozesse im Körper zu stoppen. Erfahren Sie in diesem Ratgeber, wie Brokkoli, Ingwer & Co. Gelenkschmerzen und Erschöpfung sanft lindern können. Kostenlosen Ratgeber zur entzündungshemmenden Ernährung anfordern

Für weitere, separat betrachtete Versorgungsbereiche weist die Analyse ebenfalls hohe Potenziale aus: Bei chronischen Rückenschmerzen belaufen sich die möglichen Einsparungen auf 16 bis 34 Millionen Euro an Operationskosten sowie zusätzlich 43 bis 87 Millionen Euro an Krankenstandskosten.

In der Sturzprävention für ältere Menschen beziffern die Autoren das Potenzial auf bis zu 32 Millionen Euro und bei der Schlaganfall-Frührehabilitation auf 10 bis 60 Millionen Euro bei einem mittleren Szenario von rund 29 Millionen Euro.

Parallel dazu geraten rein operative Eingriffe ohne nachgewiesenen Mehrwert zunehmend unter Druck. In Deutschland hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beschlossen, dass arthroskopische Eingriffe bei chronischer Kniearthrose mangels wissenschaftlicher Nutzennachweise künftig nicht mehr über die gesetzliche Krankenversicherung abgerechnet werden können.

Diese Entscheidung stößt beim Berufsverband für Arthroskopie (BVASK) auf Kritik: Der Verband bemängelt methodische Schwächen der zugrundeliegenden Studien und befürchtet, dass das Verfahren künftig Selbstzahlern und Privatpatienten vorbehalten bleibe.

Laut Verbandsangaben sind im Laufe des Lebens rund 17 Prozent der Männer und mehr als 30 Prozent der Frauen von Verschleißerscheinungen am Kniegelenk betroffen, was den Bedarf an wirksamen, frühzeitig ansetzenden Behandlungsstrategien unterstreicht.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70290547 |