Rückenschmerzen: Bewegung senkt Schmerzrisiko von 50 auf 30%
17.06.2026 - 14:12:45 | boerse-global.de
Ein aktuelles Review im Fachjournal JAMA zeigt: Die meisten Patienten brauchen weder MRT noch Operation oder starke Schmerzmittel. Stattdessen setzen Experten auf aktive Selbsthilfe und psychosoziale Faktoren.
Physiotherapie oder Krafttraining?
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Die richtige Therapie hängt von der Art der Beschwerden ab. Bei akuten Schmerzen ist Physiotherapie die erste Wahl. Bei chronischen Verläufen punktet gezieltes Krafttraining nachhaltiger.
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) wertete über 200 Studien mit rund 25.000 Teilnehmenden aus. Ergebnis: Bewegungstherapien wirken. Ein Cochrane-Review aus 2021 bestätigt: Regelmäßiges Training senkt das Risiko für erneute Schmerzepisoden von 50 auf 30 von 100 Betroffenen.
Für zu Hause empfehlen Fachleute Übungen wie Plank, Bird-Dog oder Beckenheben. Wichtig: Die saubere Ausführung zählt mehr als die Anzahl der Wiederholungen.
Apps auf dem Vormarsch
Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs) gewinnen an Bedeutung. Eine Meta-Analyse von 38 Studien mit 74.000 Teilnehmenden zeigt: Apps reduzieren die Sitzzeit und steigern die körperliche Aktivität.
Konkrete Daten liegen für Vivira und Kaia vor. Die Kaia Rise-uP-Studie mit 1.237 Teilnehmenden belegte eine Schmerzreduktion um 33 Prozent nach drei Monaten. Nach einem Jahr stieg der Wert auf 46 Prozent. Allerdings: Bei schweren Symptomen wie Lähmungen oder nach Operationen ersetzen Apps keinen Therapeuten.
Cannabis-Medikament erhält Zulassung
Parallel zu Bewegungstherapien gibt es pharmazeutische Neuigkeiten. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) erteilte am 9. Juni 2026 die Zulassung für Exilby. Es ist das erste cannabisbasierte Fertigarzneimittel in Europa, das speziell für chronische Rückenschmerzen zugelassen wurde.
In einer Phase-3-Studie mit über 1.200 Patienten zeigte sich eine Schmerzreduktion über dem Placebo-Niveau. Die Markteinführung in Deutschland und Österreich ist für September 2026 geplant.
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Prävention als Schlüssel
Die Umsetzung von Trainingstherapien variiert regional. In Österreich ist die Trainingstherapie seit Januar 2025 mit ärztlicher Überweisung auch ohne vorherigen Reha-Aufenthalt nutzbar. Allerdings: Die Kosten übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung im niedergelassenen Bereich noch nicht.
Besonders bei älteren Menschen rückt die Prävention in den Fokus. Statistisch stürzt ein Drittel der über 60-Jährigen mindestens einmal. Auf einer Fachtagung Mitte Juli 2026 in Kassel diskutieren Experten über Sturzprävention. Professor Wollesen von der DSHS Köln warnt vor einem Teufelskreis aus Sturzangst und Bewegungsmangel. Die Empfehlung: täglich 30 Minuten Bewegung kombiniert mit Kraft- und Balancetraining.
