Niedriger, Blutdruck

Niedriger Blutdruck: 2,74-fach höheres Alzheimer-Risiko als gedacht

Veröffentlicht am: 01.07.2026 um 17:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue Studien zeigen: Hypotonie erhöht das Alzheimer-Risiko um das 2,74-Fache und übertrifft damit die Gefahr durch Bluthochdruck.

Niedriger Blutdruck: Überraschend hohes Alzheimer-Risiko entdeckt
Nahaufnahme eines Blutdruckmessgeräts mit einer Manschette um einen Arm, das niedrige Werte anzeigt. Im Hintergrund sind verschwommen medizinische Forschungsdokumente zu sehen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Jetzt zeigt sich: Auch zu niedriger Blutdruck ist gefährlich – und zwar deutlich mehr als gedacht.

Hypotonie als unterschätzter Risikofaktor

Groß angelegte Studien liefern alarmierende Zahlen. Die Auswertung der britischen Biobank mit über 500.000 Teilnehmern und der US-Studie „All of Us“ mit rund 287.000 Probanden identifizierte Hypotonie als einen der stärksten Alzheimer-Faktoren. Das Risiko stieg in der britischen Kohorte um das 2,74-Fache – ein Plus von 174 Prozent. In den US-Daten lag der Anstieg beim Faktor 1,97.

Analysen der südkoreanischen Hallym-Universität bestätigen den Trend. Auf Basis von 1,74 Millionen Datensätzen ergab sich für chronisch niedrigen Blutdruck ebenfalls ein um das 2,74-Fache erhöhtes Risiko. Zum Vergleich: Bluthochdruck steigerte das Risiko „nur“ um den Faktor 1,57 (57 Prozent).

Experten vermuten, dass insbesondere die orthostatische Hypotonie – ein plötzlicher Blutdruckabfall beim Aufstehen – sowie chronisch niedrige Werte die Hirndurchblutung beeinträchtigen. Ein definitiver Kausalnachweis steht allerdings noch aus.

Weitere vaskuläre Gefahren

Doch nicht nur der Blutdruck spielt eine Rolle. Hirninfarkte erhöhen die Alzheimer-Wahrscheinlichkeit um das 1,5- bis 1,85-Fache. Auch Herzrhythmusstörungen, Vorhofflimmern und Herzschwäche stehen in engem Zusammenhang mit der Erkrankung.

Eine Untersuchung der University of Miami an über 1.200 Personen ab 50 Jahren zeigte zudem: Ein diastolischer Blutdruck von über 90 mmHg korreliert mit vermehrten Läsionen der weißen Substanz im Gehirn.

Medikamente mit überraschender Wirkung

Die Forschung untersuchte auch den Einfluss bestehender Medikationen. Daten des National Institutes of Health deuten darauf hin, dass SGLT2-Hemmer das Alzheimerrisiko um 43 Prozent senken. GLP-1-Agonisten bewirken eine Reduktion um 33 Prozent.

Ganz anders sieht es bei anderen Wirkstoffen aus: Anticholinergika erhöhten das Risiko um 54 Prozent, Protonenpumpenhemmer um 44 Prozent.

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Früherkennung wird immer präziser

KI-gestützte Netzhautscans erkennen ein Alzheimer-Risiko bis zu 8,55 Jahre vor dem Auftreten klinischer Symptome. Der Markt für diese Diagnoseform wächst rasant: Von 2,65 Milliarden US-Dollar im Jahr 2023 auf prognostizierte 9,4 Milliarden US-Dollar im Jahr 2033.

Noch genauer ist der pTau217-Bluttest. Er weist spezifische Biomarker mit einer Genauigkeit von über 90 Prozent nach.

Neue Therapien in Deutschland

Seit Juni 2026 stehen in Deutschland die Antikörper Lecanemab und Donanemab zur Verfügung. Sie richten sich gegen Amyloid-Ablagerungen im Gehirn. Schätzungen zufolge könnten rund 120.000 Patienten für diese Therapieform infrage kommen.

Prävention beginnt im Alltag

Eine schwedische Studie mit 1.865 Teilnehmern über 60 Jahre ergab: Eine entzündungsarme Ernährung senkt das Demenzrisiko um bis zu 29 Prozent – besonders bei Personen mit erhöhten p-tau217-Biomarkern.

Weitere präventive Ansätze:

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  • Krafttraining: Zwei Stunden pro Woche reduzieren das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 20 Prozent, für Herzinfarkte um 44 Prozent
  • Zahnvorsorge: Regelmäßige Kontrollen könnten zwei bis vier Prozent der Demenzfälle vermeiden
  • Medikamentöse Prävention: GLP-1-Agonisten senkten in Studien das Sterberisiko um 44 Prozent und die Rate von Lungenembolien um 31 Prozent

Fachleute betonen: Nicht jeder niedrige Blutdruck ist automatisch gefährlich. Bei chronischen Werten oder Symptomen sei eine medizinische Abklärung im Hinblick auf die langfristige kognitive Gesundheit jedoch ratsam.

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