Schulterbeschwerden: Zwölf Wochen Training senkten die Operationsabsicht
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 23:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deWer trotz anhaltender Beschwerden weiter trainiert, riskiert langfristige gesundheitliche Schäden. Vor diesem Vorgehen warnen Jonas Tesarz und Ulrich Boenisch von der Unimedizin Mainz in einem Bericht von Mitte Oktober 2026. Beide Mediziner erläutern darin, wie sowohl Profi- als auch Breitensportler sachgerechter mit chronischen Schmerzen umgehen sollten, anstatt Warnsignale des Körpers zu ignorieren.
Warnsignale erkennen und das Training gezielt anpassen
Die Differenzierung zwischen harmlosen Trainingsfolgen und ernsthaften Überlastungen ist für Sporttreibende zentral. Lauftrainer Arnau Lloret von Kupaa weist darauf hin, dass gewöhnlicher Muskelkater normal sei und sein Maximum zwischen 24 und 72 Stunden nach der Belastung erreiche.
Klare Warnsignale seien dagegen wiederkehrende Beschwerden an derselben Stelle, eine Schmerzintensivierung bei steigender Kilometerzahl sowie Veränderungen der Laufmechanik wie Hinken oder einseitiges Entlasten. Ein fokaler, fortschreitender Knochenschmerz erfordere laut Lloret stets eine fachliche Abklärung, selbst wenn die Fortbewegung funktionell noch möglich sei.
Zudem existiere keine universelle Schmerzskala: Ein Wert von 3 auf einer 10-stufigen Skala an einer vorbelasteten Sehne sei anders zu bewerten als an der Schienbeinkante mit Verdacht auf eine Stressfraktur.
Bei Überlastungen empfiehlt Lloret, das Trainingsvolumen vorerst zu senken, anstatt vollständig zu pausieren, und auf Ausgleichssportarten wie Radfahren oder den Crosstrainer auszuweichen. Ausdrücklich warnt er davor, Analgetika und Antiphlogistika allein dafür einzusetzen, das Trainingspensum fortführen zu können.
Hohe Verbreitung von Schmerzmitteln im Freizeitsport
Die Praxis, Schmerzen medikamentös zu unterdrücken, ist im Breitensport weit verbreitet. Eine Untersuchung der Universitätsmedizin Rostock unter 1.238 sportlich aktiven Erwachsenen – davon 776 Männer, 460 Frauen und zwei diverse Personen bei einem Durchschnittsalter von 37,3 Jahren – ergab, dass knapp sechs von zehn Befragten rezeptfreie Schmerzmittel im sportlichen Kontext nutzten.
Mehr als die Hälfte von ihnen tat dies ohne ärztliche Absprache. Als Beweggrund nannten 86 Prozent akute Schmerzen und 53 Prozent akute Erkrankungen. Jeweils knapp 17 Prozent griffen präventiv oder zum Abbau von Hemmungen zu Medikamenten, während 15 Prozent Leistungsdruck anführten. Rund 60 Prozent der Konsumenten schätzten ihr Wissen über Nebenwirkungen höchstens als mittelmäßig ein.
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Die physiologischen Folgen sind messbar: In einer von der Universitätsmedizin Rostock begleiteten randomisierten Untersuchung über eine Distanz von 80 Kilometern wiesen 52 Prozent der Probanden in der Ibuprofen-Gruppe erhöhte Kreatininwerte auf, verglichen mit 34 Prozent in der Placebo-Gruppe, wobei dieses Ergebnis statistisch nicht eindeutig war.
Bei einer Marathonstudie sank der Natriumspiegel in der Gruppe mit nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) signifikant um durchschnittlich 2,1 Millimol pro Liter, während er in der Kontrollgruppe um 2,3 Millimol pro Liter anstieg.
Eine Befragung von 167 Ultra-Ausdauerläufern aus dem Jahr 2026 bestätigte diesen Trend: 53 Prozent gaben an, NSAR einzunehmen, obwohl 77 Prozent über mögliche Schäden informiert waren. Ein sportlicher Leistungsvorteil ist dabei nicht nachgewiesen.
Gezielte Kräftigung und konservative Therapiemethoden
Auch im Bereich spezifischer Gelenkbeschwerden steht die Ursachenbekämpfung im Mittelpunkt. Dr. Fernando Corbí, Traumatologe am Hospital Vithas Valencia 9 de Octubre, sieht plötzliche Belastungssteigerungen, eine unpassende Laufbiomechanik sowie muskuläre Kraft- und Kontrolldefizite als Hauptursachen für Hüftschmerzen bei Läufern.
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Neben Glutealtendinopathien, dem trochantären Schmerzsyndrom und Überlastungen der Hüftbeuger oder Adduktoren treten seltener auch Labrumläsionen oder Schenkelhals-Stressfrakturen auf, die eine rasche Abklärung verlangen. Zur Vorbeugung rät Corbí zu gezieltem Krafttraining für Gesäß, Rumpf und Beine sowie zu einer progressiven Trainingsplanung.
Dass konservative Trainingsinterventionen operative Eingriffe abwenden können, belegt unter anderem eine schwedische Studie aus Linköping mit 97 ausgewerteten Patienten im Alter von 30 bis 65 Jahren, die unter chronischen Impingement-Schmerzen litten.
Ein zwölfwöchiges Übungsprogramm für Rotatorenmanschette und Schulterblatt senkte den Anteil der Patienten, die sich einer Operation unterziehen wollten, von 63 Prozent auf 20 Prozent. Nach zehn Jahren lag diese Quote bei 35 Prozent gegenüber 65 Prozent in der Kontrollgruppe.
Bei chronischen Schmerzen, die laut UTHealth Houston ab einer Dauer von mehr als drei Monaten definiert werden und mehr einen von fünf Erwachsenen in den USA betreffen, bleibt die multimodale Kombination aus gezielter Bewegung, Physiotherapie und Belastungssteuerung der zentrale Ansatz.
