Kinder sind ein Muss, meinen mehr MĂ€nner als Frauen
08.11.2024 - 04:00:39 | dpa.deSollten die meisten Menschen Kinder haben? Bei der Antwort klafft in Deutschland nach Umfragedaten eine riesige LĂŒcke zwischen MĂ€nnern und Frauen. Fast zwei Drittel der MĂ€nner (59 Prozent) bejahen diese Frage - bei den Frauen sind es nur ein Drittel (33 Prozent), wie eine reprĂ€sentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos ergab.
Expertinnen sehe eine entscheidende Ursache fĂŒr die unterschiedlichen Antworten darin, dass Kinder noch immer eher zulasten der Frau gehen. FĂŒr MĂ€nner verĂ€ndere sich zwar durch die Geburt eines Kindes grundsĂ€tzlich auch sehr viel, wesentliche Grundfeste ihres Lebens blieben aber oft stabiler als bei den meisten Frauen, erklĂ€rt die Psychologin Mareile Poettering aus Sonthofen.
Berechtigte Angst um die Karriere
Von Frauen werde oft viel in Ausbildung, Job und Karriere investiert. «Folglich haben sie eine berechtigte Angst davor, dass diese Karriere durch die Geburt eines Kindes beeintrĂ€chtigt wird», sagt Poettering. TatsĂ€chlich bedeuteten Kinder fĂŒr Frauen oft eine andere berufliche Laufbahn. Teilweise wĂŒrden MĂŒtter auf niedrigere Posten gesetzt oder verlören ihren Job sogar ĂŒber kurz oder lang.
Der Spagat zwischen Familie und Beruf werde noch dadurch erschwert, dass Unternehmen mit familien- oder kinderfreundlichen Arbeitsmodellen in Deutschland keine SelbstverstĂ€ndlichkeit seien, erklĂ€rt Poettering. Dabei sei es vielen Frauen wichtig, selbst Geld zu verdienen. Hinzu komme die Sorge, das Geld fĂŒr eine Familie nicht aufbringen zu können. «Und solche Ăngste sind begrĂŒndet.»
Finanzielle Ăngste
So sei mit Kind oft eine gröĂere Wohnung nötig - und solche Wohnungen seien aktuell ebenso rar gesĂ€t wie oft unbezahlbar. Auch andere Kosten stiegen stetig. Zudem lebten junge Paare heutzutage oft weit entfernt von ihren Herkunftsfamilien und könnten nicht auf deren UnterstĂŒtzung bei der Betreuung setzen. Von kinderlosen Frauen sei in der Summe oft zu hören, dass sie sich sorgten, die «Aufgabe Kind» nicht bewĂ€ltigen zu können - zumal sie im Bekanntenkreis oft die immense Ăberforderung junger MĂŒtter sĂ€hen.
Betroffen von Mehrfachbelastung seien vor allem Frauen der sogenannten Mittelschicht, ergĂ€nzt die Kölner Psychologin Petra Jagow. In der vermögenden Gruppe gebe es genĂŒgend Ressourcen etwa fĂŒr die Kinderbetreuung. In der eher armen Gruppe wiederum fielen bestimmte Belastungen - etwa durch den Job - oft weg, frĂŒhe Mutterschaft gelte bei einigen jungen Frauen nach wie vor als attraktiver als eine Ausbildung.
Hohe Erwartungen an das Leben
Den zweiten wesentlichen Aspekt neben den Ressourcen sehen die Expertinnen in den AnsprĂŒchen und Erwartungen an das eigene Leben - mit dem Wunsch, es möglichst selbstbestimmt gestalten zu können. «Gerade in Deutschland ist das aufgrund der Rahmenbedingen schlechter möglich als in den uns umgebenden LĂ€ndern», ist Jagow ĂŒberzeugt. «Egal, wie Frau es macht, sie macht es verkehrt - und den Begriff "Rabenmutter" gibt es nur bei uns.»
Im Ganzen ergibt sich das Bild, dass Frauen vielleicht ein Kind möchten, aber nicht bereit sind, den aktuell hohen Preis dafĂŒr zu bezahlen, wie Jagow sagt. Um das zu Ă€ndern, mĂŒssten entscheidende Rahmenbedingungen verbessert werden, etwa bei Kinderbetreuung, bei den Arbeitsbedingungen und bei der Rentengestaltung.
EU-weit ist der Unterschied nach den Ipsos-Daten tatsÀchlich etwas kleiner: 53 Prozent der MÀnner stimmen zu, dass die meisten Leute Kinder haben sollten, bei den Frauen sind es 39 Prozent.
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