PAIN2.0: Zehn Wochen Gruppentherapie lindern Beschwerden noch Monate spÀter
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 12:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deKörperliche InaktivitĂ€t gilt als wesentlicher Risikofaktor fĂŒr zahlreiche chronische Erkrankungen. Um gegenzusteuern, setzen gesetzliche Krankenkassen und Gesundheitsorganisationen verstĂ€rkt auf gezielte Angebote zur VerhaltensĂ€nderung.
Am 2. Juli 2026 stellten der GKV-Spitzenverband und weitere Krankenkassen-VerbĂ€nde in Berlin die Studie âEvaluation der individuellen verhaltensbezogenen PrĂ€vention im Handlungsfeld Bewegungâ vor.
Die Untersuchung begleitete insgesamt 1.385 Teilnehmende, die zu drei Zeitpunkten befragt wurden: zu Beginn des Kurses, an dessen Ende sowie sechs Monate danach. Die wissenschaftliche Erhebung liefert wichtige Einblicke in die Frage, wie nachhaltig angeleitete Bewegungsprogramme den Alltag von Versicherten verÀndern können.
Beratung als Hebel fĂŒr langfristige VerhaltensĂ€nderung
Dass professionelle Impulse Wirkung zeigen, belegen auch internationale Daten. Laut einer Erhebung des Mulier Instituut aus dem Jahr 2023 ist die Chance, Bewegungsempfehlungen einzuhalten, nach einem entsprechenden Ratschlag aus der medizinischen Versorgung 1,42-mal so groĂ.
Gleichzeitig verdeutlichten Zahlen desselben Instituts die bestehenden Defizite: Im Jahr 2025 erfĂŒllten in den Niederlanden lediglich 37 Prozent der Menschen mit einer chronischen Erkrankung die gĂ€ngigen Richtlinien fĂŒr körperliche AktivitĂ€t.
Auch im Bereich spezifischer Krankheitsbilder zeigt sich der Nutzen gezielter Begleitung. Im Rahmen des an der ZHAW angesiedelten Projekts MyBeFit@ZHAW, das am SGR-Kongress ausgezeichnet wurde, untersuchte Dr. sc.
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Lea Ettlin die bewegungsberatung bei axialer Spondyloarthritis. In ausfĂŒhrlichen Interviews mit acht Teilnehmenden zeigte sich, dass die Beratung das VerstĂ€ndnis fĂŒr Bewegung sowie das Vertrauen in die eigenen FĂ€higkeiten stĂ€rkte.
Die Befragten bewerteten den Stellenwert von AktivitĂ€t teils neu und entwickelten einen ressourcenorientierteren Umgang damit. Dennoch bleibt der Schritt vom theoretischen Wissen hin zur dauerhaften Umsetzung im Alltag eine anspruchsvolle HĂŒrde.
Multimodale Programme und digitale Weiterentwicklung
Um diesen Ăbergang zu erleichtern, entstehen zunehmend spezialisierte AnsĂ€tze. Auf dem Deutschen Schmerzkongress, der vom 21. bis 24. Oktober in Mannheim stattfand, prĂ€sentierten die Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. und die BARMER Ergebnisse aus dem Innovationsfondsprojekt PAIN2.0. Das zehnwöchige Gruppenprogramm der Ambulanten InterdisziplinĂ€ren Multimodalen Schmerztherapie richtet sich an Personen mit erhöhtem Risiko fĂŒr eine Schmerzchronifizierung.
Die Auswertung zeigte, dass sich Schmerzen, EinschrĂ€nkungen im Alltag, Katastrophisieren und das subjektive Stressempfinden bis zu neun Monate nach Ende der MaĂnahme verringerten. Die festgestellten Effekte fielen zwar klein aus, erwiesen sich jedoch als statistisch signifikant.
Gleichzeitig werden praktische Erfahrungen zunehmend digital aufbereitet. Die Schweizerische Vereinigung Morbus Bechterew lĂ€sst Erkenntnisse aus der Bewegungsberatung in die neue Anwendung rheumaFIT einflieĂen, die im Digital Health Design Living Lab der ZHAW entwickelt wird. Zudem prĂŒfte die ZHAW-Masterstudentin Tanja Ochsner unter Begleitung von Dr. sc.
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Lea Ettlin die bei der Organisation genutzten Funktionstests anhand wissenschaftlicher Literatur. Dabei stellte sich heraus, dass fĂŒr mehrere Tests kaum spezifische Referenzwerte fĂŒr Menschen mit Morbus Bechterew vorliegen, weshalb sich die Standortbestimmungen an den Empfehlungen der EULAR orientieren.
Heterogene Erstattungspraxis der Krankenkassen
WĂ€hrend der Bedarf an Bewegungsprogrammen unumstritten ist, gestaltet sich die Finanzierung fĂŒr Versicherte uneinheitlich. Gesetzliche Krankenkassen handhaben die Erstattung von Fitnesskursen und Gesundheits-Apps unterschiedlich; feste, einheitliche Vorgaben existieren nicht.
Die Zuschusshöhe variiert von Kasse zu Kasse, und die Zahl der bezuschussten Kurse pro Kalenderjahr ist zumeist begrenzt. Bei digitalen Anwendungen stehen zwei verschiedene Erstattungswege zur VerfĂŒgung. Zudem beobachten Patientenorganisationen, dass Kassen die KostenĂŒbernahme fĂŒr ambulante Gruppentherapien zunehmend detailliert prĂŒfen oder in EinzelfĂ€llen ablehnen.
