Minuten, Stress

Lesen: Fünf Minuten senken Stress um 20 Prozent und schützen vor Demenz

Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 13:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Cambridge-Synthese verbindet Lesefreude mit besserer Kognition, weniger Stress und einem geringeren Risiko für geistigen Abbau im Alter.

Regelmäßiges Lesen stärkt Gehirn, Wohlbefinden und Empathie
Ein ruhiger, sonnendurchfluteter Lesebereich in einer Bibliothek mit Bücherregalen und einem gemütlichen Sessel. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle wissenschaftliche Berichte und Untersuchungen verdeutlichen, wie regelmäßiges Lesen als kognitiver Booster fungiert und sowohl die mentale Stabilität als auch die Empathiefähigkeit nachhaltig fördert.

Im Zentrum dieser Diskussion steht eine am 15. September 2026 in der Fachzeitschrift Psychological Medicine erschienene Synthese von Forschern der Universität Cambridge – darunter Barbara Sahakian, Langley und Perrin – in Zusammenarbeit mit der Initiative The Queen’s Reading Room.

Die Untersuchung belegt, dass das Lesen aus Vergnügen mit gesteigerter Aufmerksamkeit, besserer Gedächtnisleistung, verbesserten Exekutivfunktionen sowie höherem Wohlbefinden und einem verringerten Demenzrisiko einhergeht. Zudem stärkt die Lektüre Fähigkeiten wie Empathie, Toleranz und Problemlösungskompetenz und kann Gefühle von Einsamkeit lindern.

Neurologische Veränderungen und rasche Stressreduktion

Die Forschungsergebnisse der Universität Cambridge zeigen, dass sich das Lesen direkt auf neuronale Strukturen auswirkt. Leserinnen und Leser weisen demnach ausgeprägtere Hirnareale für Sprachverarbeitung, Lernen und Emotionskontrolle auf.

Das Lesen führt zu einem größeren Graustoffvolumen sowie einer intensivierten Kommunikation zwischen verschiedenen Hirnregionen, wobei diese strukturellen Veränderungen in jedem Alter auftreten können.

Eine Untersuchung an elf Kindern mit Dyslexie zeigte beispielsweise, dass bereits ein achtwöchiges Lesetraining zu einer Zunahme an grauer Substanz führte. Zudem wies eine Studie aus dem Jahr 2022 nach, dass 90 Minuten Fiktionslektüre an fünf Tagen pro Woche über einen Zeitraum von acht Wochen das Gedächtnis kausal verbessert.

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Neben langfristigen Umbauprozessen im Gehirn belegen die Daten unmittelbare physiologische Effekte. Einem Review der Universität Cambridge zufolge senken bereits fünf Minuten Lektüre in einem Lieblingsbuch das Stressniveau um circa 20 Prozent, verlangsamen den Puls, lösen Muskelspannungen und heben die Konzentration.

Eine Studie aus dem Jahr 2024 kam zu dem Ergebnis, dass fünf Minuten Fiktionslektüre Stress um bis zu 20 Prozent reduzieren können. In Befragungen gaben 38 Prozent der Erwachsenen an, Bücher zur Entspannung zu nutzen; zwei von fünf Erwachsenen nannten das Buch als ihr bevorzugtes Mittel zum Stressabbau.

Schutz vor geistigem Abbau und Bedeutung im Lebensverlauf

Auf lange Sicht bietet das Lesen messbare Vorteile für den Erhalt der kognitiven Gesundheit im Alter. Eine bereits 2006 im Fachblatt Neurology veröffentlichte Untersuchung mit rund 5.500 Erwachsenen ab 55 Jahren zeigte, dass regelmäßiges Lesen in einem fünfjährigen Nachbeobachtungszeitraum mit weniger geistigem Verfall einherging.

Das Risiko für kognitive Beeinträchtigungen war bei regelmäßigen Lesern um ein Drittel geringer. Eine Studie in JAMA mit 801 Teilnehmenden ab 65 Jahren wies zudem nach, dass das Lesen von Büchern, Zeitungen und Zeitschriften mit einem um 33 Prozent geringeren Risiko für Alzheimer assoziiert war.

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Gleichzeitig heben Analysen der sogenannten ABCD-Studie mit über 10.000 Jugendlichen unter Leitung von Barbara Sahakian hervor, wie entscheidend die Gewohnheit bereits im Kindesalter ist.

Frühes Lesen im Alter zwischen zwei und zehn Jahren ging demnach mit besserer Kognition, gesteigerten Schulleistungen, höherer Schlafdauer, weniger Bildschirmzeit sowie größeren Hirnvolumina und Oberflächen einher. Als optimaler Umfang erwiesen sich rund zwölf Stunden wöchentlich, ab denen ein Plateau mit leichtem Rückgang einsetzt.

Eine Untersuchung der Universität Basel unterstreicht zudem den langfristigen Effekt des Vorlesens: Wer als Kind häufig vorgelesen bekam, greift später weit eher zum Buch. Während ohne Vorleseerfahrung ein Viertel der Erwachsenen gänzlich auf Bücher verzichtet, liegt dieser Anteil bei früherem Vorlesen bei nur 8 Prozent.

Sinkende Leseraten und gesellschaftliche Gegeninitiativen

Trotz der belegten Vorzüge verzeichnet die Lesekompetenz seit rund zwei Jahrzehnten einen rückläufigen Trend. Laut Erhebungen des National Literacy Trust für 2024 und 2025 geht das Lesen insbesondere bei Jungen im Alter von 11 bis 16 Jahren zurück.

Daten des NCES vom Juli 2025 ergaben, dass in den USA nur noch 37 Prozent der Neunjährigen fast täglich lesen – nach 42 Prozent im Jahr 2020 und 53 Prozent im Jahr 1984. Gleichzeitig stieg der Anteil jener, die selten oder nie lesen, von 9 Prozent im Jahr 1984 auf 17 Prozent im Jahr 2025. Obwohl Experten betonen, dass die Kausalität zwischen Lesegewohnheiten und allen beobachteten Effekten wissenschaftlich noch nicht in jedem Fall abschließend geklärt ist, reagieren Politik und Zivilgesellschaft mit Förderprogrammen.

In Singapur, dessen 15-Jährige bei den Pisa-Ergebnissen 2025 weltweit den ersten Platz belegten, belohnt die Nationalbibliothek mit der „ReadSG Challenge“ eine tägliche Lesezeit von mindestens 15 Minuten, um digitaler Reizüberflutung entgegenzuwirken. Pro Sitzung erhalten Teilnehmende 20 virtuelle Münzen; 1.000 Münzen entsprechen einem Singapur-Dollar (rund 68 Cent) in Form von Handelsgutscheinen.

Auf lokaler Ebene setzt auch die Initiative „Lesementor Grevenbroich“ auf direkte Förderung: Der Verein organisiert eine wöchentliche Eins-zu-Eins-Betreuung für Grundschulkinder an sechs örtlichen Grundschulen sowie der Förderschule Mosaikschule, um Lesekompetenz und Bildungschancen frühzeitig zu sichern.

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