Physiologisches Seufzen: Stanford-Studie zeigt stÀrkere Wirkung als Meditation
Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 03:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die gezielte Steuerung der eigenen Atmung gewinnt in der Neurowissenschaft und Stressforschung zunehmend an Bedeutung. Der Neurowissenschaftler Andrew Huberman von der Stanford University beschreibt das sogenannte physiologische Seufzen in seinem Buch mit dem Titel Protocols als die schnellste und effektivste Methode, um eine bewusste Beruhigung des Körpers herbeizufĂŒhren.
Die Technik basiert auf einem doppelten Einatmen, gefolgt von einer langen, verlĂ€ngerten Ausatmung. Durch dieses Atemmuster lĂ€sst sich eine akute Reduktion von Anspannung in kĂŒrzester Zeit erreichen.
Der biologische Mechanismus hinter dem Atemreflex
Beim physiologischen Seufzen handelt es sich um einen angeborenen, natĂŒrlichen Reflex. Im Körper tritt dieses PhĂ€nomen typischerweise im Tiefschlaf auf, sobald sich zu viel Kohlendioxid im Blutkreislauf anreichert. Nach Angaben von Huberman fĂŒhrt die doppelte tiefe Einatmung dazu, dass kollabierte LungenblĂ€schen wieder aufgeblĂ€ht werden. Dadurch gelangt mehr Sauerstoff in das Blut sowie zu den inneren Organen einschlieĂlich des Gehirns.
Dieser Vorgang wirkt sich direkt auf das zentrale Nervensystem aus und trĂ€gt dazu bei, den prĂ€frontalen Cortex zu beruhigen. Gleichzeitig fĂŒhrt das verlĂ€ngerte Ausatmen dazu, dass die physiologische Erregung abnimmt und die Herzfrequenz messbar sinkt. Fachleute beschreiben die Atmung in diesem Zusammenhang als direkten Zugang, um vegetativ gesteuerte Prozesse des Nervensystems gezielt zu beeinflussen.
Erkenntnisse aus der klinischen Forschung
Die Wirksamkeit dieser Atempraxis wird durch wissenschaftliche Erhebungen untermauert. Eine im Jahr 2023 im Fachjournal Cell Reports Medicine publizierte Untersuchung der Stanford Medicine unter Leitung von Balban und Kollegen zeigte, dass das sogenannte zyklische Seufzen die Atemfrequenz verringerte und die positive Stimmung deutlicher verbesserte als klassische Achtsamkeitsmeditation.
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In der Stanford-Studie schnitt die Methode des zyklischen Seufzens mit langer Ausatmung zudem besser ab als alternative Atemtechniken wie das sogenannte Box Breathing.
Wurde die Ăbung ĂŒber einen Zeitraum von einem Monat tĂ€glich fĂŒr fĂŒnf Minuten durchgefĂŒhrt, zeigte sich im Vergleich zur Achtsamkeitsmeditation ein anhaltend stĂ€rkerer positiver Effekt auf das allgemeine Wohlbefinden. Bei akutem Stress gilt ein Anwendungsfenster von ein bis fĂŒnf Minuten als wirksame SofortmaĂnahme.
Anwendung im Alltag und Erfahrungen aus der Praxis
Neben theoretischen Modellen finden sich praktische BestĂ€tigungen im therapeutischen Bereich. Lienna Wilson, Psychologin bei Vagus Vitality, beobachtet den Nutzen der Methode insbesondere bei Frauen ĂŒber 50 Jahren mit Schlafproblemen.
Klienten berichten ihr zufolge unmittelbar nach der Anwendung von mehr innerer Ruhe sowie einem Nachlassen von Gedankenrasen und BeklemmungsgefĂŒhlen im Brustbereich. Nach mehrwöchiger regelmĂ€Ăiger Praxis erholten sich Betroffene spĂŒrbar schneller aus stressgeladenen Situationen.
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FĂŒr die konkrete DurchfĂŒhrung wird empfohlen, zwei bis vier Runden der doppelten Einatmung mit langem Ausatmen zu absolvieren. Dabei sollten Schultern und WirbelsĂ€ule entspannt bleiben, ohne die Luft forciert einzusaugen. Das Verfahren lĂ€sst sich unauffĂ€llig in Alltagssituationen wie im Pendelverkehr oder unmittelbar vor beruflichen Besprechungen integrieren.
Auch in der Gesundheitskommunikation greifen Medien das Thema auf. So thematisiert eine 13:25 Minuten lange Folge des Podcasts Beste Version von dir von Ralf Bohlmann, wie die Atmung auf Kohlendioxidspiegel, den Vagusnerv, die HerzfrequenzvariabilitĂ€t sowie Stressfolgen einwirkt und wie die Praxis fĂŒnf Minuten tĂ€glich umgesetzt werden kann.
Experten betonen zugleich, dass AtemĂŒbungen zwar physiologische ErregungszustĂ€nde dĂ€mpfen können, chronische Belastungen jedoch zusĂ€tzlich das Angehen von Grundursachen wie ArbeitsĂŒberlastung, Schlafmangel oder Beziehungsdynamiken erfordern.
