Sepsis, Senioren

Sepsis bei Senioren: Niedersachsen zeigt dreifach höheres Risiko

Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 14:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de

BARMER-Auswertungen zeigen besonders viele SepsisfĂ€lle bei Menschen ab 65. Neue FrĂŒhwarnsysteme und QualitĂ€tsprojekte sollen die Versorgung verbessern.

Sepsis bei Senioren: BARMER-Daten zeigen hohes Risiko
Ein heller, steriler Krankenhausflur mit reflektierenden Böden und Tageslichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Auswertungen im Vorfeld des Welt-Sepsis-Tags am 13. September verdeutlichen die kritische Bedeutung der Sepsis-Vorsorge, insbesondere fĂŒr die Ă€ltere Bevölkerung. Eine Analyse der Krankenkasse BARMER, die bundesweit rund 8,2 Millionen Menschen versichert, belegt fĂŒr das Jahr 2024 eine signifikante HĂ€ufung von ErkrankungsfĂ€llen in der Altersgruppe ab 65 Jahren.

In Niedersachsen lag die Inzidenz in dieser Gruppe bei 880 Erkrankten je 100.000 Einwohner. Dieser Wert ĂŒbersteigt den allgemeinen Landesdurchschnitt von 316 FĂ€llen je 100.000 Einwohner fast um das Dreifache.

Gefahrenpotenzial und nationale Fallzahlen

Die statistische Relevanz der Sepsis in Deutschland ist mit der von Volkskrankheiten vergleichbar. JÀhrlich erkranken bundesweit rund 230.000 Menschen an einer Sepsis, wobei die Sterblichkeitsrate mit rund 75.000 TodesfÀllen pro Jahr massiv ausfÀllt. Damit treten in Deutschland etwa so viele Sepsis-FÀlle auf wie Herzinfarkte oder SchlaganfÀlle, die Zahl der TodesfÀlle liegt jedoch dreimal so hoch. Global betrachtet gehen SchÀtzungen von jÀhrlich etwa 11 Millionen TodesfÀllen im Zusammenhang mit einer Sepsis aus.

Auch in der Schweiz stellt das Krankheitsbild eine erhebliche Belastung fĂŒr das Gesundheitssystem dar. Dort werden jĂ€hrlich rund 20.000 Sepsis-Hospitalisierungen registriert, wobei fast 4.000 Betroffene versterben. Experten betonen in diesem Zusammenhang, dass eine Sepsis grundsĂ€tzlich als medizinischer Notfall zu behandeln ist.

Um die Sensibilisierung und UnterstĂŒtzung Betroffener zu verbessern, wurde in Bern der Verein „Sepsis Schweiz“ gegrĂŒndet. Die Organisation ging aus einer Betroffenen- und Familiengruppe des Swiss Sepsis Program (SSP) hervor. Zudem wurde eine Swiss Sepsis Declaration von mehr als 200 Personen unterzeichnet.

Technologische Innovationen und klinische Praxis

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In Niedersachsen erkranken Menschen ab 65 fast dreimal so hĂ€ufig an einer Sepsis wie der Landesdurchschnitt — und sie wird oft zu spĂ€t erkannt. Wer einen Ă€lteren Menschen pflegt, kann mit dem richtigen Wissen im entscheidenden Moment handeln. Kostenlosen Leitfaden mit Warnsignal-Checkliste anfordern

Die medizinische Versorgung reagiert mit verstĂ€rkten Maßnahmen auf die hohe MortalitĂ€t. Das Luzerner Kantonsspital plant fĂŒr Oktober 2026 den Start eines Pilotversuchs mit einem digitalen Sepsis-FrĂŒhwarnsystem.

Diese Technologie soll Parameter wie Puls, Blutdruck und Atemfrequenz kontinuierlich ĂŒberwachen, um Anzeichen einer beginnenden Sepsis frĂŒher zu identifizieren. Das System kommt zunĂ€chst in drei Abteilungen zum Einsatz, mit dem Ziel einer Ausweitung auf den gesamten Standort Luzern bis zum Ende des Jahres 2026.

An anderen klinischen Standorten, wie den Sana Kliniken Duisburg, werden jÀhrlich etwa 200 Sepsis-Patienten behandelt. Die KomplexitÀt der Diagnose und Therapie erfordert eine enge Verzahnung der verschiedenen Versorgungsstufen.

Förderung der VersorgungsqualitÀt und PrÀvention

Auf gesundheitspolitischer Ebene wurden in den vergangenen Monaten wichtige Weichenstellungen vorgenommen. Seit dem 1. Januar 2026 ist das gesetzliche QualitĂ€tssicherungsverfahren „Diagnostik und Therapie der Sepsis“ (QS Sepsis) nach der DeQS-Richtlinie in Kraft.

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Parallel dazu fördert der Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) das Projekt „optiSEP“ bis Anfang 2030 mit einem Volumen von 7,5 Millionen Euro. Ziel dieses Vorhabens ist es, Warnsignale frĂŒher zu erkennen und die gesamte Versorgungskette vom Rettungsdienst bis zur Nachsorge effizienter zu gestalten.

ZusĂ€tzlich zur strukturellen Verbesserung rĂŒckt die PatientenaufklĂ€rung in den Fokus. Die UniversitĂ€tsmedizin Halle plant beispielsweise zum Welttag der Patientensicherheit am 17. September 2026 eine Informationsveranstaltung, um ĂŒber die Risiken und Symptome der Sepsis aufzuklĂ€ren. Solche Initiativen sollen dazu beitragen, das Bewusstsein fĂŒr die Erkrankung zu schĂ€rfen, die in ihrer LetalitĂ€t viele andere schwere Krankheitsbilder ĂŒbertrifft.

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