Mentale Gesundheit: 30-50% der Jugendlichen fühlen sich gestresst
25.06.2026 - 02:10:21 | boerse-global.de
Kirchen und Kommunen bauen ihre Angebote massiv aus – von professionellen Weiterbildungen bis zu ehrenamtlichen Ausbildungsprogrammen.
Nordkirche sucht Achtsamkeitslehrer
Die Nordkirche startet ein spezifisches Programm für angehende Achtsamkeitslehrer. Die kostenlose Qualifizierung findet in Hamburg statt und umfasst zwei Termine im September und November 2026. Hans-Ulrich Keßler und Natalie Wollenschneider leiten das Angebot. Es richtet sich an Menschen, die Achtsamkeitspraktiken in ihren Beruf integrieren wollen.
Parallel setzt die Erzdiözese Freiburg auf das bewährte MBSR-Format (Mindfulness-Based Stress Reduction). Im Bildungshaus St. Luzen in Hechingen startet im Oktober ein achtwöchiger Kurs unter Dr. Harald Banzhaf. Kostenpunkt: 380 Euro. Ein Informationsabend Mitte September bereitet Interessierte auf die Grundlagen der Stressbewältigung vor.
Schulen schlagen Alarm: Jeder zweite Jugendliche gestresst
Die Dringlichkeit solcher Maßnahmen belegen aktuelle Daten zur mentalen Gesundheit junger Menschen. An der Evangelischen Schule Peeneburg in Anklam zeigt sich ein alarmierendes Bild. „Regelmäßig fühlen sich 30 bis 50 Prozent der Jugendlichen gestresst“, sagt Psychotherapeutin Kristin Decroock. Bis zu 20 Prozent entwickeln demnach Symptome psychischer Störungen.
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Die Konsequenz: Resilienztrainings werden direkt in den Schulalltag integriert, finanziert teils aus Schulhaushalten. Auch Kitas ziehen nach. Im Landkreis Northeim schlossen im Juni 14 Kita-Leitungen einen 128-stündigen Lehrgang ab. Die KVHS Northeim und der Landkreis hatten das Programm für gestresste Führungskräfte entwickelt.
Ehrenamtliche für traumatisierte Kinder gesucht
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Ausbildung ehrenamtlicher Helfer. Das Landratsamt Ludwigsburg sucht für September Begleitpersonen für die „Expressive Sandarbeit“. Das Projekt richtet sich an traumatisierte Kinder zwischen sechs und 13 Jahren. Eine mehrtägige Schulung bereitet die Ehrenamtlichen vor.
Auch die Selbsthilfe setzt auf strukturierte Ausbildung. Die Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen (KISS) in Schwerin schult sogenannte „In-Gang-Setzer“. Diese unterstützen Selbsthilfegruppen in der Gründungsphase. Die Termine: August und September 2026 in Springe, Minden und online.
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Ergänzend gibt es spezielle Formate wie Waldbaden-Workshops. Ein Angebot Anfang September in Bad Vilbel unter Lilith Schuhmacher richtet sich explizit an Mitglieder von Selbsthilfegruppen.
Gesellschaftlicher Zusammenhalt als Schutzfaktor
Die Programme sind mehr als reine Gesundheitsvorsorge. Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, betonte im Juni die Rolle der Kirche als Kraft gegen gesellschaftliche Verunsicherung. Die Evangelische Sozialkommission forderte zudem eine faire Lastenverteilung bei Sozialstaatsreformen. Nur so lasse sich die mentale Gesundheit der Bevölkerung langfristig sichern.
