Muskelkraft, Frauen

Muskelkraft bei Frauen: Studie zeigt deutlich geringeres Sterberisiko im Alter

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 02:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Kohortenstudie verbindet stärkere Handgriffe und schnelleres Aufstehen bei Frauen ab 63 Jahren mit niedrigerer Sterblichkeit.

Muskelkraft bei älteren Frauen steht mit geringerem Sterberisiko in Verbindung
Zwei metallische Kurzhanteln liegen in einem hellen, sonnendurchfluteten und leeren Trainingsraum auf einem Holzboden. Illustration mit AI erstellt.

Die körperliche Verfassung im Alter gilt in der medizinischen Forschung zunehmend als entscheidender Indikator für die Langlebigkeit. Eine prospektive Kohortenstudie im Rahmen der Untersuchung zur objektiven körperlichen Aktivität und kardiovaskulären Gesundheit (Objective Physical Activity and Cardiovascular Health study) zeigt, dass eine ausgeprägte Muskelkraft bei Frauen im Alter zwischen 63 und 99 Jahren mit einem signifikant geringeren Sterberisiko einhergeht.

Die unter dem Titel Muscular Strength and Mortality in Women Aged 63 to 99 Years geführte Erhebung verdeutlicht, dass insbesondere funktionelle Kraftwerte verlässliche Rückschlüsse auf das Überleben zulassen.

Deutlich reduziertes Sterberisiko durch Muskelkraft

In der Kohortenstudie erwies sich eine höhere Handgriffstärke als klarer Prädiktor für eine geringere Sterblichkeit (Trend p<0,001). Im Vergleich zum niedrigsten Quartil wiesen die Teilnehmerinnen im zweiten Quartil eine Hazard Ratio (HR) von 0,94 auf (95%-Konfidenzintervall 0,85–1,06). Im dritten Quartil lag der Wert bei 0,85 (0,75–0,97) und im vierten Quartil bei 0,67 (0,58–0,78).

Ähnlich eindeutige Ergebnisse zeigte der Test zum Aufstehen aus dem Sitzen: Eine kürzere benötigte Zeitspanne war ebenfalls signifikant mit einer geringeren Mortalität assoziiert (p<0,001). Für das zweite Quartil ergab sich eine HR von 0,79 (0,69–0,88), für das dritte Quartil 0,76 (0,67–0,87) und für das vierte Quartil 0,63 (0,54–0,73).

Bemerkenswert ist, dass diese Zusammenhänge auch nach statistischer Bereinigung um Faktoren wie das allgemeine Aktivitätsniveau, die Gehgeschwindigkeit, die tägliche Sitzdauer und Entzündungsmarker stabil blieben.

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Altersbedingter Muskelabbau und Trainingsbedarf

Nach Angaben des US-Büros für Frauengesundheit (Office on Women's Health) verliert der menschliche Körper ab einem Alter von etwa 30 Jahren pro Jahrzehnt rund 3 bis 5 % seiner Muskelmasse. Dieser schleichende Prozess macht sich meist ab etwa 60 Jahren spürbar bemerkbar.

Der Mediziner Dr. Burak Uzel vom Ataköy-Medicana-Krankenhaus verweist darauf, dass eine sogenannte anabolische Resistenz im Alter die Entstehung von Sarkopenie begünstigt, weshalb die Relevanz von Bewegung und gezielter Ernährung steigt.

Eine 2026 in der Fachzeitschrift Frontiers in Physiology publizierte Metaanalyse von 46 Studien mit 1.280 Teilnehmenden bestätigt, dass die Muskelproteinsynthese nach Mahlzeiten bei älteren Personen geringer ausfällt als bei jüngeren.

Zur Gegensteuerung raten US-Gesundheitsbehörden (CDC) Personen ab 65 Jahren zu mindestens 150 Minuten moderater oder 75 Minuten hochintensiver Aerobic-Aktivität pro Woche, ergänzt durch Krafttraining für große Muskelgruppen an mindestens zwei Tagen pro Woche sowie Gleichgewichtsübungen.

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Die Rolle der Proteinversorgung

Neben körperlichem Training gilt die Proteinzufuhr als elementar für den Erhalt der Muskulatur. Laut der PROT-AGE-Studiengruppe sowie der Fachgesellschaft ESPEN liegt der tägliche Bedarf für gesunde Erwachsene ab 65 Jahren bei 1,0 bis 1,2 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht, was bei einem Körpergewicht von 70 Kilogramm etwa 70 bis 84 Gramm entspricht.

Bei akuten oder chronischen Erkrankungen sowie Mangelernährungsrisiken steigen die Empfehlungen auf 1,2 bis 1,5 Gramm pro Kilogramm. Bei regelmäßiger Bewegung empfahl PROT-AGE bereits 2013 Werte über 1,2 Gramm pro Kilogramm und rät älteren Erwachsenen zu Einzeldosen von rund 25 bis 30 Gramm pro Mahlzeit.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) nennt ab 65 Jahren einen Referenzwert von 1,0 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht, verteilt auf mehrere Mahlzeiten. Für Nierenerkrankte empfiehlt die National Kidney Foundation (NKF) hingegen ein gezieltes Proteinmanagement.

Welche Relevanz die Nährstoffaufnahme für den Bewegungsapparat besitzt, belegt zudem eine am 17. Juli 2026 im Fachjournal Osteoporosis International veröffentlichte Studie der Universität Genf an 586 Frauen mit einem Durchschnittsalter von 67 Jahren über 3,5 Jahre: Eine Proteinzufuhr von unter 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht führte zu signifikant geringeren Verbesserungen der trabekulären Knochendichte und Hüftfestigkeit, während die Calcium-Aufnahme in der Kohorte keinen signifikanten Einfluss zeigte.

Ergänzende Interventionen wie Kreatingaben entfalten laut Analysen primär in Verbindung mit konsequentem Krafttraining messbare Effekte auf die Muskelmasse älterer Personen.

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de | wissenschaft | 70307141 |