Rotes Fleisch: Neue Ernährungspyramide empfiehlt nur 15 Gramm täglich
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 21:42 Uhr | Redaktion boerse-global.deEin internationales Wissenschaftlerteam unter der Leitung von Karen Della Corte von der Brigham Young University (BYU) hat eine neue internationale Ernährungspyramide vorgestellt.
Das Modell fasst Richtlinien verschiedener Staaten zusammen und etabliert pflanzliche Nahrungsmittel wie Gemüse, Obst sowie Vollkornprodukte als Fundament der täglichen Versorgung. An der Entwicklung des Konzepts, das in der Fachzeitschrift Advances in Nutrition erschien, waren 22 Forscher aus Nordamerika, Europa und Australien beteiligt.
Drei Grundprinzipien für den Speiseplan
Als Datengrundlage dienten dem BYU-Team die nationalen Ernährungsleitlinien aus den USA, Kanada, Australien, Deutschland, China, den Niederlanden und den nordischen Ländern sowie mehr als 250 wissenschaftliche Studien und die EAT-Lancet-Diät. Das Modell stützt sich auf drei zentrale Säulen: pflanzliche Lebensmittel als Basis, die Wahl gesünderer Fett- und Proteinquellen sowie der Vorrang von Kohlenhydratqualität gegenüber der reinen Menge.
Konkret raten die Forscher dazu, bevorzugt Hülsenfrüchte, Fisch, Geflügel und Joghurt anstelle von rotem und verarbeitetem Fleisch zu konsumieren. Bei Fetten werden pflanzliche Alternativen wie Oliven- und Rapsöl gegenüber Butter favorisiert.
Zudem sollen Vollkornprodukte raffinierte Getreidesorten und zuckerhaltige Getränke ersetzen. Für Zwischenmahlzeiten verweist das Konzept auf Nüsse, Samen und Obst, während Wasser das primäre Getränk darstellen soll.
Mengenangaben und Nährstoffverteilung
Die Empfehlungen richten sich an gesunde Personen ab einem Alter von zwei Jahren. Die Mengenschichten basieren auf den Vorgaben der EAT-Lancet-Kommission und sind auf eine Zufuhr von durchschnittlich 2.400 Kilokalorien pro Tag ausgelegt.
Tierische Produkte sind auf rund zwei Portionen täglich begrenzt:
* Eine Portion Milchprodukte
* Eine Portion Fisch, Geflügel, Ei oder mageres rotes Fleisch
Der Verzehr von rotem Fleisch wird auf circa 15 Gramm pro Tag oder etwa eine Portion pro Woche beschränkt. Mindestens die Hälfte aller Getreideerzeugnisse sollte aus Vollkorn bestehen, während freier Zucker weniger als 10 Prozent der täglichen Kalorienmenge ausmachen darf. Zur Deckung des Eiweißbedarfs gelten 0,36 Gramm pro Pfund Körpergewicht (0,8 Gramm pro Kilogramm) für die Mehrheit der Erwachsenen als ausreichend.
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Epidemiologische Befunde und fachliche Kontroversen
Zur Untermauerung der Richtlinien verweist das Autorenteam auf eine Langzeitstudie mit drei US-Kohorten über einen Zeitraum von 30 Jahren. Bei mehr als 22.000 dokumentierten Typ-2-Diabetes-Neuerkrankungen zeigte sich das geringste Erkrankungsrisiko bei Personen mit geringem oder gar keinem Konsum von rotem Fleisch, wenngleich dies keinen Kausalnachweis darstellt.
Jede zusätzliche tägliche Portion eines zuckerhaltigen Getränks ging mit einem um 25 Prozent höheren Risiko für Typ-2-Diabetes einher, bei Fruchtsaft lag dieser Wert bei einem Anstieg von 5 Prozent. Nach Schätzungen der EAT-Lancet-Initiative könnte eine pflanzenbetonte Ernährungsweise weltweit rund 15 Millionen vorzeitige Todesfälle pro Jahr verhindern.
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Das vorgestellte Modell steht in Teilen im Widerspruch zu den US-Ernährungsrichtlinien für 2025 bis 2030, welche unter anderem Butter, Talg sowie höhere Proteinmengen bewerben. Übereinstimmung herrscht hingegen bei der restriktiven Haltung gegenüber Zucker, raffinierten Kohlenhydraten und industriellen Snacks.
Zudem berücksichtigt das Konzept ökologische Aspekte und gestattet regionale Adaptionen, beispielsweise durch die Integration von Basmatireis, Bulgur, Hartweizennudeln oder traditionellem Fladenbrot. In der Publikation legten die beteiligten Autoren bestehende finanzielle Verbindungen offen, unter anderem zum Teigwarenhersteller Barilla sowie zu Interessengruppen aus der Nuss-, Soja- und Hülsenfruchtbranche.
