Krafttraining, Minuten

Krafttraining: 90 Minuten pro Woche reduzieren Demenz-Risiko um 27%

Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 17:15 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue Studien belegen: Irisin hemmt Amyloid-Plaques, Krafttraining senkt Demenzrisiko um 27 Prozent. Lebensstil übertrumpft genetische Risiken.

Muskel-Hirn-Achse: Irisin und Krafttraining als Schutz vor Alzheimer
Abstrakte Darstellung der Muskel-Hirn-Achse mit leuchtenden Nervenbahnen und Muskelfasern als Symbol für neurologische Forschung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Körperliche Fitness schützt das Gehirn – und das stärker als bislang gedacht. Im Zentrum der Forschung steht die sogenannte Muskel-Hirn-Achse: Botenstoffe aus dem Muskelgewebe wirken direkt auf pathologische Prozesse im Gehirn ein. Neue Studien aus dem Jahr 2026 zeigen, wie Proteine und Lebensstil das Risiko für neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer beeinflussen.

Irisin: Der Botenstoff, der Amyloid-Plaques stoppt

Ein zentraler Akteur ist das Muskelprotein Irisin, das bei körperlicher Aktivität freigesetzt wird. Forscher der Korea University Guro Hospital belegen: Irisin hemmt die Ablagerung von Amyloid-Beta im Gehirn. Das Team um Prof. Kang Sung-hoon analysierte die Blut-Irisin-Spiegel von 100 älteren Probanden – vom gesunden Zustand bis zur manifesten Demenz.

Die Ergebnisse, veröffentlicht in Alzheimer's & Dementia: DADM, zeigen: Personen mit Amyloid-Ablagerungen hatten signifikant niedrigere Irisin-Werte. Entscheidend für die Frühdiagnostik: Diese Abweichungen zeigen sich bereits in asymptomatischen Stadien. Höhere Irisin-Spiegel korrelieren zudem mit geringerer Amyloid-Dichte. Fachleute sehen in Irisin daher einen potenziellen Blut-Biomarker, um Alzheimer-Risiken zu erkennen, bevor erste Gedächtnisverluste auftreten.

Krafttraining: 90 Minuten pro Woche, 27 Prozent weniger Risiko

Dass Muskeltraining Leben verlängert, belegt eine Metaanalyse im British Journal of Sports Medicine with über 147.000 Teilnehmern. Wer wöchentlich 90 bis 119 Minuten Krafttraining absolviert, senkt das Risiko für neurologisch bedingte Todesfälle um 27 Prozent. Auch bei 75- bis 104-Jährigen verbessern gezielte Programme wie „bestform" Muskelkraft und Lebensqualität.

Konkrete Bewegungsziele liefert die Harvard Aging Brain Study (Nature Medicine 2025): Bereits 3.000 bis 5.000 Schritte täglich verzögern den kognitiven Verfall um etwa drei Jahre. Bei 5.000 bis 7.500 Schritten sind es bis zu sieben Jahre – zurückzuführen auf eine verlangsamte Ablagerung von Tau-Proteinen.

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Lebensstil schlägt Genetik: Was SuperAger zeigen

Wie stark der Lebensstil die Genetik übertrumpfen kann, zeigt die SuperAger-Studie der University of Chicago. Bei den sogenannten SuperAgern lag das genetische Risiko durch das APOE4-Allel mit 16 Prozent nur knapp unter dem der Kontrollgruppe (19 Prozent). Dennoch schrumpfte ihre Kortexdicke deutlich langsamer – das Gehirn alterte also langsamer.

Die im Juli 2026 vorgestellte LatAm-FINGERS-Studie unterstreicht die Wirksamkeit strukturierter Interventionen. Über 1.700 Teilnehmer in elf Ländern kombinierten die MIND-Diät, Bewegung – inklusive Salsa und Tango – und kognitives Training. Ergebnis: Die globale Kognition stieg um 55 Prozent gegenüber der Kontrollgruppe. Besonders Frauen profitierten von dem multiprofessionellen Ansatz.

Blutdruck, Bluttests und ein neues PET-Zentrum

Auch vaskuläre Faktoren entscheiden über das Demenzrisiko. Eine dänische Studie von Anfang August verbindet einen erhöhten BMI über Bluthochdruck mit einem steigenden Risiko für vaskuläre Demenz. Bereits eine Blutdruckreduktion um 10/4 mmHg senkt das Demenzrisiko um mehr als zehn Prozent. Die Herzstiftung empfiehlt Zielwerte unter 120/70 mmHg.

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Die Früherkennung macht technologische Fortschritte: Bluttests wie Lumipulse G p-tau217 oder PrecivityAD2 identifizieren Alzheimer-Pathologien präzise – besonders wichtig für Hochrisikogruppen wie Menschen mit Down-Syndrom. In München eröffnete im August ein spezialisiertes PET-Zentrum für verbesserte bildgebende Diagnostik.

Curcumin, Berberin und Löwenmähne: Pflanzenstoffe im Fokus

Neben Bewegung rücken natürliche Wirkstoffe in den Fokus. Eine Übersichtsarbeit in den Molecular Biology Reports (Mai 2026) hebt die Kombination von Curcumin und Berberin hervor: Die antioxidativen Eigenschaften könnten die Aggregation von Amyloid-Beta reduzieren. Auch der Pilz Hericium erinaceus, bekannt als Löwenmähne, zeigt in Humanstudien Potenzial: Er fördert Nervenwachstumsfaktoren und verbessert kognitive Funktionen – ein finaler Wirksamkeitsnachweis steht allerdings noch aus. Fachleute raten zur ärztlichen Rücksprache, um Wechselwirkungen zu vermeiden.

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