Schwangerschaft: 98 Prozent nehmen zu wenig Jod auf
Veröffentlicht am: 29.06.2026 um 02:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Studien zeigen massive VersorgungslĂŒcken.
Kalorien: Weniger als gedacht
Entgegen dem Volksmund braucht der Körper im ersten Trimester kaum zusĂ€tzliche Energie. âIm ersten Drittel der Schwangerschaft besteht noch kein nennenswerter Mehrbedarf an Kalorienâ, erklĂ€rt ErnĂ€hrungsexpertin Johanna Wehrmann. Erst ab dem zweiten Trimester sind rund 250 Kilokalorien mehr pro Tag nötig, im dritten Trimester steigt der Wert auf etwa 500 Kilokalorien.
Die Basis bleibt eine ausgewogene Kost: fĂŒnf Portionen GemĂŒse und Obst tĂ€glich, Vollkornprodukte und dreimal Milchprodukte. Tierische Lebensmittel liefern EiweiĂ, Eisen, Zink sowie B-Vitamine und Vitamin D. Wichtig: Fleisch, Fisch und Eier immer vollstĂ€ndig durchgaren â mindestens zwei Minuten bei 70 Grad Celsius. Das vermeidet Infektionen wie Salmonellen oder Toxoplasmose.
Supplemente: Viele dosieren falsch
Selbst mit bewusster ErnĂ€hrung erreichen viele Schwangere die empfohlenen MikronĂ€hrstoffwerte nicht. Eine Hamburger Studie von 2016 zeigte: Von 200 Teilnehmerinnen hielten 60 Prozent die Gewichtsrichtwerte nicht ein. Besonders kritisch: 98 Prozent nahmen zu wenig Jod auf. Keine Probandin erreichte die Empfehlungen fĂŒr FolsĂ€ure, Vitamin D oder Eisen.
Neuere Daten von 2025 bestĂ€tigen das Bild. An der Studie nahmen 3.363 Schwangere in Deutschland teil. 69 Prozent gaben an, ihre ErnĂ€hrung verbessert zu haben, 89 Prozent griffen zu NahrungsergĂ€nzungsmitteln. Doch die korrekte Dosierung hapert: 88 Prozent nahmen FolsĂ€ure â 37 Prozent davon in der falschen Menge. Bei Jod supplementierten 66 Prozent, fast die HĂ€lfte (46 Prozent) dosierte falsch.
Fachleute empfehlen standardmĂ€Ăig:
- FolsĂ€ure: 400 ”g tĂ€glich â senkt das Risiko fĂŒr Neuralrohrdefekte
- Jod: 100 bis 150 ”g â unterstĂŒtzt die kindliche Entwicklung
- Eisen: 27 mg pro Tag â beugt AnĂ€mie vor
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Vitamin D und Omega-3: Die blinden Flecken
Besonders prekĂ€r ist die Vitamin-D-Versorgung. 78 Prozent der Schwangeren in Deutschland liegen unter 50 nmol/l â das gilt als unzureichend. Nur fĂŒnf Prozent erreichen einen optimalen Spiegel. Schwangere haben ein fast vierfach erhöhtes Risiko fĂŒr einen Mangel. Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung (DGE) empfiehlt 800 IE tĂ€glich, internationale Fachgesellschaften wie die Endocrine Society raten zu 1.500 bis 2.000 IE. Eine gute Versorgung senkt wohl das Risiko fĂŒr Schwangerschaftsdiabetes und Bluthochdruck.
Omega-3-FettsÀuren, besonders DHA, sind ebenfalls wichtig. Quellen sind fettreiche Kaltwasserfische wie Lachs oder Sardinen. Raubfische wie Thunfisch sollten Schwangere wegen möglicher Quecksilberbelastung meiden.
Beschwerden lindern, Tabus kennen
Das erste Trimester bringt oft Ăbelkeit und Sodbrennen. ErnĂ€hrungswissenschaftler empfehlen bei Ăbelkeit Ingwer oder trockene Lebensmittel wie Zwieback. Gegen Sodbrennen helfen Mandeln oder Milch, ballaststoffreiche Kost wirkt Verstopfungen entgegen.
Absolutes Muss: Verzicht auf Alkohol und Nikotin wÀhrend der gesamten Schwangerschaft. Auch bestimmte Lebensmittel sind tabu: Rohmilchprodukte, WeichkÀse, rohes Fleisch (Salami, Mett), Innereien und roher Fisch (Sushi). Die Infektionsgefahr ist zu hoch.
78 Prozent der Schwangeren haben einen Vitamin-D-Mangel â das Risiko fĂŒr Schwangerschaftsdiabetes steigt. Unser Report erklĂ€rt, wie Sie mit der richtigen Dosierung (800â2.000 IE tĂ€glich) Ihren Spiegel optimieren. Vitamin-D-Ratgeber jetzt sichern
Nach der Geburt: Neue NÀhrstoffprioritÀten
Die ErnĂ€hrung bleibt nach der Entbindung entscheidend. FĂŒr die Regeneration im Wochenbett braucht der Körper Protein fĂŒr die Geweberegeneration und Eisen zum Ausgleich von Blutverlusten. Kalzium unterstĂŒtzt die Knochengesundheit, gesunde Fette die Hormonproduktion. Der FlĂŒssigkeitsbedarf steigt in der Stillzeit auf 2,5 bis 3 Liter pro Tag.
