Semaglutid-Tablette, EMA

Semaglutid-Tablette: EMA empfiehlt erste orale Therapie gegen Übergewicht

27.05.2026 - 21:49:38 | boerse-global.de

EU-Ausschuss empfiehlt erste orale Semaglutid-Tablette gegen Übergewicht. Neue Studien entkräften zudem Bedenken zum Jo-Jo-Effekt.

Semaglutid-Tablette: EMA empfiehlt erste orale Therapie gegen Übergewicht - Foto: über boerse-global.de
Semaglutid-Tablette: EMA empfiehlt erste orale Therapie gegen Übergewicht - Foto: über boerse-global.de

Mai 2026 die Zulassung von oralem Semaglutid als tägliche Tablette empfohlen. Es ist die erste rein orale Therapie dieser Wirkstoffklasse gegen Übergewicht.

Durchbruch bei oraler Therapie

Die Empfehlung basiert auf einer Phase-III-Studie mit 307 probanden über 64 Wochen. Teilnehmer, die täglich 25 mg Semaglutid einnahmen, reduzierten ihr Körpergewicht um durchschnittlich 13,61 Prozent. In der Placebogruppe lag der Wert bei lediglich 2,18 Prozent.

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76,3 Prozent der Probanden erreichten eine Reduktion von mindestens fünf Prozent ihres Ausgangsgewichts. In der Kontrollgruppe gelang dies nur 30,5 Prozent.

Die Einnahme ist an strikte Vorgaben gebunden: Eine Fastenperiode von mindestens acht Stunden vor sowie 30 Minuten nach der Einnahme ist erforderlich. Die für GLP-1-Rezeptor-Agonisten typischen gastrointestinalen Nebenwirkungen traten auch hier auf. Die Zulassungsempfehlung gilt explizit nur für Erwachsene.

Mit dieser oralen Option könnte eine wesentliche Barriere für Patienten fallen, die die bisher üblichen wöchentlichen Injektionen ablehnen.

Neubewertung des Jo-Jo-Effekts

Parallel zur Zulassungsempfehlung veröffentlichten Wissenschaftler im Fachjournal Lancet Diabetes & Endocrinology eine Analyse, die langjährige Bedenken entkräftet. Prof. Magkos von der Universität Kopenhagen und Prof. Stefan vom Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD) in Tübingen fanden keine kausalen Belege für dauerhafte gesundheitliche Schäden durch den Jo-Jo-Effekt.

Die Befürchtung, dass wiederholte Gewichtsschwankungen den Stoffwechsel nachhaltig schädigen oder zu überproportionalem Muskelmasseverlust führen, ließ sich nicht verifizieren. Die Vorteile einer Gewichtsabnahme überwiegen die potenziellen Risiken einer späteren Zunahme deutlich. Eine erneute Zunahme führe lediglich dazu, dass der Patient auf das Ausgangsniveau seines gesundheitlichen Risikos zurückkehre – ohne es zu überschreiten.

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Diese Erkenntnisse könnten den psychologischen Druck von Patienten nehmen, die nach erfolgreicher Diät eine teilweise Gewichtszunahme erleben.

Genetik bestimmt den Abnehmerfolg

Die Variabilität beim Abnehmerfolg ist stark von genetischen Faktoren abhängig. Eine Studie im Fachjournal Nature analysierte Daten von 27.885 Personen, die mit Semaglutid oder Tirzepatid behandelt wurden. Die Forscher identifizierten die Genvariante rs10305420 im GLP1-Rezeptorgen als entscheidenden Faktor.

Träger dieser Variante verloren im Durchschnitt etwa 1,3 Prozent mehr Gewicht. Personen europäischer Abstammung zeigten ein stärkeres Ansprechen auf die Therapie. Interessanterweise korrelierte ausgeprägtere Übelkeit paradoxerweise mit höherem Gewichtsverlust.

Doch nicht nur die Genetik spielt eine Rolle. Kurzfristige Gewichtszunahmen sind oft auf Ödeme zurückzuführen, die durch Salz, Hormone, Stress oder Schlafmangel ausgelöst werden. Ein Kilogramm Körperfett entspricht rechnerisch etwa 7700 Kalorien – plötzliche Sprünge auf der Waage sind meist auf Veränderungen im Wasserhaushalt zurückzuführen.

Langfristige Vorteile und unterstützende Maßnahmen

Die schwedische Swedish Obese Subjects Study beobachtete über 25 Jahre die Auswirkungen massiver Gewichtsverluste nach bariatrischen Operationen. Das Krebsrisiko bei Frauen sank durch den Eingriff um 22 Prozent, bei frauenspezischen Tumoren sogar um 40 Prozent. Bei Männern waren keine vergleichbaren Effekte nachweisbar.

Auch ernährungsphysiologische Anpassungen zeigen Wirkung. Die SWEET-Studie aus dem Jahr 2025 untersuchte 341 Erwachsene und 38 Kinder mit Übergewicht. Die Gruppe, die Süßstoffe als Zuckerersatz nutzte, verzeichnete einen um 1,6 kg höheren Gewichtsverlust. Bei konsequenter Umsetzung betrug der Unterschied bis zu 3,8 kg – ohne schädliche Effekte auf das Darmmikrobiom.

Ausblick

Die bevorstehende Markteinführung der Semaglutid-Tablette dürfte die Behandlungslandschaft nachhaltig verändern. Die Identifikation spezifischer Genvarianten erlaubt künftig präzisere Vorhersagen der Therapiereaktion. In Kombination mit der wissenschaftlichen Entlastung beim Jo-Jo-Effekt verschiebt sich der Fokus von kurzfristigen Diäterfolgen hin zu einem lebensbegleitenden, medizinisch unterstützten Gesundheitsmanagement.

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