Senioren, Digitales

Senioren und Digitales: Nur 10% nutzen ePA trotz 87% Bekanntheit

Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 14:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue Begegnungs- und Lernangebote fördern digitale Teilhabe Àlterer Menschen, wÀhrend Studien geringe Nutzungsquoten und soziale Unterschiede zeigen.

Digitale Teilhabe im Alter: Projekte helfen, HĂŒrden zu ĂŒberwinden
Ein heller, moderner Gemeinschaftsraum mit einem Tablet auf einem Holztisch in einer freundlichen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Im pfĂ€lzischen Neustadt an der Weinstraße markierte ein Sommerfest Ende August den offiziellen Auftakt fĂŒr das Modellprojekt „Gesundheits- und Begegnungszentrum Rotkreuzstift“. Das Vorhaben, das eine BrĂŒcke zwischen sozialer Interaktion und gesundheitlicher PrĂ€vention schlagen soll, wird vom Sozialministerium Rheinland-Pfalz bis Ende des Jahres 2027 gefördert.

Bereits zum Start verzeichnete die Einrichtung rund 40 zusĂ€tzliche Anmeldungen fĂŒr ihre Angebote. Das Projekt plant zur Erweiterung des lokalen Austauschs zeitnah die Installation eines BĂŒcherschranks sowie einer sogenannten Begegnungsbank auf dem GelĂ€nde.

Regionale Vernetzung und neue Lernorte fĂŒr Zukunftstechnologien

Die Initiative in Neustadt ist Teil einer breiteren Entwicklung, die darauf abzielt, die soziale Isolation Ă€lterer Menschen zu durchbrechen und sie gleichzeitig an moderne Technologien heranzufĂŒhren. So wurde Ende August im Caritaszentrum DelbrĂȘl in der Mainzer Neustadt durch den Verein „Neustadt im Netz“ einer von bundesweit acht neuen KI-Lernorten eröffnet.

Die Ausstattung umfasst Sprachassistenten, smarte HaushaltsgerĂ€te sowie Anwendungen wie ChatGPT. Ziel sei es, Senioren in Workshops und offenen Treffs den Umgang mit kĂŒnstlicher Intelligenz praktisch nĂ€herzubringen.

Ähnliche niederschwellige Angebote finden sich deutschlandweit. In Rheine-Mesum startet etwa im September ein kostenloser Digital-Treff im Pfarrheim Johannes der TĂ€ufer, der ehrenamtlich geleitet wird.

Auch in Lotte, Bad DĂŒrkheim und Magdeburg sind fĂŒr den September Sprechstunden und Kurse angekĂŒndigt, in denen individuelle Fragen zu Smartphones und Tablets beantwortet werden. In Dresden bietet das „CafĂ© Durchblick“ bis Ende 2026 eine Kombination aus Gehirnjogging und UnterstĂŒtzung bei behördlicher Korrespondenz an.

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Analyse digitaler Barrieren: Aktuelle Studienergebnisse

Trotz des wachsenden Angebots belegen aktuelle Forschungsdaten der Ernst-Abbe-Hochschule Jena aus einer Umfrage unter 1.297 Personen im August 2026 deutliche HĂŒrden bei der Nutzung digitaler Infrastruktur.

WĂ€hrend die elektronische Patientenakte (ePA) einem Großteil der Befragten (87 Prozent) bekannt ist, nutzen sie lediglich 10 Prozent tatsĂ€chlich. Ein Ă€hnliches Bild zeigt sich bei der digitalen RentenĂŒbersicht: 40 Prozent kennen das Angebot, aber nur 6 Prozent nehmen es in Anspruch.

Die Studie verdeutlicht zudem ein soziales GefÀlle bei der digitalen Teilhabe. WÀhrend bei Befragten mit Hochschulabschluss 14 Prozent mindestens ein digitales Angebot nutzen, sind es bei Personen mit Hauptschulabschluss lediglich 5 Prozent.

Ein zusĂ€tzliches Einkommen von ĂŒber 1.000 Euro steigert die Nutzungswahrscheinlichkeit laut den Forschern um 20 bis 30 Prozent. Ein zentrales Problem bleibe der Registrierungsprozess: Rund die HĂ€lfte der Interessierten scheitere bereits bei der Anmeldung an den digitalen Systemen.

Innovative AnsÀtze in der Pflege und klinischen Nachsorge

Neben Bildungsangeboten rĂŒcken verstĂ€rkt digitale Assistenzsysteme in den Fokus der pflegerischen Praxis. Die Diakonie DĂŒsseldorf erhielt Ende August eine Auszeichnung in Höhe von 3.000 Euro fĂŒr ihr Konzept der „Digitalen Sozialen Betreuung“. In den betroffenen Pflegeheimen kommen unter anderem der Roboter Pepper, die Tagea-App sowie spezialisierte Projektionssysteme und Snoezelwagen zum Einsatz.

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Auch die klinische Forschung untersucht den Nutzen digitaler UnterstĂŒtzung. Die sogenannte eliPfad-Studie begleitet derzeit rund 1.000 Ă€ltere Patienten an sechs Zentren in Nordrhein-Westfalen nach einem Krankenhausaufenthalt. Durch eine Kombination aus persönlicher Betreuung und digitalen Hilfsmitteln soll die SelbststĂ€ndigkeit der Patienten gestĂ€rkt werden. Eine finale Auswertung dieser Untersuchung wird fĂŒr Mitte 2027 erwartet.

Die Vielfalt der Projekte – von der SeniorenTagesstĂ€tte in Rosenheim, die sich als „Jugendzentrum fĂŒr Hochbetagte“ versteht, bis hin zu Start-ups wie „Mein Helfair“, das SchĂŒler und Studenten fĂŒr 31 Euro pro Stunde zur AlltagsunterstĂŒtzung vermittelt – unterstreicht die wachsende Bedeutung integrierter Konzepte fĂŒr die alternde Gesellschaft.

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