Lebenserwartung von Frauen und MÀnnern nÀhert sich an
09.08.2023 - 10:54:45Viele Jahrzehnte lang ist die Lebenserwartung von Frauen schneller gestiegen als die der MĂ€nner - seit Ende des 20. Jahrhunderts aber verringert sich dieses Ungleichgewicht laut einer Studie wieder. Dabei gibt es jedoch erhebliche regionale Unterschiede, wie das Bundesinstitut fĂŒr Bevölkerungsforschung (BiB) in Wiesbaden mitteilte.
Seine Forscher hatten demnach fĂŒr die neue Studie «erstmals detaillierte Todesursachendaten fĂŒr 228 Regionen in sieben europĂ€ischen LĂ€ndern untersucht». Lagen MĂ€nner hier noch Mitte der 1990er Jahre bei der Lebenserwartung mehr als sieben Jahre hinter Frauen zurĂŒck, so verringerte sich dieser Unterschied in den vergangenen Jahrzehnten auf weniger als fĂŒnfeinhalb Jahre.
In SĂŒddeutschland, DĂ€nemark und der Schweiz waren die Differenzen der Lebenserwartung mit teils weniger als vier Jahren besonders gering. Ganz vorne mit nur 3,3 Jahren Abstand lag die Nordwestschweiz mit Basel und Umland, dicht gefolgt von MĂŒnchen und Umgebung mit 3,5 Jahren. In Teilen von Ostdeutschland, Tschechien, der Slowakei und Frankreich waren die Unterschiede der Lebenserwartung zwischen MĂ€nnern und Frauen mit sechs und mehr Jahren dagegen etwa doppelt so groĂ.
Deutliche Unterschiede zwischen Stadt und Land
Die Forscher beobachten laut dem BiB auch mehr RĂŒckstĂ€nde von MĂ€nnern auf dem Land als in der Stadt. «Florierende GroĂstĂ€dte ziehen durch ihre guten Jobmöglichkeiten eher gesunde und qualifizierte Bevölkerungsgruppen an, wĂ€hrend strukturschwache Regionen weniger attraktiv fĂŒr diese Menschen sind», erklĂ€rte Markus Sauerberg vom BiB. Das trĂ€gt dem Forschungsinstitut zufolge dazu bei, «dass in groĂen StĂ€dten oft eine vergleichsweise niedrige Sterblichkeit mit geringen Geschlechterunterschieden beobachtet wird».
Ungesundes Verhalten könne eine niedrigere Lebenserwartung verursachen. Im 20. Jahrhundert war demnach etwa das unter MÀnnern weiter verbreitete Rauchen ein wesentlicher Grund, dass ihre Lebenserwartung langsamer stieg als bei Frauen. Auch arbeiteten MÀnner dem BiB zufolge lange Zeit lÀnger und waren somit mehr Gesundheitsrisiken im Job ausgesetzt.
Inzwischen lassen mehr Herzschrittmacher gerade MĂ€nner lĂ€nger leben. Zudem ebbt bei ihnen nach den Angaben die raucherbedingte Sterblichkeit bereits ab, wĂ€hrend sie bei Frauen noch weiter steigt, weil sie erst seit den 1960er Jahren verstĂ€rkt mit dem Rauchen begonnen haben. Ăberdies schrumpfen die Unterschiede der Geschlechter bei jobbedingten Gesundheitsrisiken, weil heute mehr Frauen arbeiten.
Lebensstil und Vorbeugung von Krankheiten entscheidend
«Wie die Ergebnisse anderer Studien zeigen, kann nur ein kleiner Teil der Unterschiede zwischen MĂ€nnern und Frauen auf biologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern zurĂŒckgefĂŒhrt werden. Der gröĂere Teil ist vom Lebensstil sowie von der Vorbeugung und FrĂŒherkennung von Krankheiten abhĂ€ngig», teilte das BiB weiter mit.
Diese Aspekte könnten durch eigenes Verhalten und die Gesellschaft beeinflusst werden. «Wie etwa die Rollen von MĂ€nnern und Frauen im Privatleben, Beruf und Krisensituationen gesellschaftlich gesehen werden, hat einen erheblichen Einfluss auf die Geschlechterunterschiede in der Sterblichkeit», erklĂ€rte Sebastian KlĂŒsener, Mitautor der Studie. «Dazu zĂ€hlt etwa, ob der Mann eher in der Verantwortung fĂŒr das Haushaltseinkommen gesehen wird, oder ob bestimmte gesundheitsbeeintrĂ€chtigende Verhaltensweisen wie das Rauchen oder der Alkoholkonsum bei MĂ€nnern oder Frauen eher toleriert werden und verbreiteter sind.» Wenn sich Rollenbilder annĂ€herten, glichen sich tendenziell auch die Unterschiede der Sterblichkeit von MĂ€nnern und Frauen an.


