Mittelmeer-Lebensstil, Gewohnheiten

Mittelmeer-Lebensstil: 23 Gewohnheiten senken das Sterberisiko um 30 Prozent

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 22:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine 13-jährige Beobachtung verbindet hohe Medlife-Werte mit niedrigerer Sterblichkeit; ein ursächlicher Zusammenhang ist damit nicht belegt.
Eine sonnendurchflutete Steinterrasse mit Blick auf eine mediterrane Hügellandschaft und Olivenbäume. Illustration mit AI erstellt.

Ein ganzheitlicher mediterraner Lebensstil kann mit einer signifikanten Verringerung des Sterberisikos einhergehen. Dies belegt eine im Fachjournal American Journal of Clinical Nutrition am 9. Oktober 2026 veröffentlichte Untersuchung.

Anhand des sogenannten Medlife-Index analysierten Wissenschaftler 23 verschiedene Gewohnheiten aus den Bereichen Ernährung, Essverhalten und allgemeinen Lebensstilfaktoren.

Bei einer Kohorte von 105.812 Erwachsenen über einen Nachbeobachtungszeitraum von 13 Jahren, in dem 3.976 Todesfälle erfasst wurden, wies das oberste Viertel der Teilnehmenden mit der höchsten Einhaltung des Lebensstils ein um 30 Prozent niedrigeres Sterberisiko auf als das unterste Viertel.

Kombinierten die Forscher eine hohe Punktzahl auf dem Medlife-Index mit der Zugehörigkeit zum oberen Einkommensdrittel, fiel das Sterberisiko sogar um 46 Prozent geringer aus. Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, lässt sich daraus jedoch kein kausaler Nachweis ableiten.

Ergänzende Erkenntnisse zu Biomarkern und Krankheitsrisiken

Die Resultate reihen sich in ein breites Spektrum wissenschaftlicher Analysen ein, die den mediterranen Ansatz über rein diätetische Vorgaben hinaus betrachten.

Eine frühere Untersuchung aus dem Jahr 2023 in den Mayo Clinic Proceedings mit 110.799 Erwachsenen im Alter von 40 bis 75 Jahren aus der UK-Biobank zeigte bereits ein 29 Prozent niedrigeres Sterberisiko sowie ein 28 Prozent geringeres Krebstodesrisiko bei stärkerer Einhaltung mediterraner Gewohnheiten.

Zudem identifizierte eine im American Journal of Clinical Nutrition erschienene Arbeit eine Signatur von 67 Blut-Metaboliten, die die Einhaltung der Mittelmeerdiät abbildet und die Sterblichkeit in vier unabhängigen Kohorten vorhersagt.

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Eine vom DeutschenGesundheitsPortal erfasste Metaanalyse von 126 Studien unterstreicht diesen Trend: Eine engere Orientierung an mediterranen Ernährungsmustern steht demnach mit einem verringerten Risiko für mehrere Krebsarten sowie einer niedrigeren krebsbedingten Sterblichkeit in Verbindung.

Auch auf zellulärer Ebene lassen sich entsprechende Zusammenhänge beobachten. Wie eine Beobachtungsanalyse im Fachjournal Nature Communications mit 7.504 Erwachsenen in Deutschland ergab, ist die Einhaltung gesunder Ernährungsmuster – darunter die mediterrane Ernährungsform – mit einer langsameren biologischen Alterung assoziiert.

Für die Messung über DNA-Methylierung an rund 850.000 DNA-Stellen wurden Daten von 6.470 Erwachsenen aus der Rhineland Study des DZNE Bonn ausgewertet und an 1.034 Teilnehmenden der Potsdamer EPIC-Studie des DIfE bestätigt.

Über 70 Prozent der biologischen Pfade erwiesen sich diätenübergreifend als gemeinsam wirksam, wobei der Zusammenhang bei Rauchern am stärksten ausgeprägt war; auch hier lag kein Kausalitätsnachweis vor.

Herz-Kreislauf-Prävention und traditioneller Wandel

Hinsichtlich der kardiovaskulären Gesundheit hebt das Centro Cardiologico Monzino hervor, dass eine höhere Adhärenz an die Mittelmeerdiät mit einer um 9 Prozent niedrigeren kardialen Mortalität assoziiert ist. Empfohlen werden hierbei Vollkornprodukte, mehr Gemüse und Hülsenfrüchte anstelle von verarbeitetem Fleisch sowie die Ersetzung von Speisesalz durch Kräuter.

Hintergrund sind erhebliche Risikofaktoren: Laut Daten des Progetto Cuore des Istituto Superiore di Sanità sind 24 Prozent der Frauen zwischen 35 und 74 Jahren in Italien adipös, 30 Prozent weisen hohe Cholesterinwerte auf und 37 Prozent leiden an Bluthochdruck. Jede fünfte Minute erkranke dort eine Frau kardiovaskulär, was jährlich rund 124.000 neuen Fällen und einer Mortalität von 31 Prozent entspricht.

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Trotz dieser Daten weichen Bevölkerungen im Mittelmeerraum zunehmend von ihren überlieferten Gepflogenheiten ab, wie eine Veröffentlichung von Domenico Praticò im International Journal of Food Sciences and Nutrition festhält.

Eine Untersuchung im Mediterranean Journal of Nutrition and Metabolism aus dem Jahr 2024 unter 2.011 Eltern in Spanien, Italien, Libanon, Ägypten und Portugal zeigte, dass Kinder im Libanon und in Portugal die Diät besser einhalten als in Italien und Spanien. Beobachtet wurden ein Rückgang beim Konsum von Obst, Gemüse, Fisch und Nüssen sowie eine Zunahme von Fast Food.

Italiens Gesundheitsminister Orazio Schillaci kündigte vor diesem Hintergrund die Schaffung einer neuen Direktion für gesunde Lebensstile an. Während Erhebungen des Censis-Instituts zufolge 90 Prozent der italienischen Bevölkerung die Mittelmeerdiät für eine wirksame Prävention halten, sieht der italienische Nationale Präventionsplan 2026–2031 nach einem ganzheitlichen Ansatz vor, den Fokus verstärkt auf frische und minimal verarbeitete Lebensmittel zu lenken und ultraverarbeitete Produkte zurückzudrängen.

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