Selbsthilfegruppen, Depression

Selbsthilfegruppen bei Depression: Zwölf Betroffene starten in Schwanewede

Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 07:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue lokale Gruppen schaffen Austausch und Rückhalt, ersetzen laut Psychiater Bastian Willenborg jedoch keine Psychotherapie.

Selbsthilfegruppen bei psychischen Erkrankungen: Chancen und Grenzen
Ein heller, leerer Gruppenraum mit einem Kreis aus Stühlen und Blick ins Grüne als Symbol für den Austausch in Selbsthilfegruppen. Illustration mit AI erstellt.

Lange Wartezeiten auf reguläre Therapieplätze und das Bedürfnis nach persönlichem Austausch stellen Menschen mit psychischen Erkrankungen vor große Herausforderungen. Im August 2026 reagierte der Paritätische in Schwanewede auf den Wunsch Betroffener und organisierte das erste Treffen einer neuen Selbsthilfegruppe für seelisch Belastete, zu dem zwölf Personen zusammenkamen.

Mittlerweile organisiert sich die Gruppe eigenständig. Das Beispiel veranschaulicht, welche Funktion gemeinschaftliche Initiativen im Versorgungssystem übernehmen und wo ihre Grenzen liegen.

Lokale Initiativen fangen Versorgungsengpässe auf

Die Motivation für die Neugründung in Schwanewede basierte maßgeblich auf bestehenden Engpässen in der Regelversorgung sowie dem Wunsch, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen.

Zur weiteren Information zeigt der Paritätische am 7. Oktober 2026 im Filmpalast Schwanewede den Film „Expedition Depression“ mit anschließender Gesprächsrunde. Der Einlass beginnt um 18:00 Uhr, der Beginn ist für 18:30 Uhr angesetzt; eine Anmeldung ist per E-Mail oder telefonisch erforderlich.

Ähnliche Angebote entstehen auch in weiteren Regionen: In Bad Bentheim startet am 8. Oktober 2026 die Selbsthilfegruppe „Licht und Sonne“, die sich an Menschen ab 60 Jahren richtet, die Einsamkeit oder seelische Beschwerden erleben.

Die Zusammenkünfte finden jeden zweiten Donnerstag von 16 bis 18 Uhr im Gemeindehaus St. Johannes der Täufer statt, wobei Interessierte ausdrücklich auch zunächst nur zuhören können.

Im Kreis Soest wiederum beginnt am 14. Oktober 2026 eine kostenfreie Gruppe für Frauen mit aktueller oder überstandener Krebserkrankung, die über die dortige Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen (KISS) koordiniert wird.

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Lange Wartezeiten auf einen Therapieplatz lassen viele Betroffene mit ihren Beschwerden allein — dabei kann der Austausch mit Menschen in ähnlicher Lage spürbar entlasten und Zugehörigkeit schenken. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie eine passende Gruppe finden und den ersten Besuch gelassen angehen. Leitfaden zur Selbsthilfegruppe jetzt anfordern

Nutzen und Grenzen der gemeinschaftlichen Unterstützung

Aus fachlicher Sicht erfüllen derartige Zusammenschlüsse eine wichtige soziale Funktion. Der Psychiater Bastian Willenborg erklärt, dass Selbsthilfegruppen das Gefühl von Zugehörigkeit stärken, Entlastung bringen und das gegenseitige Lernen ermöglichen können.

Zugleich betont der Mediziner, dass sie eine reguläre Psychotherapie nicht ersetzen können. Für die Vermittlung von medizinischem Fachwissen sowie eine gezielte Behandlung seien weiterhin Fachkräfte zuständig, zudem eigne sich das Gruppenformat nicht für alle Personen gleichermaßen.

Als Orientierung empfiehlt Willenborg, verschiedene Angebote unverbindlich auszuprobieren. Eine bundesweite Übersicht bietet die Nationale Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe (NAKOS), die auch digitale Optionen aufführt.

Die Bedeutung von Unterstützungsnetzwerken

Der Bedarf an niedrigschwelliger Unterstützung ist messbar hoch. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind weltweit rund 5,2 Prozent der Erwachsenen von einer Depression betroffen, wobei Frauen etwa 1,5-mal häufiger erkranken als Männer.

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Nicht jede Gruppe passt zu jedem — und nicht jede Selbsthilfegruppe ersetzt eine Therapie. Wer unsicher ist, ob das Format das Richtige ist, findet in unserem kostenlosen Leitfaden eine klare Orientierung: von der bundesweiten Angebotsübersicht bis zur Checkliste für den unverbindlichen Erstbesuch. Orientierung für Ihren ersten Schritt sichern

In Österreich leben nach einer Erhebung der Medizinischen Universität Wien aus dem Jahr 2022 etwa 730.000 Menschen mit einer Depression, davon circa 466.000 Frauen. Studien für Deutschland zeigen, dass etwa jeder fünfte bis sechste Erwachsene im Laufe seines Lebens an einer Depression erkrankt.

Vor diesem Hintergrund gewinnen ergänzende Angebote zur professionellen Behandlung an Bedeutung, um Betroffenen frühzeitig Orientierung und Rückhalt im Alltag zu bieten.

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