Mittagsschlaf im Alter: HĂ€ufige Nickerchen gehen mit 48 Prozent mehr Demenzrisiko einher
Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 12:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deRegelmĂ€Ăige Ruhephasen wĂ€hrend des Tages gelten vielen Ă€lteren Menschen als erholsame Routine. Eine wissenschaftliche Untersuchung der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health liefert nun differenzierte Einblicke in den Zusammenhang zwischen Schlafgewohnheiten und kognitivem Verfall.
Wie die Arbeitsgruppe um Erstautorin Kening Jiang und Seniorautor Adam Spira in einer im SpĂ€tsommer 2026 vorgestellten Langzeitbeobachtung darlegt, geht ein auffĂ€lliges Schlafverhalten am Tag mit einer signifikanten Risikoerhöhung fĂŒr spĂ€tere Demenzerkrankungen einher.
Deutlich erhöhtes Risiko bei tÀglichem Mittagsschlaf
Die Auswertung stĂŒtzt sich auf Daten der US-amerikanischen National Health and Aging Trends Study. Untersucht wurden 995 beziehungsweise knapp 1.000 Medicare-EmpfĂ€nger im Alter ab 65 Jahren, die zu Beginn der Erfassung im Jahr 2013 keine Demenzdiagnose aufwiesen und ĂŒber einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren begleitet wurden.
Dabei zeigte sich, dass Personen, die an den meisten Tagen oder tĂ€glich Mittagsschlaf hielten, ein um 48 Prozent höheres Demenzrisiko aufwiesen als jene Teilnehmenden, die selten oder nie tagsĂŒber schliefen. Diese statistische Assoziation blieb auch nach einer umfassenden Adjustierung fĂŒr demografische Faktoren, bestehende Gesundheitsprobleme, chronische Erkrankungen, Depressionen sowie spezifische Merkmale des Nachtschlafs â darunter Schlafdauer, TagesschlĂ€frigkeit und das Schlafapnoe-Risiko â bestehen.
Ein gelegentlicher Mittagsschlaf war hingegen nicht mit einem erhöhten Risiko verbunden. Zudem entwickelte etwa die HÀlfte der hÀufigen MittagsschlÀfer im Verlauf des Beobachtungszeitraums keine Demenz.
Einfluss von Dauer und Absicht des Einschlafens
Neben der HĂ€ufigkeit analysierte das Forschungsteam auch die Dauer und die Art der Ruhephasen. Ein Mittagsschlaf von höchstens 30 Minuten war in der Hauptanalyse mit einem um 40 Prozent höheren Demenzrisiko verknĂŒpft. Bei einer Schlafdauer von mehr als 30 Minuten schwĂ€chte sich dieser Zusammenhang nach der BerĂŒcksichtigung von Nachtschlaffaktoren ab.
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Ein wesentlicher Unterschied zeigte sich zudem bei der Frage, ob das Einschlafen beabsichtigt geschah: WĂ€hrend unbeabsichtigtes Einnicken tagsĂŒber mit einem um 39 Prozent höheren Demenzrisiko einherging, lieĂen sich bei regelmĂ€Ăig geplanten Ruhephasen nach statistischer Anpassung an den allgemeinen Gesundheitszustand und die NachtschlafqualitĂ€t keine klaren Effekte feststellen.
FrĂŒhwarnsignal statt kausale Ursache
Die Forschenden ordnen die Resultate ausdrĂŒcklich als Beobachtungsstudie ein, die keine KausalitĂ€t nachweisen kann. Die Daten belegen demnach nicht, dass Tagesschlaf Demenzerkrankungen verursacht. Die Angaben zum Nickerchenverhalten basierten auf SelbstauskĂŒnften der Teilnehmenden, wĂ€hrend der Demenzstatus ĂŒber einen standardisierten Algorithmus ermittelt wurde.
AuffĂ€lliges Schlafverhalten trat der Untersuchung zufolge bereits Jahre vor einer formellen Demenzdiagnose zutage. Selbst nach dem statistischen Ausschluss von DemenzfĂ€llen aus den ersten fĂŒnf Beobachtungsjahren blieben die ZusammenhĂ€nge fĂŒr hĂ€ufige und unbeabsichtigte Nickerchen Ă€hnlich stabil; in einer Teilanalyse, die ausschlieĂlich FĂ€lle ab mindestens fĂŒnf Jahren nach Studienbeginn berĂŒcksichtigte, lag die RisikoschĂ€tzung um 75 Prozent höher.
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Fachleute diskutieren daher eine umgekehrte Wirkungsrichtung: HirnverĂ€nderungen in frĂŒhen Krankheitsstadien könnten spezialisierte Wachsamkeitszellen schĂ€digen und so verstĂ€rkte MĂŒdigkeit auslösen. Ein vermehrtes SchlafbedĂŒrfnis tagsĂŒber wĂ€re demnach vor allem als möglicher FrĂŒhindikator fĂŒr neurodegenerative Prozesse zu werten.
