Rotes Fleisch und Diabetes: Neu5Gc-Konsum mit 63 Prozent höherem Risiko verbunden
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 03:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Konsum von rotem Fleisch gilt in der ErnĂ€hrungsmedizin seit Langem als potenzieller Risikofaktor fĂŒr Stoffwechselerkrankungen. Eine Untersuchung der UniversitĂ© Sorbonne Paris Nord auf Basis der NutriNet-SantĂ©-Kohorte liefert nun differenzierte Einblicke in die biochemischen Mechanismen.
Wie vorlĂ€ufige Ergebnisse einer Beobachtungsstudie zeigen, die fĂŒr die Jahrestagung der EuropĂ€ischen Gesellschaft fĂŒr Diabetesforschung (EASD) in Mailand (28.09.â02.10.2026) aufbereitet wurden, steht das Vorkommen von N-GlykolylneuraminsĂ€ure (Neu5Gc) in direktem Zusammenhang mit einem erhöhten Auftreten von Typ-2-Diabetes.
Personen im höchsten Quintil des Neu5Gc-Konsums wiesen demnach ein um 63 Prozent höheres Risiko fĂŒr Typ-2-Diabetes auf als jene im niedrigsten Quintil. Neu5Gc ist eine SialinsĂ€ure, die vor allem in rotem Fleisch, insbesondere in Rind- und Lammfleisch, vorkommt.
Umfangreiche Datenbasis der NutriNet-Santé-Kohorte
Die Auswertung der UniversitĂ© Sorbonne Paris Nord stĂŒtzt sich auf die Daten von 89.953 erwachsenen Teilnehmenden der französischen NutriNet-SantĂ©-Studie. Die Kohorte wies ein Durchschnittsalter von 42 Jahren auf und setzte sich zu 79 Prozent aus Frauen zusammen. Ăber eine mediane Nachbeobachtungszeit von 7,2 Jahren hinweg wurden 966 FĂ€lle von Typ-2-Diabetes registriert.
Dabei zeigten sich deutliche Unterschiede in den Verzehrmengen: Im obersten Konsumquintil nahmen MÀnner im Median tÀglich 97 Gramm rotes Fleisch zu sich, beziehungsweise 136 Gramm unter Einbeziehung von verarbeitetem Fleisch. Bei den Frauen lagen die Vergleichswerte bei 73 Gramm rotem Fleisch und 96 Gramm inklusive verarbeiteter Produkte.
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Im niedrigsten Quintil lag der tĂ€gliche Verzehr von rotem Fleisch bei MĂ€nnern bei einem Median von 5 Gramm (21 Gramm inklusive verarbeitetem Fleisch) und bei Frauen bei 0 Gramm (9 Gramm inklusive verarbeitetem Fleisch). Das zweithöchste Quintil war mit einem um 41 Prozent höheren Krankheitsrisiko assoziiert. FĂŒr die Aufnahme von Gesamt-Neu5Gc ergab sich beim Vergleich des höchsten mit dem niedrigsten Quintil ein Anstieg des Risikos um 37 Prozent.
EntzĂŒndungsmechanismen und Begleitfaktoren
Die statistische Assoziation blieb nach Angaben der Forschenden auch nach Bereinigung um Faktoren wie Alter, Geschlecht, körperliche Bewegung, allgemeine ErnĂ€hrungsgewohnheiten, Rauchen und Vorerkrankungen bestehen. Nach einer zusĂ€tzlichen Adjustierung fĂŒr den Body-Mass-Index (BMI) fiel der Zusammenhang zwar schwĂ€cher aus, blieb jedoch statistisch signifikant.
Adipositas erklĂ€rt laut der Untersuchung etwa 13 Prozent dieser Assoziation. Wurde das Modell hingegen fĂŒr den gesamten Fleischkonsum adjustiert, verlor die Assoziation ihre statistische Signifikanz. FĂŒr Neu5Gc, das ĂŒber Milchprodukte aufgenommen wurde, lieĂ sich wiederum kein Zusammenhang mit der Erkrankung feststellen.
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Studienleiter Dr. Leopold Fezeu von der UniversitĂ© Sorbonne Paris Nord sieht chronische EntzĂŒndungsprozesse als einen wahrscheinlichen Mechanismus hinter den Beobachtungen.
Da der menschliche Organismus Neu5Gc nicht selbst herstellen kann, wird das MolekĂŒl bei Aufnahme ĂŒber die Nahrung als Fremdstoff erkannt, was chronische EntzĂŒndungen triggern kann. Als prĂ€ventive MaĂnahme könne eine Reduktion der Neu5Gc-Aufnahme dienen, etwa indem Rind- und Lammfleisch durch GeflĂŒgel oder pflanzliche Proteinquellen ersetzt werden.
Einordnung der vorlÀufigen Studienergebnisse
Die UniversitĂ© Sorbonne Paris Nord betont, dass es sich um vorlĂ€ufige Resultate handelt, die noch keinem Peer-Review-Verfahren unterzogen und noch nicht validiert wurden. Zudem erlaubt das Design als reine Beobachtungsstudie keine endgĂŒltigen RĂŒckschlĂŒsse auf kausale ZusammenhĂ€nge.
Gleichwohl stĂŒtzen die Resultate bestehende ernĂ€hrungswissenschaftliche Empfehlungen, den regelmĂ€Ăigen Konsum von rotem Fleisch zugunsten alternativer ProteintrĂ€ger einzuschrĂ€nken.
