Rente, DGB

Rente mit 63 umstritten: DGB fordert 50-Prozent-Rentenniveau

27.06.2026 - 20:20:58 | boerse-global.de

Zwei gegensĂ€tzliche Rentenkonzepte stehen zur Debatte: Kapitaldeckung mit lĂ€ngerer Lebensarbeitszeit oder höhere Leistungen durch SteuerzuschĂŒsse.

Rentenreform: Kapitalrente vs. höheres Niveau im DGB-Plan
Rente - Eine vielfĂ€ltige Gruppe von Menschen verschiedenen Alters diskutiert an einem modernen Konferenztisch ĂŒber Finanzplanung und Altersvorsorge. 27.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Zwei grundlegend verschiedene Konzepte ringen um die Mehrheit: Die Regierungskommission setzt auf KapitalmĂ€rkte und lĂ€ngeres Arbeiten, die Gewerkschaften auf höhere Leistungen und SteuerzuschĂŒsse.

Kapitalrente und lÀngeres Arbeiten: Der Regierungsplan

Ein Reformpaket mit 33 Maßnahmen, erarbeitet unter der Leitung von Friedrich Merz, soll das System stabilisieren. KernstĂŒck ist eine Kapitalrente, finanziert durch einen Beitrag von 2 Prozent des Bruttolohns – hĂ€lftig von Arbeitgebern und Arbeitnehmern getragen. Ein Altersvorsorgedepot soll die private Vorsorge zusĂ€tzlich ankurbeln.

Das Renteneintrittsalter soll kĂŒnftig an die Lebenserwartung gekoppelt werden – im VerhĂ€ltnis 2:1. Steigt die Lebenserwartung, steigt auch die Lebensarbeitszeit. Die Rente mit 63 stĂŒnde damit vor dem Aus. Auch ein Nachhaltigkeitsfaktor ab 2032 und die Einbeziehung von Minijobs in die Rentenversicherung sind im GesprĂ€ch.

DGB-Kommission kontert: Höheres Niveau, kein spÀterer Renteneintritt

Die im Januar 2026 eingesetzte Rentenkommission des DGB legte Ende Juni einen Gegenentwurf vor. Das gesetzliche Rentenniveau soll von 48 auf 50 Prozent steigen, langfristig sogar auf 53 Prozent. Eine verpflichtende betriebliche Altersvorsorge (bAV) von 2 Prozent des Bruttolohns (mindestens 988 Euro jÀhrlich) soll ein Netto-Versorgungsniveau von 70 bis 90 Prozent des letzten Einkommens ermöglichen.

Eine weitere Anhebung des Rentenalters lehnen die Gewerkschaften strikt ab. Auch die Rente mit 63 soll bleiben. Zur Finanzierung schlagen sie einen Demografie-Zuschuss aus Steuermitteln vor – gespeist durch Abgaben auf hohe Vermögen und KapitaleinkĂŒnfte. Langfristig wollen sie die Rentenversicherung zu einer ErwerbstĂ€tigenversicherung ausbauen, die auch SelbststĂ€ndige und Politiker umfasst.

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Experten uneins: Lob und Kritik fĂŒr die ReformplĂ€ne

Die Reaktionen aus der Wissenschaft fallen gespalten aus. Peter Haan vom DIW bezeichnet die kapitalgedeckte Rente als SchlĂŒsselfaktor der Reform. Um die jĂŒngere Generation zu entlasten, brachte das Institut einen „Boomer-Soli" ins GesprĂ€ch: eine Sonderabgabe von 10 Prozent auf AlterseinkĂŒnfte ĂŒber 1000 Euro monatlich, die rund 20 Prozent der Rentnerhaushalte treffen wĂŒrde.

Die SozialverbĂ€nde zeigen sich alarmiert. SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier warnt davor, die ReformvorschlĂ€ge ungeprĂŒft zu ĂŒbernehmen. Heidi Reichinnek von der Linken spricht bei der Kapitalrente von einem Systembruch, der den Lebensabend von Marktschwankungen abhĂ€ngig mache. ArbeitgeberprĂ€sident Rainer Dulger mahnt unterdessen, die SozialbeitrĂ€ge dĂŒrften die 40-Prozent-Marke nicht ĂŒberschreiten.

SelbststÀndige im Fokus: Neue Pflichten und Ausnahmen

Die geplante Einbeziehung von SelbststĂ€ndigen in die Rentenversicherungspflicht wird von VerbĂ€nden wie dem BAGSV grundsĂ€tzlich begrĂŒĂŸt – allerdings mit Vorbehalten. Gefordert werden Opt-out-Regelungen fĂŒr BestandsselbststĂ€ndige und eine Karenzzeit fĂŒr GrĂŒnder, die in den ersten drei Jahren nur den halben Beitrag zahlen mĂŒssten. Eine Reform des Statusfeststellungsverfahrens soll fĂŒr Rechtssicherheit sorgen.

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KI in der Beratung: Hilfe, aber kein Ersatz

Diskussionen auf einem Branchenevent des AfW Mitte Juni zeigten: KĂŒnstliche Intelligenz hĂ€lt Einzug in die Finanzberatung. Fachleute wie Dr. Philipp Kanschik betonen, dass KI vor allem administrative Routinen ĂŒbernehmen solle. Die eigentliche Beratung bleibe eine menschliche Kernaufgabe – basierend auf Vertrauen, Empathie und komplexen RisikoabwĂ€gungen.

Trotz neuer staatlicher Anreize wie dem Altersvorsorgedepot bleibt der AufklĂ€rungsbedarf hoch. Analysen zeigen: Viele BĂŒrger kĂŒmmern sich noch immer zu wenig um ihre persönliche Altersvorsorge.

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