Autoimmun, Forscher

mRNA gegen Autoimmun: Forscher zÀhmen gezielt das Immunsystem

Veröffentlicht: 09.07.2026 um 18:42 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Forscher erzielen DurchbrĂŒche bei MS, Diabetes und Lupus mit mRNA-Immuntherapien. BioNTech fokussiert sich auf Onkologie.

mRNA-Revolution: Neue Therapien gegen Autoimmunerkrankungen
Autoimmun - Nahaufnahme eines Forschers im Labor, der leuchtende zellulĂ€re Strukturen auf einem Bildschirm im Kontext der mRNA-Therapie beobachtet. 09.07.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Was wĂ€hrend der Pandemie Millionen Leben rettete, soll nun Autoimmunerkrankungen und chronische EntzĂŒndungen bekĂ€mpfen. Statt das Immunsystem anzutreiben, geht es jetzt um seine gezielte ZĂ€hmung.

Multiple Sklerose und Diabetes im Fokus

Forscher der UniversitĂ€t Hasselt und das Unternehmen Etherna veröffentlichten im Juli 2026 vielversprechende Ergebnisse. In prĂ€klinischen Modellen gelang es, mRNA zur Behandlung von Multipler Sklerose und Typ-1-Diabetes einzusetzen. Die Technologie reguliert das Immunsystem gezielt, statt es unspezifisch zu unterdrĂŒcken. Die Erkrankungsschwere konnte in den Tests reduziert werden. Die Wissenschaftler betonten jedoch: Vor einer Anwendung am Menschen sind weitere Untersuchungen nötig.

Eine Übersichtsarbeit im Fachmagazin Lancet bestĂ€tigte die grundsĂ€tzliche Sicherheit der mRNA-Plattform. Kanadische Forscher sehen großes Potenzial – von personalisierten Krebsimpfstoffen bis zu Therapien gegen Grippe und RSV.

Strategische Neuausrichtung bei BioNTech

Der Markt fĂŒr mRNA-Anwendungen konsolidiert sich. BioNTech hat die Übernahme von CureVac eingeleitet und fokussiert verstĂ€rkt auf die Onkologie. Bis zu 1.860 Stellen sollen dabei wegfallen. Das Unternehmen setzt kĂŒnftig auf personalisierte AnsĂ€tze gegen Melanom oder HPV16-positive Tumoren. Moderna zeigt weiterhin Interesse an ProduktionskapazitĂ€ten in Deutschland. Der Aktienkurs erreichte Anfang Juli 2026 ein neues 12-Monats-Hoch von 72,27 Euro.

Durchbruch bei Lupus und Asthma

Die FDA erteilte dem Wirkstoff Enpatoran von Merck KGaA den Status „Breakthrough Therapy". Der TLR7/8-Inhibitor behandelt Lupus mit aktiven Hautmanifestationen. Bislang gibt es fĂŒr diese spezifischen Symptome keine zugelassene Therapie. Das Phase-3-Programm ELOWEN lĂ€uft bereits. Grundlage waren Ergebnisse der Phase-2-Studie WILLOW mit bedeutsamen Verbesserungen.

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Ein Team um Prof. Yannick D. Muller vom UniversitÀtsspital Lausanne stellte einen neuen Asthma-Ansatz vor. ChimÀre Allergenrezeptoren (CAlleR-Tregs) reduzierten in Tierversuchen Symptome durch Birkenpollen. Die Ergebnisse erschienen im Journal of Experimental Medicine.

CAR-T-Zellen und neuroimmunologische Herausforderungen

CAR-T-Zell-Therapien werden seit MĂ€rz 2021 bei Autoimmunerkrankungen erprobt. Sie bleiben ein zentrales Forschungsfeld fĂŒr neuroimmunologische Leiden. Experten warnen jedoch vor möglichen neurologischen Nebenwirkungen.

Weitere Fortschritte in der Immunmedizin

Die Forschung liefert auch in anderen Bereichen Ergebnisse:

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  • Pneumologie: Das Uniklinikum Heidelberg zeigte im Mai 2026, dass Lungennarben durch den NKG2A-Blocker Monalizumab potenziell umkehrbar sind. Das Verfahren eliminiert seneszente Fibroblasten – klinische Studien stehen noch aus.
  • Gastroenterologie: Eine Stanford-Studie vom Juli 2026 ergab: Eine Scheinfastenkur lindert bei 66 Prozent der Morbus-Crohn-Patienten die Symptome. Abivax erreichte in einer Phase-3-Studie fĂŒr Obefazimod bei Colitis ulcerosa eine Remissionsrate von 37,2 Prozent nach 44 Wochen.
  • Seltene Erkrankungen: Ein Team um Prof. Johannes W. Dietrich veröffentlichte im April 2026 eine neue Leitlinie zum Allan-Herndon-Dudley-Syndrom. Anfang 2025 war erstmals ein Medikament dafĂŒr in Europa zugelassen worden.
  • Genetik: Matthias Wielscher von der MedUni Wien erhielt einen Förderpreis ĂŒber 450.000 Euro. Er untersucht die genetischen Grundlagen von ME/CFS anhand von 17.000 Patientendaten.

Die Entwicklungen zeigen einen klaren Trend: Hochspezialisierte Immuntherapien werden zur RealitĂ€t. Die mRNA-Technologie könnte dabei eine tragende Rolle bei chronisch-entzĂŒndlichen Prozessen spielen.

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