Rückenschmerzen, Gezieltes

Rückenschmerzen: Gezieltes Rumpftraining beugt Verspannungen vor

Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 08:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine ZDF-Dokumentation beleuchtet unklare Rückenleiden, Neurostimulation, Bewegungsmangel und die geringe Nutzung von Vorsorgeangeboten.

Rückenschmerzen: Warum Ursachen oft unklar bleiben und Bewegung hilft
Ein heller, minimalistischer Therapieraum mit einer Fitnessmatte und einer Faszienrolle auf dem Boden in natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Rückenschmerzen zählen zu den häufigsten gesundheitlichen Beschwerden überhaupt – und bleiben in den meisten Fällen diagnostisch ein Rätsel. Bei über 85 Prozent der Betroffenen lässt sich keine eindeutige Ursache feststellen, wie die ZDF-Dokumentation "Nie wieder Rücken!" (44 Minuten) zeigt, die sich mit Krafttraining, Schmerztherapie und Prävention bei Rückenleiden befasst. Die Dokumentation begleitet unter anderem Behandlungswege, die von klassischer Physiotherapie bis zu invasiven Verfahren reichen.

Neurostimulator als letzter Ausweg

Im Zentrum der Dokumentation steht der Fall der 56-jährigen Niedersächsin Karin, die nach nur 500 Metern Gehen nicht mehr durchhält. Der Neurochirurg Dr. Torsten Eichenauer vom MVZ Nienburg implantiert ihr in einem rund 30-minütigen Eingriff einen Neurostimulator mit zwei Elektroden an der Lendenwirbelsäule.

Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für ein solches Gerät meist, eine spürbare Verbesserung tritt jedoch häufig erst nach sechs bis neun Monaten ein. In der Dokumentation wird zudem der Fall der 14-jährigen Rosa Haasjes gezeigt, die wegen einer Skoliose für ein neuartiges Operationsverfahren zu Dr. Per Trobisch ins Wirbelsäulenzentrum Düren reist.

Rückenschmerzen als Volksleiden

Die Dimension des Problems verdeutlichen aktuelle Zahlen: 81 Prozent der Deutschen haben binnen eines Jahres mindestens einmal Rückenschmerzen, nur etwa ein Drittel sucht deswegen einen Arzt auf. Auch bei diesen Fällen bleibt bei 85 Prozent die Ursache unklar.

Fachleute unterscheiden dabei akute von chronischen Rückenschmerzen, die länger als drei Monate anhalten – beide Formen unterscheiden sich in Dauer, Entstehung und Behandlung. Bildgebende Befunde müssen stets mit den tatsächlichen Beschwerden und der körperlichen Untersuchung abgeglichen werden, da nicht jeder Befund im Röntgenbild oder MRT die Schmerzen erklärt.

Bei chronischen Verläufen greifen körperliche, psychische und soziale Faktoren ineinander. Konservative Behandlungsansätze umfassen Medikamente, Physiotherapie und Infiltrationen; Neuromodulationsverfahren wie der Neurostimulator kommen nur in ausgewählten Fällen zum Einsatz.

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Bewegungsmangel als Risikofaktor

Als wesentlicher Auslöser gilt der zunehmend bewegungsarme Alltag: Sitzende Tätigkeiten nehmen zu, die Bewegungsfreude ab, wodurch der untrainierte Bewegungsapparat schnell überfordert wird und einseitige Belastungen zu Verspannungen der Wirbelsäulenmuskulatur führen.

Betroffen sind vor allem nicht ausreichend stabilisierte Wirbelsäulenabschnitte, wie die Physiotherapeutin Anneliese Petutschnigg von der Praxis Movimento in Graz einordnet. Regelmäßige Bewegung und ein aktiver Lebensstil beugen Rückenschmerzen vor, wobei gezieltes Rumpf- und Beckenmuskeltraining einseitige Belastungen ausgleicht.

Für die akute Selbsthilfe empfehlen Fachleute Übungen wie Stufenlagerung mit angewinkelten Beinen, Beckenkippung, Kniependel und den Katzenbuckel-Hohlkreuz-Wechsel. Zur langfristigen Vorbeugung eignen sich Übungen wie Brücke, Superman und Bird Dog, idealerweise täglich oder mindestens dreimal pro Woche durchgeführt.

Bei einem bestehenden Bandscheibenvorfall sollten solche Übungen nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. Ergänzend können ergonomische Hilfsmittel Fehlhaltungen korrigieren.

Auch Rückenorthesen wie das Modell Lumbamed plus können bei unspezifischen Beschwerden wie Lumbalgie Linderung bringen; bei Facettengelenksarthrose kommen Varianten mit Stützelementen und Doppel-3-Punkt-Gurtsystem zum Einsatz. Solche Orthesen sind ärztlich verordnungsfähig.

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Nacken als eigenständiges Problemfeld

Neben dem Rücken rückt auch der Nacken zunehmend in den Fokus: 46 Prozent der Menschen in Deutschland hatten in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal Nackenschmerzen. Damit sind sie der dritthäufigste Beratungsanlass in hausärztlichen Praxen und ein häufiger Grund für Erwerbsminderungsrenten, Arbeitsunfähigkeit oder Rehabilitationsmaßnahmen. Die S3-Leitlinie befasst sich speziell mit nicht-spezifischen Nackenschmerzen und soll Behandlungspfade vereinheitlichen.

Vorsorge wird selten genutzt

Trotz des hohen Problembewusstseins bleibt die Nutzung von Vorsorgeangeboten begrenzt. Eine Forsa-Umfrage im Auftrag der IKK classic unter 1.004 gesetzlich Versicherten zwischen 35 und 75 Jahren ergab, dass 97 Prozent Vorsorgeuntersuchungen grundsätzlich für sinnvoll halten – tatsächlich regelmäßig wahrgenommen werden sie jedoch nur von rund 67 Prozent der Frauen und 56 Prozent der Männer. 29 Prozent der Befragten verzichteten wegen Schwierigkeiten bei der Terminvergabe auf Vorsorgeuntersuchungen, während 57 Prozent durch Bonusprogramme stärker zur Teilnahme motiviert würden. Der gesetzliche Check-up steht 18- bis 34-Jährigen einmalig zu, ab 35 Jahren alle drei Jahre.

Ähnliche Muster zeigen sich in Österreich: 2024 nahmen laut Statistik Austria insgesamt 1.409.861 Menschen den Gesundheitscheck wahr, ein Plus von 6,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr – dennoch entspricht das nur rund 15 Prozent der Bevölkerung, darunter 649.722 Männer und 760.139 Frauen.

Die Gesundheitsausgaben Österreichs lagen 2024 bei 57.837 Millionen Euro beziehungsweise 11,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, womit das Land seit 2021 zu den drei EU-Staaten mit den höchsten Ausgabenanteilen zählt.

Dennoch verbringen Menschen in Österreich laut Eurostat-Zahlen aus dem Jahr 2023 im Schnitt nur rund 60 gesunde Lebensjahre, gegenüber einem EU-Durchschnitt von 63. Laut einer Spectra-Umfrage nutzten rund 70 Prozent der Befragten Angebote wie Selbstabtastung oder PAP-Abstrich, während Blut- und Stuhltests sowie Mammographien von weniger als 55 Prozent in Anspruch genommen wurden.

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