Medikamentenkosten: Ă–sterreich zahlt 4,9 Milliarden Euro pro Jahr
Veröffentlicht: 16.07.2026 um 17:34 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die Arzneimittelversorgung in Deutschland, Österreich und der Schweiz entwickelt sich 2026 in unterschiedliche Richtungen. Während Österreichs Ausgaben für Medikamente auf 4,9 Milliarden Euro steigen, treibt Deutschland die Digitalisierung der Heimversorgung voran. Die Schweiz setzt weiter auf ein bewährtes Pflichtlagersystem gegen Lieferengpässe.
Österreich: Höhere Kosten, bessere Verfügbarkeit
Der neue Heilmittelreport des Dachverbands der Sozialversicherungsträger zeigt: 2025 gaben die Österreicher 4,9 Milliarden Euro für Medikamente aus. Das sind 7,5 Prozent mehr als im Vorjahr und satte 88 Prozent mehr als 2013. Pro Kopf liegen die Kosten bei 571 Euro – Platz drei im europäischen Ranking hinter der Schweiz und Deutschland.
Trotz der steigenden Kosten ist die Versorgungslage gut. Zwischen 2020 und 2023 waren 82 Prozent der EU-neu zugelassenen Medikamente in Österreich erhältlich. Besonders bemerkenswert: Von der Zulassung bis zur Verfügbarkeit vergehen im Schnitt nur 309 Tage. Der EU-Schnitt liegt bei 578 Tagen.
Teure Patente, günstige Generika – ein Preisproblem?
Im Erstattungskodex (EKO) zeigt sich eine klare Schieflage: 77 Prozent der Ausgaben fließen in patentgeschützte Medikamente. ÖGK-Obmann Andreas Huss schlägt Alarm: Patentgeschützte Arzneimittel kosten in Österreich 19 Prozent mehr als in Schweden, Generika sogar 134 Prozent.
Die Pharmaindustrie kontert. Alexander Herzog von der PHARMIG betont, die Unternehmen hätten 2025 rund 600 Millionen Euro an Rückzahlungen an die Sozialversicherung geleistet. Zudem müsse der therapeutische Nutzen moderner Präparate stärker gewichtet werden – etwa wenn sie Krankenhausaufenthalte vermeiden.
Deutschland: E-Rezept erobert die Pflegeheime
Seit dem 2. Juli 2026 dürfen Arztpraxen E-Rezept-Token direkt an heimversorgende Apotheken schicken. Möglich macht das das Apotheken-Überarbeitungsgesetz (ApoVWG). Voraussetzung: Es gibt einen Heimversorgungsvertrag und die Bewohner stimmen zu. Die Regelung gilt bis Ende 2028 – ab 2029 sollen Pflegeheime direkt an den E-Rezept-Fachdienst angebunden sein.
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Das Bundeskabinett hat Mitte Juli zudem das Digitalgesetz GeDIG beschlossen. Es sieht vor, das Fax im Gesundheitswesen bis Herbst 2029 durch Dienste wie KIM oder TI-Messenger zu ersetzen. Auch die elektronische Patientenakte (ePA) bekommt neue Funktionen: eine Volltextsuche und Impferinnerungen. Die Bundesregierung erwartet jährliche Einsparungen von rund 445 Millionen Euro.
Schweiz: Pflichtlager als Bollwerk gegen Engpässe
Die Schweiz setzt auf ein bewährtes System: Rund 280 Unternehmen müssen Vorräte für 120 kritische Wirkstoffe an 35 Standorten vorhalten. Koordiniert werden die Pflichtlager von der Organisation Helvecura. Sie sollen Engpässe für zwei bis vier Monate überbrücken können.
Die Statistik zeigt eine leichte Entspannung: 2023 gab es mit 280 Meldungen einen Höchststand an Versorgungsstörungen. 2025 waren es nur noch 218. Die Kosten für die Lagerhaltung trägt primär die Pharmabranche, der Bund legt die Preise fest. Ein neues Landesversorgungsgesetz könnte künftig eine Kostenbeteiligung des Bundes vorsehen.
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Apotheken auf Rekordniveau – wenige Patienten treiben Kosten
Österreichs Apothekenlandschaft wächst: 2.251 Betriebe (1.444 öffentliche Apotheken, 807 ärztliche Hausapotheken) sorgen für die flächendeckende Versorgung. Besonders auffällig: Hochpreispräparate treiben die Kosten. Medikamente mit einem Packungspreis von über 2.000 Euro machen nur 0,3 Prozent der Verordnungen aus, verursachen aber 28 Prozent der Gesamtkosten. Rund 3.366 Patienten kosteten die Kassen im Beobachtungszeitraum jeweils mehr als 100.000 Euro pro Jahr.
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