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Senioren am Steuer: EU-Regeln zur Fahrtauglichkeit greifen überwiegend ab 2029

Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 04:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Deutschland plant keine pauschalen Gesundheitschecks ab 70; die Schweiz prüft ältere Fahrer regelmäßig, während Lüchow-Dannenberg freiwillige Alternativen bietet.

Ältere Autofahrer: Unfallzahlen und Streit um Fahrtauglichkeitstests
Eine leere, ruhige Straßenkreuzung in einem Wohngebiet bei bewölktem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Mediale Berichte thematisieren verstärkt die Frage, ob ältere Autofahrer ihre Fahreignung regelmäßig nachweisen sollten. Hintergrund der Diskussion sind steigende Unfallzahlen auf der einen Seite und die fundamentale Bedeutung des Autos für die persönliche Unabhängigkeit und Mobilität im Alter auf der anderen Seite. Während Initiativen strengere Vorgaben fordern, scheuen politische Entscheidungsträger bislang vor pauschalen Beschränkungen zurück.

Steigende Unfallzahlen und statistische Risiken

Die Diskussion wird maßgeblich durch verkehrsstatistische Erhebungen angetrieben. Nach Angaben der Unfallforschung der Versicherer trugen Senioren im Jahr 2023 in 16.468 Fällen die Hauptschuld an Unfällen, was einem Zuwachs von 28 Prozent im Vergleich zum Jahr 2013 entspricht.

Zahlen des Statistischen Bundesamtes verdeutlichen die Problematik bei hochbetagten Verkehrsteilnehmern: Bei Autofahrern ab einem Alter von 75 Jahren tragen drei von vier Beteiligten die Hauptschuld, wenn es zu Unfällen mit Personenschaden kommt. Dies stellt den höchsten Wert aller erfassten Altersgruppen dar.

Auch in der Schweiz zeigt sich ein ähnliches Bild. Nach Angaben des Bundesamts für Verkehr verursachen Fahrer über 80 Jahren bezogen auf die zurückgelegten Kilometer am häufigsten Unfälle.

Wie schnell altersbedingte Fehleinschätzungen eskalieren können, zeigte ein Vorfall Anfang Oktober 2026 im Schweizer Einsiedeln, bei dem eine 91-jährige Autofahrerin mutmaßlich Gas- und Bremspedal verwechselte, in eine Gartenwirtschaft steuerte und vier Gäste ins Krankenhaus gebracht werden mussten.

Gesetzliche Lage und politische Vorstöße in Deutschland

In Deutschland existiert bislang keine Verpflichtung für ältere Autofahrer, ihre Fahrtüchtigkeit in regelmäßigen Abständen nachweisen zu lassen. Im September 2026 startete Ferris Fechner eine Petition, die eine verpflichtende Fahreignungsprüfung ab einem bestimmten Alter fordert. Laut einer Forsa-Umfrage befürwortet eine Mehrheit der Deutschen verpflichtende Fahrtests, insbesondere ab einem Alter von 70 Jahren.

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Auf politischer Ebene zeichnet sich eine solche Neuerung jedoch vorerst nicht ab. Bereits im Jahr 2023 debattierte die Europäische Union über verpflichtende Gesundheitschecks ab 70 Jahren im Rahmen der Führerscheinrichtlinie, was der damalige deutsche Verkehrsminister Volker Wissing ablehnte.

Ein pauschaler Gesundheitstest ab 70 Jahren ist weiterhin nicht vorgesehen. Deutschland muss die entsprechende EU-Führerscheinrichtlinie bis zum 26. November 2028 umsetzen, wobei die Bestimmungen überwiegend ab dem 26. November 2029 gelten.

Andere Staaten greifen dagegen deutlich früher ein: In Portugal verlangt der Gesetzgeber ab einem Alter von 60 Jahren ein ärztliches Attest für die Führerscheinverlängerung, ab 70 Jahren muss die Berechtigung alle zwei Jahre erneuert werden.

Erfahrungen aus der Schweiz und freiwillige Alternativen

In der Schweiz ist das Verfahren bereits institutionalisiert. Dort waren im Jahr 2024 laut Bundesamt für Verkehr 517'754 Fahrer ab 75 Jahren registriert. Wie Professorin Isabel Margot-Cattin von der HETSL und ZHAW darlegt, werden derzeit jährlich rund 260'000 Menschen obligatorisch auf ihre Fahrtauglichkeit getestet.

Zuständig für diese Untersuchungen sind die einzelnen Kantone. Bis zum Jahr 2030 könnte diese Zahl Schätzungen zufolge auf bis zu 350'000 Prüfungen ansteigen, da Ende 2023 bereits 32,9 Rentner auf 100 Erwerbsfähige kamen und für Ende 2055 ein Wert von 44,9 prognostiziert wird.

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Laut Sarina Keusch vom Bundesamt für Strassen Astra sei dabei allerdings nicht allein das Alter der entscheidende Faktor, sondern die konkrete Fahrkompetenz sowie der individuelle Gesundheitszustand.

Als Alternative zu Verboten setzen einige Regionen auf Anreize zum freiwilligen Verzicht. Im Landkreis Lüchow-Dannenberg gaben Senioren seit dem Herbst 2024 nach Angaben der Pressestelle 31 Führerscheine im Tausch gegen kostenlose Jahrestickets für den öffentlichen Nahverkehr ab.

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