Melatonin bei Schmerzen: Metaanalyse zeigt messbaren, aber kleinen Effekt
Veröffentlicht am: 25.08.2026 um 18:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Schlafhormon als ErgĂ€nzung in der Schmerztherapie? Prof. Stefan Wirz vom Cura Krankenhaus Bad Honnef setzt Melatonin bei Patienten mit chronischen Schmerzen ein und stĂŒtzt sich dabei auf eine Metaanalyse, die 23 Studien mit mehr als 2000 Teilnehmern zusammenfasst.
Das Ergebnis: Melatonin kann den Verbrauch von Ibuprofen bei RĂŒckenschmerzen, Arthrose und Fibromyalgie senken. Die Schmerzreduktion selbst fĂ€llt der Auswertung zufolge jedoch hĂ€ufig so gering aus, dass sie klinisch nicht relevant ist.
Wirkweise und Dosierung
Wirz verwendet Melatonin in Dosierungen zwischen 4 und 10 Milligramm. Er betont dabei, dass das Hormon keinesfalls klassische Schmerzmittel ersetzen soll, sondern allenfalls als Zusatzbaustein in einem umfassenderen Therapiekonzept infrage kommt. Der mögliche Nutzen liegt demnach weniger in einer eigenstĂ€ndigen schmerzlindernden Wirkung als vielmehr darin, dass Patienten unter Melatonin-Gabe offenbar weniger auf Ibuprofen zurĂŒckgreifen mĂŒssen.
Weitere Studienlage bestÀtigt begrenzten Effekt
Diese vorsichtige Einordnung deckt sich mit weiteren aktuellen Auswertungen. Eine im Juli 2026 veröffentlichte Analyse auf drimble.nl untersuchte den Einsatz von Melatonin bei chronischen Muskel- und Gelenkschmerzen und kam zu einem Àhnlichen Schluss: Es zeige sich zwar ein kleiner, messbarer Effekt, die Beweislage sei jedoch begrenzt. Aus dieser Datenlage lasse sich kein Anlass ableiten, bestehende Behandlungen zu verÀndern.
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Auch eine 2026 veröffentlichte Metaanalyse einer Forschungsgruppe der UniversitÀt Sydney, die neun randomisiert-kontrollierte Studien mit rund 450 Teilnehmern auswertete, zeichnet ein differenziertes Bild.
Bei einer tĂ€glichen Dosis von 3 bis 10 Milligramm Melatonin zeigte sich bei Patienten mit chronischen muskuloskelettalen Schmerzen â darunter Fibromyalgie, Knie-Osteoarthritis und neuropathischer Schmerz â eine signifikante Schmerzreduktion im Vergleich zu allen anderen Vergleichsbehandlungen.
Die mittlere Reduktion lag bei 8,96 von 100 Punkten auf der verwendeten Schmerzskala. Im direkten Vergleich zu Placebo erreichte der Unterschied jedoch keine statistische Signifikanz.
Einordnung fĂŒr Patienten
Die vorliegenden Auswertungen ergeben insgesamt ein konsistentes, aber vorsichtiges Bild: Melatonin scheint bei bestimmten chronischen Schmerzformen einen messbaren, jedoch meist kleinen Effekt zu haben, der in einzelnen Analysen kaum ĂŒber den Placebo-Effekt hinausgeht.
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FĂŒr die klinische Praxis bedeutet das, dass Melatonin allenfalls als ergĂ€nzende Option betrachtet werden kann â etwa um den Verbrauch klassischer Schmerzmittel wie Ibuprofen zu reduzieren, wie es Prof. Wirz beschreibt. Als eigenstĂ€ndiger Ersatz fĂŒr etablierte Schmerztherapien eignet es sich nach derzeitigem Kenntnisstand nicht.
Wer unter chronischen Schmerzen leidet, sollte eine ErgĂ€nzung der Behandlung durch Melatonin daher nicht ohne Ă€rztliche RĂŒcksprache in ErwĂ€gung ziehen, zumal die Studienlage nach EinschĂ€tzung mehrerer Analysen insgesamt noch als begrenzt gilt.
