Lavendelöl bei Depression: Studie mit 498 Patienten zeigt Àhnliche Ansprechrate
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 00:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie gezielte Beeinflussung von Stimmung und Wohlbefinden durch Duftstoffe gewinnt im Wellness- und Gesundheitsbereich an Bedeutung. Unternehmen wie der chinesische Hersteller Ningbo Inno Pharmchem aus Zhejiang bewerben Produkte wie stimmungsregulierende Ă€therische Ăle fĂŒr den gewerblichen und privaten Einsatz.
Nach Angaben des Unternehmens sollen Lavendel beruhigend bei Einschlafproblemen wirken, Zitrusnoten wie Bergamotte, Zitrone oder Orange beleben, Pfefferminze die Konzentration fördern und Weihrauch fĂŒr Erdung sorgen.
Neben Diffusoren fĂŒr Privatanwender, Spas, Yogastudios und Hotels werden BĂ€der, Massagen und Inhalationen als Anwendungswege genannt. Wissenschaftliche Belege fĂŒr solche Werbeaussagen erfordern jedoch eine differenzierte Betrachtung der Studienlage und der biochemischen Mechanismen.
Wirkungswege im Nervensystem und biochemische Mechanismen
Der physiologische Einfluss flĂŒchtiger Pflanzenstoffe beruht vor allem auf dem Geruchssinn. Die Riechbahn leitet Signale ohne Zwischenstation ĂŒber den Thalamus direkt in den olfaktorischen Kortex sowie in limbische Strukturen wie Amygdala und Hippocampus weiter.
Bestimmte Inhaltsstoffe greifen zudem in Neurotransmittersysteme ein. Monoterpenole wie Linalool und Linalylacetat, die vor allem in Lavendelölen vorkommen, binden dosisabhÀngig an GABAerge Rezeptoren und modulieren die neuronale Erregbarkeit. Zudem wird vermutet, dass sie die Spiegel von Serotonin und Dopamin beeinflussen können.
Limonen, das in hoher Konzentration in Bergamotte und Neroli vorkommt, reguliert Neurotransmitter und kann einen ruhigen Wachzustand unterstĂŒtzen. Weitere Pflanzenstoffe weisen spezifische Profile auf: 1,8-Cineol aus Eukalyptus und Rosmarin wirkt schleimlösend, wĂ€hrend Terpinen-4-ol im Teebaumöl antimikrobielle Eigenschaften besitzt. Das Ă€therische Ăl der Melisse enthĂ€lt Citral und Citronellal sowie Geranial und Neral, die spasmolytisch wirken, wĂ€hrend die BlĂ€tter 7 bis 11 Prozent HydroxyzimtsĂ€uren, insbesondere RosmarinsĂ€ure, enthalten.
Wer sich mit dem Erhalt der geistigen LeistungsfĂ€higkeit befasst, findet in diesen wissenschaftlich fundierten Alltagstipps eine wertvolle ErgĂ€nzung. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Ratgeber, wie Sie Ihre Konzentration und Ihr GedĂ€chtnis durch gezielte Ăbungen und ErnĂ€hrung nachhaltig stĂ€rken können. 7 Geheimnisse fĂŒr mentale Fitness jetzt entdecken
Klinische Studienlage zwischen Evidenz und Grenzen
Klinische Untersuchungen liefern gemischte Ergebnisse zur therapeutischen Wirksamkeit. In einer Studie in Deutschland und Polen mit 498 Patienten mit leichter oder mittelschwerer Depression wurden tĂ€glich 80 Milligramm Lavendelöl-Kapseln im Vergleich zu einem Antidepressivum und einem Placebo ĂŒber acht Wochen untersucht.
Die Ansprechrate lag bei 53,5 Prozent fĂŒr Lavendel, 54 Prozent fĂŒr das Antidepressivum und 41,5 Prozent fĂŒr das Placebo. Signifikante Effekte zeigten sich bei fĂŒnf von neun Kernsymptomen, darunter Traurigkeit und Fokusprobleme. Die Untersuchung wurde allerdings vom Hersteller finanziert und bislang nicht unabhĂ€ngig wiederholt.
Bei Demenzerkrankungen untersuchte eine Studie der UniversitÀt Tottori aus dem Jahr 2009 an 28 Patienten den Einsatz von Rosmarin und Zitrone am Morgen sowie Lavendel und Orange am Abend.
Nach 28 Tagen zeigten sich Verbesserungen bei einzelnen kognitiven Tests, jedoch keine messbare Entlastung des Pflegepersonals. Ein Cochrane-Review aus dem Jahr 2020 stellte fest, dass die Evidenz fĂŒr einen generellen Nutzen bei Demenz nicht ausreicht.
Die vorgestellten Studien zeigen, wie wichtig eine frĂŒhzeitige Auseinandersetzung mit der geistigen Gesundheit ist. Dieser kostenlose, anonyme Selbsttest hilft Ihnen dabei, eine erste EinschĂ€tzung zu möglichen Warnsignalen zu erhalten und diskret Gewissheit zu gewinnen. Zum kostenlosen 7-Fragen-Demenz-Selbsttest
Dagegen zeigte eine Untersuchung aus dem Jahr 2002 an 72 Patienten mit schwerer Demenz, dass unter einer vierwöchigen Gabe von Melissenöl der Unruhe-Score bei 60 Prozent der Behandelten um mindestens 30 Prozent sank, verglichen mit 14 Prozent in der Placebogruppe. Gremien wie das HMPC und die Kommission E erkennen Melisse traditionell bei leichten Stresssymptomen sowie als Einschlafhilfe an.
Anwendung und Sicherheitsrisiken
Fachleute weisen darauf hin, dass Ă€therische Ăle keine eigenstĂ€ndige Therapie fĂŒr behandlungsbedĂŒrftige Ăngste, Depressionen oder Schlaflosigkeit darstellen. FĂŒr den sicheren Umgang gelten klare Vorgaben: Reine Ă€therische Ăle dĂŒrfen nicht eingenommen und nicht unverdĂŒnnt auf die Haut aufgetragen werden, sondern bedĂŒrfen einer VerdĂŒnnung in TrĂ€gerölen wie Jojoba- oder Mandelöl.
Zitrusöle steigern zudem die Lichtempfindlichkeit der Haut. Beim Einsatz von Diffusoren wird zu kurzen Intervallen und regelmĂ€Ăiger BelĂŒftung geraten. Besondere Vorsicht ist bei Schwangeren, Asthmatikern, Allergikern, Kleinkindern und Haustieren geboten.
