Quitten und Hagebutten: Was die Forschung zu Entzündungen tatsächlich zeigt
Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 21:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Mit Beginn der kühlen Jahreszeit rücken zwei traditionsreiche, aber im Alltag eher selten beachtete Früchte wieder in den Fokus von Ernährungsratgebern: Quitten und Hagebutten. Beide gelten als nährstoffreich und werden in der Volksheilkunde seit Langem gegen verschiedene Beschwerden eingesetzt.
Aktuelle Übersichtsarbeiten liefern inzwischen auch wissenschaftliche Hinweise auf entzündungshemmende und weitere gesundheitsförderliche Effekte – wenngleich nicht alle Befunde aus Humanstudien stammen.
Die Quitte: Alte Kulturfrucht mit moderner Forschung
Die Quitte stammt ursprünglich aus dem östlichen Kaukasus und wurde bereits in der Antike auf Kreta, in der Region Kydon, kultiviert – daher rührt auch die um 650 n. Chr. gebräuchliche Bezeichnung „mala cydonia".
In Deutschland ist der Anbau nach Angaben der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau überschaubar: 2017 wurden lediglich 90 Hektar bewirtschaftet. Importware stammt der Landesanstalt zufolge vor allem aus der Türkei und China. Die Saison reicht von Ende September bis Anfang November.
Roh ist die Frucht wegen ihres herben, holzigen Fruchtfleischs kaum genießbar und wird stattdessen zu Gelee, Kompott, Marmelade, Saft, Quittenbrot oder Chutney verarbeitet. Ernährungsphysiologisch besteht die Quitte zu über 80 Prozent aus Wasser und ist kalorienarm.
Nach Angaben des Bundeszentrums für Ernährung enthält sie mehr Vitamin C als Äpfel, zudem B-Vitamine, Kalium und Ballaststoffe – allerdings geht beim Erhitzen, etwa für Gelee oder Kompott, ein Großteil des Vitamin C verloren.
In der Volksheilkunde wird Quittentee traditionell gegen Unruhe, Halsschmerzen, Husten, Hautentzündungen, Magenbeschwerden, Durchfall und Periodenkrämpfe eingesetzt.
Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2023 attestiert Quitten zudem antioxidative, entzündungshemmende, antimikrobielle, antiallergische, blutzuckersenkende und magenschützende Eigenschaften – wobei die Autoren betonen, dass nicht alle Wirkungen in Studien am Menschen belegt sind.
So zeigte eine iranische Studie an Kaninchen, dass Quittenblattextrakt Arteriosklerose in den Herzkranzgefäßen reduzierte und Gesamtcholesterin, Triglyceride sowie LDL senkte – mit einer Wirkung, die der des Cholesterinsenkers Atorvastatin ähnelte.
Quitten und Hagebutten gelten als nährstoffreich und entzündungshemmend — doch beim Erhitzen geht ein Großteil des Vitamin C verloren, und die Kerne der Quitte enthalten giftige Blausäure. Wie Sie beide Früchte sicher verarbeiten und möglichst viel Wirkstoff erhalten, zeigt Ihnen unser kostenloser Praxisguide in klaren Schritten. Kostenlosen Praxisguide jetzt anfordern
Eine weitere Kaninchenstudie deutete darauf hin, dass Quittenschleim die Wundheilung beschleunigen kann; ein Artikel aus dem Jahr 2024 legt zudem nahe, dass Quittensamenschleim wundheilungsfördernd und antibakteriell wirken könnte.
Wichtig ist allerdings ein Warnhinweis: Die Kerne der Quitte dürfen nicht gekaut oder zerdrückt werden, da sie giftige Blausäure enthalten. Die Verbraucherzentrale verweist auf mögliche Folgen wie Atemnot, Pupillenerweiterung, Krämpfe und im schlimmsten Fall Tod.
Die Hagebutte: Vitamin-C-Bombe mit Grenzen
Auch Hagebutten haben von September bis November Saison und gelten als besonders nährstoffreich. Laut Bundeslebensmittelschlüssel enthalten 100 Gramm frische Hagebutten 1.045 Milligramm Vitamin C, 6,1 Gramm Ballaststoffe, 4.800 Mikrogramm Beta-Carotin und 96 Mikrogramm Folat. Auch hier gilt: Erhitzen etwa für Tee oder Konfitüre zerstört den Großteil des Vitamin C.
Hagebutten gelten grundsätzlich auch in der Schwangerschaft als geeignetes Lebensmittel, sofern Kerne und Härchen vor dem Verzehr entfernt werden. Allerdings reichen sie nicht aus, um den von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlenen täglichen Folatbedarf von 550 Mikrogramm für Schwangere zu decken – dafür wären mehr als 500 Gramm täglich nötig.
Hagebuttenpulver und -kapseln als Nahrungsergänzungsmittel sollten demnach nur nach Rücksprache mit Hebamme oder Arzt eingenommen werden. Zudem können größere Mengen frischer Hagebutten wegen ihres Ballaststoff- und Fruchtsäuregehalts Bauchschmerzen oder Durchfall auslösen.
Zubereitung in der Praxis
Wer Quitten verarbeiten möchte, muss berücksichtigen, dass sich die rohe Frucht aufgrund ihrer Härte nicht entsaften lässt. Für ein klassisches Quittengelee werden etwa 2 Kilogramm Quitten benötigt, kombiniert mit 1.800 Gramm Gelierzucker, 100 Milliliter Zitronensaft sowie wahlweise Orangenlikör, Calvados oder Apfelsaft, dazu Vanillemark, Sternanis und Zimtstange.
Nicht jede angebliche Entzündungswirkung ist am Menschen belegt — viele Befunde stammen aus Tierstudien. Wer sich auf Quitten und Hagebutten verlässt, sollte wissen, welche Effekte die Forschung tatsächlich stützt und welche nicht. Unsere Checkliste ordnet die Studienlage ein und zeigt, welche Lebensmittel wirklich entzündungshemmend wirken. Checkliste mit Studienlage jetzt sichern
Die entkernten und geschnittenen Früchte köcheln rund 45 Minuten offen – ein Deckel oder Drucktopf sollte vermieden werden, da dies zu einer grauen Verfärbung führen kann.
Anschließend lässt man den Saft etwa 30 Minuten durch ein ausgekochtes Passiertuch abtropfen, bevor er mit dem Gelierzucker unter ständigem Rühren vier Minuten gekocht wird. Eine Gelierprobe auf einem kalten Teller zeigt, ob die gewünschte Konsistenz erreicht ist.
