Nvidia-Kartellverfahren: Französische Behörde vor Entscheidung
Veröffentlicht: 09.07.2026 um 18:42 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die französische Kartellbehörde Autorité de la concurrence treibt ihre Untersuchung gegen den US-Chipkonzern Nvidia auf die Zielgerade. Die seit fast drei Jahren laufende Wettbewerbsprüfung konzentriert sich auf mutmaßliche Verstöße im Markt für KI-Chips und Cloud-Dienste.
Ermittlungen kurz vor dem Abschluss
Umberto Berkani, Generalberichterstatter der Behörde, bestätigte am heutigen Donnerstag, dass die Untersuchungen weitgehend abgeschlossen sind. Nun prüft die Wettbewerbsbehörde die Ergebnisse, um über das weitere Vorgehen zu entscheiden. Möglich ist sowohl die Erhebung einer formellen Anklage mit detaillierten Vorwürfen als auch die Einstellung des Verfahrens.
Auslöser der Ermittlungen war eine spektakuläre Razzia im September 2023. Damals durchsuchten französische Behörden überraschend die Nvidia-Büros im Rahmen einer breiter angelegten Untersuchung des Grafikchip- und Hochleistungsrechnermarktes.
Software-Ökosystem im Fokus
Im Zentrum der Vorwürfe steht Nvidias beherrschende Stellung im Markt für KI-Beschleuniger. Der Konzern kontrolliert Berichten zufolge über 70 Prozent der Verkäufe. Besonders kritisch sehen die Wettbewerbshüter die Abhängigkeit der Branche von CUDA, Nvidias proprietärer Softwareplattform. Sie ermöglicht Entwicklern, die Hardware des Unternehmens für komplexe KI-Aufgaben zu programmieren. Die Prüfer untersuchen, ob dieses Software-Ökosystem eine unüberwindbare Hürde für Konkurrenten darstellt.
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Ein weiterer Schwerpunkt sind Nvidias strategische Beteiligungen an KI-Cloud-Anbietern wie CoreWeave. Die Behörde prüft, ob diese finanziellen Verflechtungen dem Konzern einen unfairen Vorteil verschaffen oder die Einkaufsentscheidungen von Cloud-Anbietern zu Lasten anderer Hardwarehersteller beeinflussen.
Milliardenstrafe droht
Sollte die Autorité de la concurrence wettbewerbswidriges Verhalten feststellen, drohen Nvidia empfindliche Strafen. Nach französischem Recht kann die Behörde Geldbußen von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes verhängen. Angesichts der jüngsten Gewinnsprünge des Konzerns, angetrieben durch die boomende KI-Infrastruktur, könnte dies eine Strafe in Milliardenhöhe bedeuten.
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Die Börse reagierte bislang gelassen: Nvidia-Aktien notierten am Donnerstagvormittag bei rund 121,30 US-Dollar und zeigten sich von den Neuigkeiten weitgehend unbeeindruckt.
Das Verfahren wird als richtungsweisend für die europäische Regulierungspolitik im KI-Sektor gesehen. Es zeigt, wie die Wettbewerbshüter die Marktmacht dominanter Hardware-Anbieter in der rasant wachsenden Künstlichen Intelligenz künftig kontrollieren wollen.
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