Krafttraining, Minuten

Krafttraining: 90–120 Minuten senken Herz-Kreislauf-Risiko deutlich

04.07.2026 - 15:31:53 | boerse-global.de

Bauchumfang und Körperfettanteil gelten als präzisere Risikomarker als der BMI. Die EU-Zulassung einer oralen Semaglutid-Tablette steht bevor.

Adipositas: Neue Messmethoden und orales Semaglutid vor Zulassung
Krafttraining - Eine digitale Waage zeigt detaillierte Körperwerte wie Körperfettanteil und Muskelmasse, umgeben von medizinischen Diagrammen. 04.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Während der Body-Mass-Index (BMI) als Standard gilt, rücken differenzierte Messgrößen und medikamentöse Innovationen in den Fokus.

Was der Bauchumfang wirklich verrät

Ein BMI zwischen 18,5 und 25 gilt als Normalgewicht, ab 30 sprechen Ärzte von Adipositas. Doch Experten warnen: Die Fettverteilung ist oft entscheidender als das reine Gewicht. Ein Bauchumfang von über 80 Zentimetern bei Frauen und über 94 Zentimetern bei Männern gilt bereits als Risikoindikator. Deutlich ansteigend ist die Gefahr ab 88 beziehungsweise 102 Zentimetern.

Hinzu kommen das Taille-Hüfte-Verhältnis und der Körperfettanteil. Kritisch wird es bei Frauen ab einem Verhältnis von 0,85, bei Männern ab 1,0. Moderne Haushaltsgeräte nutzen die bioelektrische Impedanzanalyse (BIA), um Muskelmasse und viszerales Fett zu schätzen. Blutuntersuchungen liefern zusätzlich Hinweise auf den Stoffwechsel – etwa über den Langzeitblutzucker (HbA1c), Triglyceride und Harnsäure.

Orale Semaglutid-Tablette vor Zulassung

Im Mai 2026 empfahl die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) die Zulassung einer oralen Form von Semaglutid (50 mg) zur Adipositas-Behandlung. Die finale Entscheidung der EU-Kommission wird im Sommer erwartet. Klinische Studien belegen für diese Wirkstoffklasse einen Gewichtsverlust zwischen neun und zwölf Prozent.

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Auch neuere Substanzen wie Orforglipron zeigen deutliche Effekte auf den HbA1c-Wert und das Körpergewicht. Doch ein Haken bleibt: Die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland übernehmen die Kosten grundsätzlich nicht. Grund ist Paragraph 34 SGB V, der Arzneimittel zur Gewichtsregulierung von der Erstattung ausschließt.

Warum Krafttraining die bessere Wahl ist

Aktuelle Forschung der Harvard University mit über 140.000 Teilnehmern zeigt: Bereits 90 bis 120 Minuten Krafttraining pro Woche senken das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Alzheimer signifikant. Zudem ist Krafttraining beim Abbau von Bauchfett effektiver als reines Ausdauertraining.

Wissenschaftler des Weizmann-Instituts identifizierten das Protein MTCH2 als zentralen Regler des Fettstoffwechsels. Eine Beeinflussung dieses Proteins könnte künftig die Fettverbrennung fördern. In der Praxis empfehlen Experten besonders bei medikamentösen Therapien oder starker Kalorienrestriktion begleitendes Krafttraining. Dänische Studien belegen: Schweres Krafttraining stabilisiert bei 64- bis 75-Jährigen über Jahre hinweg die Muskelkraft.

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Lebensstil schlägt Medikamente

Die DPP-Studie mit über 3.000 adipösen Erwachsenen zeigt: Intensive Lebensstilinterventionen mit Sport und Gewichtsreduktion senken das Risiko für Multimorbidität im Alter. Der Wirkstoff Metformin zeigte in diesem Kontext keinen vergleichbaren Effekt.

Eine Langzeitanalyse im Lancet (Daten von 1990 bis 2024) ergibt ein differenziertes Bild: Blutdruck- und Cholesterinwerte haben sich bei Menschen mit Adipositas über die Jahrzehnte verbessert und nähern sich denen von Normalgewichtigen an. Grund ist die verbesserte medikamentöse Behandlung. Besonders deutlich zeigt sich dieser Trend bei 60- bis 79-Jährigen. Bei unter 40-Jährigen bleiben die gesundheitlichen Unterschiede dagegen bestehen.

de | wissenschaft | 69688754 |