Mundtaping, Schlaf

Mundtaping im Schlaf: Zehn Studien mit 213 Teilnehmenden ausgewertet

Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 10:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nasenatmung unterstützt die Ventilation; gezielte Übungen können das Nervensystem regulieren, sind bei bestimmten Erkrankungen jedoch ärztlich abzuklären.
Ein ruhiger, minimalistischer Raum mit Blick auf einen nebligen Wald bei Tagesanbruch, der eine Atmosphäre der Entspannung vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Die Art und Weise, wie Menschen atmen, hat weitreichende Auswirkungen auf die Lungenfunktion und das körperliche Wohlbefinden. Aktuelle medizinische Beiträge und wissenschaftliche Untersuchungen heben hervor, dass die Nasenatmung gegenüber der Mundatmung deutliche physiologische Vorteile bietet.

Während die Mundatmung vor allem bei höherer Belastungsintensität mehr Luftdurchsatz ermöglicht, dient die Nase als natürliches Filtersystem, das die einströmende Luft erwärmt, befeuchtet und einen notwendigen Strömungswiderstand aufbaut.

Physiologische Grundlagen und Ventilationseffizienz

In Ruhephasen atmet ein gesunder Erwachsener zwischen 12 und 20 Mal pro Minute, was sich im Tagesverlauf auf über 17.000 Atemzüge summiert. Der Durchschnittsmensch atmet im Alltag rund 15 Mal pro Minute. Wissenschaftler weisen darauf hin, dass diese Frequenz für ein neuronales Gleichgewicht oft zu hoch ist, da eine anhaltend schnelle Atmung dem Gehirn Stress oder Gefahr signalisieren kann.

Die Nasenatmung verlangsamt diesen Vorgang und regt zudem die Produktion von Stickstoffmonoxid an. Eine Studie aus dem Jahr 2024 zeigte, dass Teilnehmer – darunter Herzpatienten sowie gesunde Personen – bei moderater Belastung auf dem Fahrrad unter reiner Nasenatmung eine niedrigere Atemfrequenz und eine verbesserte Ventilationseffizienz aufwiesen. Zu dieser Untersuchung veröffentlichten die Autoren nachträglich eine Korrektur.

Folgen nächtlicher Mundatmung und Trend-Methoden

Wird vorwiegend durch den Mund geatmet, treten insbesondere in der Nacht nachteilige Begleiterscheinungen auf. Neben Schnarchen und einem trockenen Mund leiden Betroffene am Tag trotz Schlaf oft unter Müdigkeit; zudem begünstigt das Austrocknen der Mundschleimhaut das Kariesrisiko. Häufig liegen die Ursachen in anatomischen oder entzündlichen Hindernissen wie verstopften Nasengängen durch Allergien, Polypen oder einer Septumdeviation.

Anzeige

Wer sich mit der Beruhigung des Nervensystems befasst, findet im Vagusnerv einen entscheidenden Hebel für die Gesundheit. Dieser kostenlose Ratgeber enthüllt, wie Sie diesen „Gesundheitsschalter“ ganz einfach selbst aktivieren können. Was der Vagusnerv mit Ihrem Blutdruck und Immunsystem zu tun hat

Verbreitete Praktiken wie das nächtliche Mundtapen, bei dem die Lippen mit Klebeband verschlossen werden, sind wissenschaftlich nur eingeschränkt gestützt. Eine im Jahr 2025 erschienene Übersichtsarbeit, die zehn Studien mit 213 Teilnehmenden erfasste, stellte fest, dass sich lediglich in zwei Untersuchungen ein möglicher Nutzen bei leichter Schlafapnoe abzeichnete. Bei einer bestehenden Nasenobstruktion birgt die Methode hingegen Risiken.

Gezielte Atemtechniken im Alltag

Fachleute empfehlen, die Atmung an die jeweilige Belastung anzupassen: In Ruhe und bei leichter Aktivität sollte vorrangig durch die Nase geatmet werden, während bei steigender Laufintensität die Mundatmung hinzugenommen werden kann. Vor dem Schlafen empfiehlt sich ein langsamer Rhythmus, wobei ältere Personen auf einen gleichmäßigen Fluss statt auf Atemanhalten achten sollten.

Verschiedene Übungen helfen bei der Regulierung des vegetativen Nervensystems:

  • Zwerchfell- und Kohärenzatmung: Langsames Atmen stimuliert den Vagusnerv und senkt den Blutdruck, während flache Brustatmung den Sympathikus anregt. Eine Kohärenzatmung mit rund sechs Atemzügen pro Minute fördert die Herzratenvariabilität.
  • Box Breathing: Hierbei wird jeweils vier Sekunden lang eingeatmet, die Luft vier Sekunden angehalten, vier Sekunden ausgeatmet und erneut vier Sekunden pausiert.
  • 4-7-8-Methode: Die Luft wird durch den Mund entleert, vier Sekunden durch die Nase eingeatmet, sieben Sekunden gehalten und acht Sekunden durch den Mund ausgestoßen, wiederholbar in bis zu vier Zyklen.
  • Wechselseitige Nasenatmung: Eine im International Journal of Yoga publizierte Studie zeigte, dass diese Technik bereits nach fünf Minuten zu einer signifikant niedrigeren Herzfrequenz und verringertem Blutdruck führte.
  • Summen: Ein gezieltes Summen aktiviert über den Vagusnerv den Parasympathikus und steigert die Stickstoffmonoxid-Konzentration im Nasenbereich; bereits 60 bis 90 Sekunden können das Stressempfinden dämpfen.
Anzeige

Eine gezielte Atemtechnik kann den Blutdruck messbar positiv beeinflussen und eine sinnvolle Ergänzung zu herkömmlichen Methoden sein. Dieser Gratis-Report erklärt, wie Bluthochdruck-Betroffene ihre Werte ganz ohne Medikamente verbessern können. 3 Minuten Atemübung zum Blutdrucksenken entdecken

Warnhinweise und Kontraindikationen

Obwohl kontrollierte Atemübungen die Stressbewältigung unterstützen können, ersetzen sie keine ärztliche Therapie. Ein übermäßig tiefes Atmen kann zudem zu Schwindel oder Kribbeln führen.

Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD), Asthma, Herzerkrankungen oder jene unter Sauerstofftherapie sollten Techniken mit Atempausen oder forcierter Ausatmung nur nach ärztlicher Rücksprache anwenden. Bei akuter Atemnot, die von Brustschmerzen, kaltem Schweiß, bläulichen Lippen oder Bewusstseinsveränderungen begleitet wird, ist unverzüglich medizinische Hilfe erforderlich.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70438000 |