RRAM-Chips, Netzes

RRAM-Chips: Neue Ära für KI am Rand des Netzes

17.05.2026 - 10:33:53 | boerse-global.de

TetraMem validiert ersten RRAM-SoC im 22-nm-Verfahren. Der Durchbruch bei analogem In-Memory-Computing ebnet den Weg für effizientere Edge-KI.

RRAM-Chips: Neue Ära für KI am Rand des Netzes - Foto: über boerse-global.de
RRAM-Chips: Neue Ära für KI am Rand des Netzes - Foto: über boerse-global.de

Ein Meilenstein für die Halbleiterindustrie: Erstmals kommt eine neue Speichertechnologie in die kommerzielle Fertigung.

TetraMem, ein US-amerikanischer Halbleiterentwickler, hat den erfolgreichen Tape-Out und die erste Silizium-Validierung seiner MLX200-Plattform bekannt gegeben. Der System-on-Chip (SoC) nutzt mehrstufigen Resistiven Direktzugriffsspeicher (RRAM) für analoges In-Memory-Computing (IMC). Gefertigt wird das Bauteil im 22-nm-Prozess von TSMC – ein entscheidender Schritt, um KI-Workloads am Netzrand (Edge) energieeffizienter zu verarbeiten.

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Das Ende der Datenflut?

Seit Jahren kämpft die Branche mit dem sogenannten „von-Neumann-Engpass“: Die räumliche Trennung von Speicher und Recheneinheit verursacht immense Latenzen und Energieverluste. TetraMems Ansatz löst dieses Problem radikal – die Berechnungen finden direkt in den Speicherzellen statt. Der Umstieg auf den 22-nm-Knoten ist dabei ein Novum: Erstmals wurde eine derart hochpräzise analoge IMC-Architektur auf einem kommerziel verfügbarer Fertigungsprozess validiert. Das ebnet den Weg für den Masseneinsatz in Wearables, Industriesensoren und autonomen Systemen.

Die Validierung der Plattformen MLX200 und MLX201 baut auf früheren Forschungsergebnissen auf. Bereits mit der MX100-Plattform (65-nm-Prozess) hatte das Unternehmen Tausende von Leitfähigkeitsstufen in Memristor-Bauteilen demonstriert. Die nun erreichte Skalierung auf den 22-nm-Knoten senkt die Betriebsspannung und den Stromverbrauch drastisch – ein entscheidender Vorteil für „Always-on“-Anwendungen wie Sprach- und Audioverarbeitung in Smart Devices. Erste Evaluierungskits sollen in der zweiten Jahreshälfte 2026 an Partner gehen.

RRAM auf dem Vormarsch: Lizenzgeschäfte boomen

Der Erfolg von TetraMem ist kein Einzelfall. Die Kommerzialisierung von RRAM gewinnt weltweit an Fahrt. Der australische Speicher-IP-Entwickler Weebit Nano meldete im Januar 2026, seine kommerziellen und technischen Ziele für das Vorjahr erreicht zu haben. Lizenzvereinbarungen mit Branchengrößen wie onsemi und Texas Instruments untermauern den Trend. Der Vertrag mit Texas Instruments, finalisiert am 30. Dezember 2025, sieht die Integration von Weebits RRAM-Technologie in fortgeschrittene Prozessknoten vor.

Ein weiterer wichtiger Schritt: Weebit erreichte im Dezember 2025 eine branchenübliche Qualifikation beim Foundry-Partner DB HiTek. Die Tests nach JEDEC-Standards für nichtflüchtige Speicher bestätigen die Serienreife für 130-nm-BCD-Prozesse, die in der Leistungselektronik und Automobilindustrie weit verbreitet sind. Für das Geschäftsjahr 2026 prognostiziert Weebit Einnahmen von mindestens zehn Millionen Euro und plant, den ersten KI-spezifischen Kunden zu gewinnen.

3D-Chips und Lichtrechner: Die nächste Generation

Doch die Entwicklung steht nicht still. Während TetraMem und Weebit auf die Skalierung in der Fläche setzen, verfolgen andere Forscher radikalere Ansätze. Ein Konsortium aus Stanford, Carnegie Mellon und MIT präsentierte Ende 2025 einen 3D-Chip, der Speicher- und Rechenelemente vertikal stapelt. Gefertigt bei SkyWater Technology, bewegt dieser Prototyp Daten über vertikale Verbindungen zwischen den Schichten – wie Hochgeschwindigkeitsaufzüge in einem Wolkenkratzer. Die Architektur verspricht deutliche Leistungssteigerungen gegenüber herkömmlichen flachen Designs.

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Parallel dazu arbeiten Forscher der Tsinghua-Universität an einer Integration von Lichtsignalen. Der im April 2024 vorgestellte „Taichi“-Chip kombiniert Elektronik mit Photonik und erzielt dabei Energieeffizienzwerte, die deutlich über denen aktueller High-End-GPUs liegen. Ein Vorgängermodell aus dem Oktober 2023 verbrauchte für bestimmte Lernaufgaben nur drei Prozent der Energie eines Standard-ASIC-Systems.

Analyse: Warum dieser Durchbruch wichtig ist

Der Sprung von RRAM aus den Laboren in die kommerzielle 22-nm-Fertigung markiert einen Paradigmenwechsel. Jahrelang setzte die Industrie auf immer rohere Rechenleistung, während sie die massiven Energiekosten des Datentransports ignorierte. Experten auf der International Electron Devices Meeting (IEDM) 2025 betonten: Mit zunehmender Skalierung von KI-Workloads wird die Leistung zunehmend durch die thermischen und energetischen Kosten des Bewegens von Bits begrenzt.

RRAM ist nichtflüchtig – es behält Daten auch ohne Stromversorgung. In Kombination mit In-Memory-Computing können diese Chips den Großteil neuronaler Netzoperationen – insbesondere Vektor-Matrix-Multiplikationen – direkt im Speicherarray ausführen, basierend auf grundlegenden physikalischen Gesetzen wie dem Ohm’schen und Kirchhoff’schen Gesetz.

Diese Effizienz ist entscheidend für die Nachhaltigkeit der KI-Industrie. Aktuelle Beobachtungen zeigen: Die Energie, die zum Trainieren und Ausführen großer Modelle auf herkömmlicher Hardware nötig ist, wird zunehmend zu einem Hindernis für die breite Einführung. Indem die „Intelligenz“ an den äußersten Rand verlagert wird – direkt in Sensoren und Wearables – können Unternehmen ihre Abhängigkeit von teuren, stromhungrigen Rechenzentren reduzieren.

Ausblick: Wann kommen die ersten Produkte?

Der Fahrplan für RRAM-basierte Computertechnik sieht eine schrittweise Markteinführung ab Ende 2026 vor. Mit den Evaluierungsmustern für die 22-nm-MLX200-Plattform in der zweiten Jahreshälfte dürften die ersten kommerziellen Produkte mit diesen analogen CIM-SoCs 2027 erscheinen. Erwartet werden Geräte mit Echtzeit-Sprachübersetzung, hochentwickelter Gesundheitsüberwachung und autonomer Navigation – ohne Cloud-Anbindung.

Foundries und integrierte Halbleiterhersteller (IDMs) werden ihre IP-Portfolios erweitern. Wie die jüngsten Lizenzdeals mit onsemi und Texas Instruments zeigen, positionieren sich Tier-1-Unternehmen, um RRAM als standardmäßige eingebettete Option anzubieten. Marktforscher erwarten, dass mit der Verfügbarkeit von 22-nm- und möglicherweise kleineren Knoten (12 nm oder 7 nm) für die RRAM-Integration das Kosten-Nutzen-Verhältnis weiter steigen wird. Diese „intelligenten Speicherchips“ könnten bald zu einem Standardbauteil in der globalen Elektronik-Lieferkette werden.

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