Krafttraining: 90-120 Minuten pro Woche senken Demenzrisiko um 27%
25.06.2026 - 23:49:44 | boerse-global.de
Die Behandlung von Depressionen könnte um eine ungewöhnliche Methode reicher werden: Ein spezielles Training der Gesichtsmuskulatur lindert nachweislich die Symptome. Das belegt die sogenannte FaReWell-Studie, die heute in der Fachzeitschrift Frontiers in Psychiatry erschienen ist.
Muskeln gegen die Dunkelheit
Forscher untersuchten die Wirkung eines sechswöchigen physiotherapeutischen Programms auf 49 Probanden mit leichten bis mittelschweren Depressionen. Das Ergebnis: In der Trainingsgruppe sank die Depressionsschwere signifikant. Gemessen wurde mit der Montgomery-Åsberg Depression Rating Scale (MADRS).
Das Programm kombiniert Massage- und Krafteinheiten für die Gesichtsmuskulatur. Täglich 15 Minuten sollen reichen. Die Studie leiteten Prof. Axel Wollmer von der Asklepios Klinik Nord-Ochsenzoll und Dr. Joe Hättenschwiler vom Zentrum für Angst- und Depressionserkrankungen Zürich.
Hinter den Kulissen der Mimik
Der Ansatz klingt ungewöhnlich, hat aber Methode: Die Forscher nutzen die enge Verbindung zwischen Gesichtsmuskulatur und emotionalem Erleben. Anders als frühere, oft invasivere Methoden setzt die FaReWell-Studie auf aktive Übungen. Die Durchführung in Zürich zeigt: Das Interesse an nicht-medikamentösen Zusatztherapien wächst international.
Dass Bedarf besteht, belegen aktuelle Zahlen. Das Robert Koch-Institut ermittelte Ende 2025: 21,9 Prozent der Erwachsenen in Deutschland zeigen depressive Symptome, 14 Prozent leiden unter Angstsymptomen. Bei Jugendlichen wurden 2024 über 116.000 stationäre Behandlungen wegen psychischer Störungen verzeichnet.
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Bewegung als Medizin
Die Erkenntnisse zum Gesichtstraining sind kein Einzelfall. Sie fügen sich in eine größere Entwicklung der Bewegungsforschung ein. Drei aktuelle Beispiele zeigen die Bandbreite:
Prävention am Arbeitsplatz: Auf dem 11. Präventionsforum am Dienstag in Berlin wurde klar: Psychische Störungen verursachten 2024 16,7 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage. Mit 42 Prozent sind sie der häufigste Grund für Erwerbsminderungsrenten.
Kinder und Jugendliche: Das Fitnessbarometer der Kinderturnstiftung Baden-Württemberg vom Mittwoch zeigt: Die Ausdauerwerte bei Kindern bleiben unter Vorkrisenniveau. Doch ein höherer Fitnessindex senkt die Neigung zu Ängsten und sozialem Rückzug.
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Lebensverlängerung pur: Eine Harvard-Langzeitstudie mit über 147.000 Teilnehmern, ebenfalls am Mittwoch im British Journal of Sports Medicine veröffentlicht, belegt: 90 bis 120 Minuten Krafttraining pro Woche senken nicht nur das Sterberisiko, sondern reduzieren das Demenzrisiko um 27 Prozent.
Die Botschaft ist klar: Gezielte körperliche Interventionen – ob Gesichtstraining oder Kraftsport – etablieren sich zunehmend als evidenzbasierte Säulen in der Behandlung und Prävention psychischer und neurodegenerativer Erkrankungen.
