Schlafstörungen, Deutschen

Schlafstörungen: Ein Drittel der Deutschen leidet unter Ein- oder Durchschlaf

Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 12:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Chronische Überlastung kann Schlaf, Körper und Alltag beeinträchtigen. Fachleute zeigen Ursachen, Warnzeichen und Ansätze zur Krisenbewältigung auf.

Chronischer Stress: Warnsignale, Belastungen und Wege aus der Krise
Ein minimalistisch eingerichtetes Schlafzimmer bei Tagesanbruch mit weichem Licht und einer ruhigen, erholsamen Atmosphäre. Illustration mit AI erstellt.

Persönliche Erfahrungsberichte und wissenschaftliche Erhebungen rücken die Mechanismen von chronischer Überlastung und Krisensituationen zunehmend in das Blickfeld der Öffentlichkeit.

Die Auseinandersetzung mit anhaltendem Stress, familiärem oder beruflichem Druck sowie Schlafstörungen zeigt, wie tiefgreifend die Auswirkungen auf das tägliche Leben sein können. Fachbeiträge beleuchten dabei sowohl die biologischen Prozesse als auch konkrete Strategien zur Bewältigung von Krisen.

Biologische Abläufe und körperliche Warnsignale

Dauerhafte Überlastung hinterlässt Spuren im Körper. Bei anhaltendem Stress schüttet die sogenannte HPA-Achse – bestehend aus Hypothalamus, Hypophyse und Nebennierenrinde – vermehrt das Hormon Cortisol aus. Das wissenschaftliche Konzept der allostatischen Last beschreibt die Abnutzungserscheinungen, die durch diese ständige Aktivierung des Hormonsystems entstehen. Bei einem Burnout gilt ein erhöhter Cortisolspiegel unter anderem als wesentliche Ursache für Schlafstörungen.

Nach Angaben des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) leidet etwa ein Drittel der Menschen in Deutschland an Ein- oder Durchschlafstörungen. Bei rund 6 von 100 Personen wird eine Schlafstörung diagnostiziert, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer.

Als typische körperliche Stresssignale gelten neben veränderten Schlafmustern auch Muskelanspannungen im Bereich von Nacken, Schultern und Kiefer, Verdauungsprobleme sowie Herzklopfen. Fachleute weisen darauf hin, dass für die Einschätzung nicht ein isoliertes Einzelsymptom ausschlaggebend sei, sondern das Zusammenspiel aus Häufigkeit und Dauer der Beschwerden.

Zur Entlastung empfiehlt der Klinikbetreiber Asklepios im Arbeitsalltag regelmäßige Pausen von 5 bis 10 Minuten alle 90 Minuten. Bei Koffeinempfindlichkeit sei zudem ein Verzicht auf koffeinhaltige Getränke ab elf Stunden vor dem Schlafengehen ratsam.

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Hohe Belastungen im Beruf, bei der Pflege und in der Familie

Die Auslöser für Erschöpfungskrisen sind vielfältig und treten in unterschiedlichen Lebensphasen auf. In der Schweiz weisen laut Angaben der Psychologin Elian Zürcher mehr als 5 Prozent der Eltern Symptome eines Eltern-Burnouts auf, was das Risiko für gesundheitliche Folgen sowie Vernachlässigung und innerfamiliäre Konflikte erhöht. Für akute Krisen stehen dort Hilfsangebote wie der 24-Stunden-Elternnotruf unter 0848 35 45 55 oder Pro Juventute unter 058 261 61 6 zur Verfügung.

Im beruflichen Umfeld wird zudem das Phänomen des sogenannten Totwasser-Effekts beschrieben: Beschäftigte über 50 Jahren in restrukturierten Organisationen geraten dabei häufig durch subtile Entwertung und Ausgrenzung unter Druck. Beratungsstellen raten Betroffenen hierzu unter anderem zur Dokumentation von Vorfällen, zum Einbinden des Betriebsrats, zur rechtlichen Beratung sowie zur Etablierung fester Ausgleichstermine außerhalb der Arbeit.

Eine erhebliche Erschöpfungsgefahr betrifft zudem pflegende Familienmitglieder. Für Deutschland wiesen Daten für 2023 rund 4,9 Millionen häuslich Pflegebedürftige und geschätzt 7,1 Millionen Pflegende aus.

Eine in der Fachzeitschrift Psychology & Health veröffentlichte Auswertung der Universität Sydney unter Erstautorin Hannah Isaac, die 29 Studien mit über 81.000 Pflegenden umfasste, verdeutlicht die Hürden bei Hilfsangeboten: Obwohl sich jede dritte Person Beratung wünscht, nimmt sie weniger als jede sechste tatsächlich in Anspruch. An staatlichen Angeboten waren 40 Prozent interessiert, jedoch nutzten lediglich 10 Prozent diese Möglichkeiten.

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Ansätze zur Stressbewältigung und Einordnung der Symptome

In der Theorie greifen Ansätze zur Krisenbewältigung auf etablierte Stressmodelle zurück, darunter das biologische Modell von Hans Selye mit seinen Phasen von Alarm, Anpassung und Erschöpfung sowie das transaktionale Modell von Richard Lazarus, in dem die subjektive Bewertung von Situationen entscheidend ist.

Zur praktischen Bewältigung werden strukturierende Methoden wie Prioritätensetzung, Zeitmanagement und feste Medienpausen herangezogen. Auch Entspannungstechniken – darunter progressive Muskelrelaxation, gezielte Atemübungen wie die 4-7-8-Methode oder Box-Breathing sowie Yoga Nidra – dienen der kurzfristigen Beruhigung des Nervensystems.

Gleichzeitig mahnen Experten zu einer differenzierten Einordnung. Die Psychologin Isa Schlott warnte in einem Bericht vor einer übertherapierten Gesellschaft und gab zu bedenken, dass nicht jede seelische Regung gleich eine medizinische Diagnose darstelle.

Dennoch bleibt die globale Dimension beträchtlich: Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation leben weltweit mehr als eine Milliarde Menschen mit einer psychischen Erkrankung. Bei tiefergehenden Krisen und langanhaltenden Erschöpfungszuständen bleibt die strukturierte fachliche Unterstützung daher ein unverzichtbarer Baustein.

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