MigrÀne und Ausdauertraining: 30 bis 60 Minuten, dreimal pro Woche
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 19:00 Uhr | Redaktion boerse-global.deFachbeitrÀge heben zunehmend den Stellenwert psychotherapeutischer AnsÀtze in der Behandlung von MigrÀne hervor. Neben der medikamentösen Versorgung kommen im klinischen Alltag verschiedene verhaltenstherapeutische und entspannungsbasierte Verfahren zum Einsatz. Dazu zÀhlen insbesondere die kognitive Verhaltenstherapie, Biofeedback, progressive Muskelentspannung, Achtsamkeitsmeditation sowie gezieltes Emotionsregulationstraining.
Psychotherapeutische Methoden und Entspannungsverfahren
Die kognitive Verhaltenstherapie gilt dabei als zentrale Kernmethode. Sie zielt darauf ab, sowohl die HĂ€ufigkeit als auch die IntensitĂ€t der Kopfschmerzattacken zu reduzieren und kann gleichzeitig Begleiterscheinungen wie Ăngste und depressive Verstimmungen lindern. FĂŒr Betroffene, die empfindlich auf Nebenwirkungen von Medikamenten reagieren, eignet sich Fachberichten zufolge vor allem Biofeedback als Behandlungsoption.
ErgĂ€nzend stehen niederschwellige Techniken zur VerfĂŒgung. Die progressive Muskelentspannung zeichnet sich dadurch aus, dass sie einfach zu erlernen und jederzeit im Alltag anwendbar ist.
Achtsamkeitsmeditation wiederum kann dazu beitragen, die AnfallshĂ€ufigkeit ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum hinweg zu senken. Das Emotionsregulationstraining setzt gezielt an typischen psychischen Triggern an, um Attacken vorzubeugen, die durch Stress, Wut oder Reizbarkeit ausgelöst werden.
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Wissenschaftliche Befunde zu Bewegung und Ausdauersport
Neben psychologischen Interventionen spielt regelmĂ€Ăige aerobe AktivitĂ€t, zu der auch einfaches Gehen zĂ€hlt, eine wichtige Rolle bei der Reduktion von MigrĂ€neattacken. Die zugrunde liegenden Mechanismen betreffen unter anderem die körpereigene Schmerzregulation, EntzĂŒndungsreaktionen, den Abbau von Stresshormonen sowie positive Effekte auf Stimmung und SchlafqualitĂ€t.
Die Wirksamkeit von Ausdauereinheiten wird durch wissenschaftliche Erhebungen gestĂŒtzt. Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2019 im Fachjournal Journal of Headache and Pain, die sechs Studien auswertete, verzeichnete nach einer aeroben Intervention einen RĂŒckgang von durchschnittlich etwa 0,6 MigrĂ€netagen pro Monat.
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Ein internationaler Konsensus aus dem Jahr 2023 in der Fachzeitschrift Physical Therapy empfiehlt fĂŒr MigrĂ€nepatienten eine moderate, kontinuierliche aerobe AktivitĂ€t im Umfang von 30 bis 60 Minuten pro Trainingseinheit, idealerweise dreimal pro Woche.
Fachleute warnen jedoch davor, wÀhrend einer bereits aktiven Schmerzattacke mit Gewalt weiterzugehen. Sollten sich die Schmerzen verstÀrken oder Symptome wie Schwindel auftreten, wird geraten, die AktivitÀt abzubrechen und die Beschwerden Àrztlich abklÀren zu lassen.
Lebensstil, ErnÀhrung und digitale Vorsorgeangebote
Als weitere nichtmedikamentöse MaĂnahmen werden ein strukturiertes Stressmanagement, Yoga, ein regelmĂ€Ăiger Schlafrhythmus sowie eine ausreichende FlĂŒssigkeitszufuhr empfohlen. Zudem kann es sinnvoll sein, bekannte Auslöser in der ErnĂ€hrung zu meiden.
Dazu gehören stark tyrosinhaltige Lebensmittel wie gepökelte Fleischwaren und gereifter KĂ€se, aber auch Schokolade, der GeschmacksverstĂ€rker Mononatriumglutamat (MSG) sowie ein ĂŒbermĂ€Ăiger Konsum von Koffein. Ein tĂ€glicher Spaziergang von 30 Minuten gilt als einfache BasismaĂnahme.
Auch digitale Hilfsmittel greifen diese AnsĂ€tze auf. So stellt die Krankenkasse AOK PLUS ihren Versicherten im Alter zwischen 18 und 65 Jahren die Vorsorge-App Ally des Unternehmens Aumio Health fĂŒr ein Jahr kostenfrei bereit. Das Angebot fungiert als digitaler Coach fĂŒr StressbewĂ€ltigung und stĂŒtzt sich auf kognitive Verhaltenstherapie, Achtsamkeit sowie positive Psychologie.
Jean Ochel, klinischer Psychologe und MitgrĂŒnder von Aumio Health, gab zu bedenken, dass herkömmliche KI-Chatbots oft darauf ausgelegt seien, Nutzer möglichst lange im Dialog zu halten, was im Bereich psychischer Belastungen die falsche Richtung darstelle. Dr. Stefan Knupfer, Vorstand der AOK PLUS, erklĂ€rte, dass das bereitgestellte Programm gezielt bei der PrĂ€vention ansetze.
