Schlafdauer, Richtwert

Schlafdauer: Bei 45- bis 59-Jährigen bleiben 77 Prozent unter dem Richtwert

Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 21:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine forsa-Erhebung zeigt verbreiteten Schlafmangel; zugleich nahmen psychisch bedingte Krankschreibungen in Schleswig-Holstein zu.

Schlafmangel und Arbeitsstress belasten Gesundheit und Erholung
Ein ungemachtes Bett in einem ruhigen Schlafzimmer im sanften Licht der Morgendämmerung. Illustration mit AI erstellt.

Ein erheblicher Teil der Bevölkerung schläft regelmäßig kürzer als von Fachleuten empfohlen. Laut einer repräsentativen forsa-Umfrage im Auftrag des AOK-Bundesverbandes kommen 69 Prozent der Befragten nicht auf die empfohlene Schlafdauer von sieben bis neun Stunden pro Nacht.

Lediglich 30 Prozent erreichen diesen Richtwert. Besonders ausgeprägt ist das Defizit in der Altersgruppe der 45- bis 59-Jährigen, in der 77 Prozent unter der empfohlenen Dauer bleiben.

Ursachen für nächtliche Probleme

Die Erhebung verdeutlicht zugleich, dass Schlafprobleme weit verbreitet sind. Rund 58 Prozent der Befragten gaben an, in den vorangegangenen drei Monaten unter wiederholten oder anhaltenden Schlafstörungen gelitten zu haben. Frauen waren mit 64 Prozent häufiger betroffen als Männer mit 52 Prozent.

Als wesentliche Auslöser nannten die Teilnehmer vor allem psychischen Druck: 63 Prozent führten ihre Schlafprobleme auf Stress und seelische Belastungen zurück. Körperliche Beschwerden folgten mit 38 Prozent, während ungünstige Raumtemperaturen von 36 Prozent genannt wurden.

Die Nutzung digitaler Medien vor dem Zubettgehen sahen 27 Prozent als Störfaktor. In der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen lag dieser Wert mit 45 Prozent deutlich höher.

Den Einfluss digitaler Endgeräte beleuchtete auch ein im Fachjournal The Lancet veröffentlichtes Umbrella Review unter Leitung von Barbara Prainsack von der Universität Wien.

Die Auswertung von 121 Studien mit Daten von rund neun Millionen Menschen unter 25 Jahren zeigte, dass eine suchtähnliche Mediennutzung stark mit schlechterem Schlaf, psychischen Problemen und geringerer Bewegung einhergeht, wenngleich die Daten allein keine eindeutige Kausalität belegen.

Arbeitsbelastung und fehlende Erholung

Strukturelle Belastungen im Berufsleben verstärken das Erholungsdefizit. Auswertungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zu deutschen Arbeitszeitdaten belegen deutliche Zusammenhänge zwischen Überstunden, Sonntagsarbeit sowie ständiger Erreichbarkeit und einer verminderten Erholungsfähigkeit.

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Der Arbeitspsychologe Jan Dettmers von der FernUniversität Hagen betont, dass die menschliche Konzentration nicht unbegrenzt aufrechterhalten werden könne. Nach acht Stunden Arbeitszeit steige die Fehlerquote exponentiell an und das Risiko von Arbeitsunfällen nehme zu.

Dettmers rät zu strukturierten Pausen wie Spaziergängen oder Achtsamkeitsübungen und verweist darauf, dass Arbeitsphasen von 45 bis 60 Minuten mit anschließender Unterbrechung für viele Beschäftigte vorteilhaft seien.

Die Folgen mangelnder Regeneration schlagen sich auch in Krankmeldungen nieder. Eine Analyse der DAK-Gesundheit unter rund 111.000 versicherten Beschäftigten in Schleswig-Holstein ergab für das erste Halbjahr 2026 einen Anstieg der Krankschreibungen wegen psychischer Erkrankungen um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

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Die Fehltage kletterten von 187 auf 214 je 100 Beschäftigte. Die Wirtschaftswissenschaftlerin Claudia Buengeler verweist darauf, dass solche Ausfälle im Schnitt rund einen Monat dauern. Ein anhaltendes Missverhältnis zwischen hohen Arbeitsanforderungen und begrenzten Ressourcen begünstige Erkrankungen maßgeblich.

Relevanz für die langfristige Gesundheit

Dass eine ausreichende Schlafdauer für den Erhalt der Gesundheit wesentlich ist, untermauern auch epidemiologische Daten. Eine in PLOS Medicine veröffentlichte Auswertung von 95.559 Datensätzen der britischen UK Biobank zeigte, dass das Risiko für 69 von 86 untersuchten Krankheiten bei einer Schlafdauer von sechs bis acht Stunden am geringsten ausfiel.

Bei Personen mit weniger als fünf Stunden Schlaf traten ungünstige Krankheitsverläufe hingegen gehäuft auf. Die Analysen unterstreichen, wie eng Schlafqualität, Arbeitsgestaltung und das allgemeine Wohlbefinden miteinander verknüpft sind.

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