Nahrungsergänzung, Wandel

Nahrungsergänzung im Wandel: Vom Pillen- zum Pulver-Boom

19.05.2026 - 12:33:02 | boerse-global.de

Flüssige Nahrungsergänzungsmittel ersetzen zunehmend Tabletten. Mediziner warnen jedoch vor Risiken durch unkontrollierte Einnahme.

Nahrungsergänzung im Wandel: Vom Pillen- zum Pulver-Boom - Foto: über boerse-global.de
Nahrungsergänzung im Wandel: Vom Pillen- zum Pulver-Boom - Foto: über boerse-global.de

Tabletten und Kapseln verlieren an Boden, während Pulver, funktionale Getränke und flüssige Formate boomen. Ein wachsendes Gesundheitsbewusstsein treibt diesen Wandel – doch Experten warnen vor unkritischem Konsum.

Der Milliarden-Markt driftet ab

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Laut Fortune Business Insights hat der globale Markt für funktionale Lebensmittel und Getränke bereits ein Volumen von rund 438 Milliarden US-Dollar erreicht. Bis 2034 soll er auf etwa 983 Milliarden US-Dollar anwachsen. Zum Vergleich: Klassische Vitamine, Mineralstoffe und Supplemente (VMS) kamen 2025 auf geschätzte 164 Milliarden US-Dollar.

Konsumenten wollen Nährstoffe nicht mehr als lästige Pille schlucken. Sie suchen Produkte, die sich in den Alltag integrieren lassen.

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Ein deutliches Signal für diese Entwicklung: Der Konsumgüterkonzern Unilever übernahm das US-Unternehmen Grüns. Es ist auf Supplement-Pulver aus grünen Pflanzenextrakten spezialisiert. Auch Holland & Barrett verzeichnete im September 2025 endenden Geschäftsjahr einen Umsatzanstieb von elf Prozent auf 981 Millionen Britische Pfund.

Flüssig und löslich: Die neuen Favoriten

Besonders flüssige oder wasserlösliche Formate liegen im Trend. Kreatin-Monohydrat etwa wird vorzugsweise in Pulverform eingenommen – drei bis fünf Gramm pro Tag. Laut EU-Vorgaben kann es bei Erwachsenen unter 55 Jahren die körperliche Leistung bei Schnellkrafttraining steigern.

Ähnlich verhält es sich mit Magnesium. Der Bedarf liegt bei körperlich aktiven Menschen wie Sportlern oder Landwirten bei 300 bis 400 Milligramm täglich. Hersteller bieten es zunehmend als Elektrolyt-Getränk an, das Müdigkeit reduzieren soll.

Die Grenze zwischen Supplement und Lebensmittel verschwimmt. Fachleute beobachten, dass funktionale Lebensmittel und klassische Supplemente immer häufiger komplementär genutzt werden.

Warnungen aus der Medizin

Trotz des Booms: Mediziner raten zur Vorsicht. Dr. Yufang Lin von der Cleveland Clinic warnt vor übermäßiger Supplementierung. Besonders Leber und Nieren könnten belastet werden. Hinzu kommen Wechselwirkungen mit Medikamenten.

Kritisch sehen Experten sogenannte Vitamin-Infusionen oder „Drip-Spas“. Sie werden im Bereich der Longevity-Medizin beworben. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) stellt klar: Diese Infusionen haben in Deutschland keine Zulassung als Arzneimittel.

Die Behörde warnt vor erheblichen Risiken: Kreislaufbelastungen, anaphylaktische Schocks oder Hypervitaminosen. Die Wirksamkeit sei nicht nachgewiesen. Kostenpunkt der Anwendungen: bis zu 600 Euro.

Auch bei Inhaltsstoffen verschärfen sich die Kontrollen. Die EU-Kontaminantenverordnung (2023/915) legt strengere Grenzwerte für Arsen in Supplementen fest. Während für normale Lebensmittel Werte zwischen 0,01 und 0,5 Milligramm pro Kilogramm gelten, liegt die Obergrenze für Supplemente bei drei Milligramm pro Kilogramm. Grauzonen erfordern eine Einzelfallbewertung durch die Hersteller.

Was natürliche Säfte können

Nicht alles, was flüssig ist, muss industriell hergestellt sein. Dr. Matthias Riedl, Ernährungsmediziner aus dem Format „Die Ernährungs-Docs“, verweist auf die blutdrucksenkende Wirkung natürlicher Lebensmittel. Rote-Bete-Saft kann bei 70 Millilitern täglich den Blutdruck innerhalb von zwölf Wochen signifikant senken. Ähnliche Effekte wurden für Blaubeersaft und nitratreichen Rucola beschrieben.

Flüssige Nährstoffquellen in Form natürlicher Säfte oder Extrakte können also eine hohe physiologische Relevanz besitzen.

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Die Krux mit dem Frühstück

Ernährungsexpertin Carolin Kotke warnt vor typischen Fehlern beim Frühstück. Eine zu hohe Zufuhr von Fruchtzucker durch Mangos oder Bananen lasse den Blutzuckerspiegel rapide ansteigen. Empfohlen wird stattdessen die Kombination von Proteinen, gesunden Fetten und ballaststoffreichen Beeren.

Die Feinjustierung der Makro- und Mikronährstoffe bildet die Basis für präventive Gesundheitsstrategien. Proteine sollten etwa 30 Prozent, Fette 20 bis 30 Prozent der Kalorien ausmachen.

Ernährungstherapie: Forderungen an die Politik

Im Mai 2026 forderten die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und weitere Fachverbände eine Stärkung der Ernährungstherapie in Deutschland. Zu den Kernforderungen gehören die Erweiterung der Heilmittel-Indikationen und eine verstärkte Förderung der Wirksamkeitsforschung.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf Qualitätsstandards für Zertifikate, die sich am Diätassistentengesetz orientieren. Patienten und Konsumenten sollen fundierte Informationen erhalten – und nicht auf ungesicherte Trends angewiesen sein.

Intervallfasten: Was geht und was nicht?

Das Intervallfasten rückt als Methode zur Verbesserung der Insulinsensitivität in den Fokus. Entscheidend ist die Wahl der Getränke in der Fastenphase. Schwarzer Kaffee gilt aufgrund seines minimalen Kaloriengehalts als zulässig. Zusätze wie Milch oder Honig beenden das Fastenfenster.

Studien, unter anderem von Deru et al. aus dem Jahr 2023, deuten darauf hin, dass intensives Training vor der Fastenphase Hungergefühle hormonell abschwächen kann. Die Komplexität der modernen Ernährungsplanung wird deutlich: Supplements sind nur ein Baustein.

KI in der Ernährungsberatung

Die Zukunft der Branche wird technologischer. Die Fachverbände um die DGE betonen die Notwendigkeit, digitale Systeme und Künstliche Intelligenz verstärkt in die Ernährungsberatung zu integrieren. Ziel: individuelle Nährstoffbedarfe präziser ermitteln und Überdosierungen vermeiden.

Doch die Beschäftigung mit Nährstoffen hat auch Schattenseiten. Eine im Mai 2026 ausgestrahlte WDR-Dokumentation thematisiert Orthorexie – den zwanghaften Drang, sich gesund zu ernähren. Für manche wird die Beschäftigung mit Makros und Mikros zur identitätsstiftenden moralischen Orientierung, bis hin zu klinischen Krankheitsbildern.

Fazit: Boom mit Risiken

Der Markt ist von hoher Innovationskraft bei den Darreichungsformen geprägt. Der Trend weg von der Tablette hin zu funktionalen, flüssigen Lösungen verfestigt sich. Für die Akteure bedeutet das eine Gratwanderung: Sie müssen die Nachfrage nach bequemen, lifestyle-orientierten Produkten bedienen – und gleichzeitig wissenschaftliche sowie regulatorische Sicherheitsstandards einhalten.

Die Branche steht vor der Herausforderung, die Wirksamkeit ihrer Produkte durch verstärkte Forschung zu belegen. Die Professionalisierung der Ernährungsberatung wird eine Schlüsselrolle dabei spielen, ob der Supplement-Boom nachhaltig zur Volksgesundheit beiträgt – oder nur ein ökonomisches Phänomen bleibt.

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