Pflanzliche, Proteine

Pflanzliche Proteine: 8,5 Millionen Deutsche essen vegetarisch

23.06.2026 - 11:13:07 | boerse-global.de

Der Anbau von Futtererbsen in Sachsen-Anhalt wÀchst rasant. Forschung und EU-PlÀne treiben den Wandel hin zu pflanzlichen Proteinen voran.

Sachsen-Anhalt: Erbsenanbau als Modell fĂŒr pflanzliche Proteine
Pflanzliche - Eine Drohnenaufnahme zeigt weitlĂ€ufige, grĂŒne Erbsenfelder in Sachsen-Anhalt, die die landwirtschaftliche Transformation verdeutlichen. 23.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Im Zentrum: der verstĂ€rkte Anbau von Körnerleguminosen, vor allem der Futtererbse. Mit gezielten Förderungen und Forschungsprojekten will sich die Region als Modellstandort fĂŒr pflanzliche Proteine etablieren.

AnbauflÀche wÀchst um 20 Prozent

Die Bedeutung der Erbse fĂŒr die regionale Landwirtschaft ist in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen. Daten aus dem Jahr 2025 belegen eine Ausweitung der AnbauflĂ€che auf rund 24.900 Hektar – ein Plus von 20 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr. Die Erntemenge erreichte mit 76.100 Tonnen den höchsten Stand seit mehreren Jahren.

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Um diese Entwicklung zu verstetigen, fließt krĂ€ftig Geld: Das Verbundprojekt „Digitalisierung pflanzlicher Wertschöpfungsketten“ wird mit insgesamt 105 Millionen Euro gefördert. Ein wesentlicher Bestandteil ist das Teilprojekt DiPisum, das sich speziell der Optimierung des Erbsenanbaus widmet. Ziel ist es, durch technologische Innovationen neue ArbeitsplĂ€tze zu schaffen und die regionale Wertschöpfung zu stĂ€rken.

Forschung gegen BodenmĂŒdigkeit und ErnteausfĂ€lle

Trotz der positiven FlĂ€chenentwicklung steht der Erbsenanbau vor agronomischen Herausforderungen. Experten identifizieren Ertragsschwankungen, KrankheitsanfĂ€lligkeit und die sogenannte BodenmĂŒdigkeit als limitierende Faktoren. Das Leibniz-Institut fĂŒr Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung arbeitet daher an robusteren und trockenheitsresistenten Erbsenlinien.

In der Forschung kommen moderne Technologien wie Drohnen zum Einsatz, um die Pflanzenentwicklung prĂ€zise zu ĂŒberwachen. Parallel dazu entwickeln Unternehmen neue Analyseverfahren fĂŒr die SaatgutqualitĂ€t. Das Start-up seedalive aus OsnabrĂŒck plant, ab der Erntesaison 2026 einen Service anzubieten, der die KeimfĂ€higkeit von Saatgut mittels KI-gestĂŒtzter Analyse innerhalb von 48 Stunden bestimmen kann. Das wĂ€re eine deutliche Beschleunigung gegenĂŒber herkömmlichen Verfahren, die bis zu 28 Tage dauern.

EU will Eigenversorgung mit Proteinen steigern

Die Bestrebungen in Sachsen-Anhalt decken sich mit den strategischen Zielen auf europĂ€ischer Ebene. Ein Entwurf fĂŒr einen EU-Proteinplan sieht vor, die Eigenversorgung mit Futterproteinen bis 2035 auf 35 Prozent zu steigern. Im Jahr 2025 lag dieser Wert noch bei etwa 25 Prozent. Die offizielle Vorstellung des Plans durch die EU-Kommission wird fĂŒr Anfang Juli 2026 erwartet.

Maßnahmen zur Erreichung dieser Ziele umfassen Anreize im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) sowie eine verstĂ€rkte Förderung der Forschung. Diese politische Neuausrichtung trifft auf einen sich wandelnden Markt in Deutschland: Rund 8,5 Millionen Menschen ernĂ€hren sich hierzulande vegetarisch – etwa 12 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren. Besonders bei jungen Konsumenten zwischen 14 und 29 Jahren ist der Anteil der Flexitarier mit 41 Prozent hoch. Der tĂ€gliche Fleischkonsum in der Gesamtbevölkerung ging von 34 Prozent im Jahr 2015 auf 23 Prozent im Jahr 2024 zurĂŒck.

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Ökologische Vorteile und neue Proteinquellen

Neben der wirtschaftlichen Bedeutung betonen Fachorganisationen wie die Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen (UFOP) die ökologischen Leistungen von Körnerleguminosen. Erbsen und Ackerbohnen fördern durch ihre BlĂŒhzeitrĂ€ume die Insektenvielfalt und binden Stickstoff im Boden – das reduziert den Bedarf an synthetischen DĂŒngemitteln.

ErgĂ€nzend zu klassischen FeldfrĂŒchten treten innovative Proteinquellen in den Fokus der Zulassungsbehörden. Die EU-Kommission hat vor kurzem mit Fermotein erstmals eine Myzel-Lebensmittelzutat als Novel Food zugelassen. Der Hersteller plant fĂŒr das Jahr 2027 eine Produktion von zunĂ€chst 600 Tonnen dieser proteinreichen Zutat, die aus Mikroorganismen gewonnen wird. Solche Entwicklungen unterstreichen den Trend zu einer breiter gefĂ€cherten Rohstoffbasis fĂŒr die Lebensmittelindustrie.

de | wissenschaft | 69609065 |