Senioren und Technik: 6.979 Menschen nutzen Beratung in Jena
Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 04:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Zugang zu moderner Technologie und eine altersgerechte Infrastruktur gelten als wesentliche Voraussetzungen fĂŒr die soziale Teilhabe Ă€lterer Menschen. Verschiedene regionale Initiativen und bundesweite Modellvorhaben setzen derzeit darauf, Senioren den Umgang mit Smartphones, Tablets und digitalen Anwendungen zu erleichtern und gleichzeitig die physische MobilitĂ€t sowie Sicherheit im Alltag zu fördern.
Beratung und digitale Qualifizierung in der Praxis
In Jena feierten Ende September 2026 zwei zentrale Anlaufstellen ihr zweijĂ€hriges Bestehen. Der ProbierLaden am Engelplatz erreichte bis Anfang September insgesamt 6.979 Menschen. Ein GroĂteil der Beratungen entfiel mit 5.474 Kontakten auf die individuelle 1-zu-1-Betreuung, wĂ€hrend 1.505 Personen an Kursen teilnahmen.
Rund 79 Prozent der Besucher waren 66 Jahre oder Àlter. ErgÀnzend dazu verzeichnete das Smart-City-Projekt JEDI im Postcarrée in diesem Zeitraum etwa 8.500 Teilnahmen bei rund 300 kostenfreien Veranstaltungen.
In Winnenden unterstĂŒtzen Gymnasiasten der Paulinenpflege Ă€ltere Menschen mittwochnachmittags bei der Nutzung von Laptops und MobilgerĂ€ten. An dem Projekt nehmen zehn Senioren teil, wobei das Programm durch Tipps der Polizei Fellbach zu Themen wie InternetkriminalitĂ€t und Betrugsmaschen ergĂ€nzt wird.
Die Teilnehmer können das Zertifikat âSenioren-Medien-Mentor*inâ erwerben. Auch in Emsdetten bietet die Arbeitsgruppe âAgenda Ălterwerdenâ UnterstĂŒtzung fĂŒr Menschen ĂŒber 60 an, wobei unter anderem Schulungen fĂŒr Videokonferenzsysteme durchgefĂŒhrt werden.
Sicherheit und MobilitÀt im öffentlichen Raum
Wer sich mit der Nutzung von MobilgerĂ€ten vertraut macht, sollte auch die Sicherheit seiner Daten im Blick behalten. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt in fĂŒnf einfachen Schritten, wie man sein Smartphone wirksam gegen Hacker und Viren absichert. 5 SchutzmaĂnahmen fĂŒr Ihr Smartphone jetzt kostenlos entdecken
Neben der digitalen Kompetenz rĂŒckt die Sicherheit im analogen und digitalen Alltag verstĂ€rkt in den Fokus der Behörden. Die Polizei Bielefeld fĂŒhrt ab Oktober 2026 eine Veranstaltungsreihe unter dem Titel âSicherheit im Alltagâ durch. Die Termine behandeln die digitale Welt, Betrugsmaschen sowie den Einbruchschutz.
FĂŒr die physische MobilitĂ€t bieten die Stadtwerke Augsburg ein spezielles Training an. Ende August sowie fĂŒr Anfang November 2026 sind Termine an verschiedenen Haltestellen angesetzt, bei denen Senioren und Menschen mit BeeintrĂ€chtigung das sichere Ein- und Aussteigen mit Rollatoren oder RollstĂŒhlen in Bus und Tram ĂŒben können.
Dass die Infrastruktur einen direkten Einfluss auf die LebensqualitĂ€t hat, verdeutlicht die Studie âAgeing in the Arcticâ. Darin wird am Beispiel einer 92-jĂ€hrigen StadtrĂ€tin aufgezeigt, wie extreme Witterungsbedingungen die Teilhabe einschrĂ€nken können, wenn die Stadtplanung keine barrierefreien Wege vorsieht.
Die Stadtplanerin Siri Arntzen fordert in diesem Zusammenhang eine Kartierung von SturzunfÀllen und eine Anpassung der Verkehrsmittel an klimatische Bedingungen.
Vernetzung und gesundheitliche PrÀvention
Mitte September 2026 startete in WolfenbĂŒttel das Modellvorhaben âGemeinsam fĂŒr Pflege & Planetare Gesundheitâ. Als eine von fĂŒnf ausgewĂ€hlten Kommunen bundesweit erprobt die Stadt ĂŒber zwei Jahre hinweg Konzepte zu Hitzeschutz, ErnĂ€hrung und mentaler Gesundheit. Das Projekt wird unter anderem von der BAGSO getragen und von der BARMER gefördert.
Neben der körperlichen MobilitĂ€t ist die Förderung der mentalen LeistungsfĂ€higkeit ein zentraler Baustein fĂŒr ein selbstbestimmtes Leben im Alter. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Leitfaden, mit welchen einfachen AlltagsĂŒbungen und Methoden Sie Ihr GedĂ€chtnis und Ihre Konzentration nachhaltig stĂ€rken können. Kostenlosen Ratgeber fĂŒr geistige Fitness hier herunterladen
Im Bereich des Wohnens können Smart-Home-Konzepte dazu beitragen, die SelbststĂ€ndigkeit im Alter zu bewahren. Ein Versicherungsexperte wies darauf hin, dass vernetzte Systeme wie Tablettendosierer mit App-Anbindung, Sturzsensoren oder automatisierte Herdabschaltungen die Sicherheit erhöhen könnten. FĂŒr den altersgerechten Umbau und Einbruchschutz stehen aktuell Fördermittel ĂŒber KfW-Programme zur VerfĂŒgung.
Finanzielle Rahmenbedingungen und soziale Angebote
FĂŒr das Jahr 2026 bleiben das Pflegegeld und die Sachleistungsbudgets nach aktuellem Stand unverĂ€ndert. Je nach Pflegegrad stehen monatliche Budgets zwischen etwa 760 Euro und ĂŒber 2.200 Euro zur VerfĂŒgung. Neuere Regelungen ermöglichen zudem die Finanzierung von Pflege-Apps mit bis zu 40 Euro monatlich sowie zusĂ€tzliche UnterstĂŒtzung bei der Nutzung.
Regionale Förderungen ergĂ€nzen diese Leistungen. Der Rheingau-Taunus-Kreis bezuschusst Angebote der offenen Altenhilfe im Oktober 2026 mit fĂŒnf Euro pro Teilnehmer jĂ€hrlich. In der Region Holzwinkel/AltenmĂŒnster wurde zudem im Schloss Emersacker eine neue Anlaufstelle unter der Leitung von Sybille RĂŒnzler eingerichtet, die Senioren bis Ende 2028 in den Bereichen PrĂ€vention, Bildung und Teilhabe berĂ€t.
Der soziale Austausch wird zudem durch intergenerationelle Projekte wie âYoung meets Oldâ in Offenburg gefördert. Hier besuchen Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren regelmĂ€Ăig Bewohner von Pflegeheimen, koordiniert vom Rotary-Club Ortenau-Liberty.
An der Hochschule RheinMain in RĂŒsselsheim beginnt zudem im September 2026 das Wintersemester der GenerationenUNI, das Senioren als Gasthörenden den Zugang zu Vorlesungen von Mikrobiologie bis Luftfahrttechnik ermöglicht.
