Slow-Jogging: Zehn Minuten langsames Laufen verbessert Hirnfunktion
Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 12:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Internationale Veröffentlichungen widmen sich zunehmend dem PhĂ€nomen des Slow-Joggings. Die Bewegungspraxis gilt als besonders gelenkschonende und zugĂ€ngliche Trainingsform, die lĂ€ngst ĂŒber die Zielgruppe reiner LaufanfĂ€nger hinausgeht und auch im Leistungssport Beachtung findet.
Entwickelt wurde das Konzept von Hiroaki Tanaka von der UniversitĂ€t Fukuoka in Japan unter der Bezeichnung Nikoniko-Tempo, was ĂŒbersetzt ein Laufen mit einem LĂ€cheln beschreibt. Nach einer viralen Verbreitung ĂŒber SĂŒdkorea gewinnt der Trend nun auch in westlichen LĂ€ndern an Bedeutung.
Technische Merkmale und Trainingssteuerung
Die Laufmethode basiert auf einem moderaten Bewegungstempo von rund 5 bis 6 km/h, das eine kontinuierliche Unterhaltung ohne Atemnot ermöglicht. Das Bewegungsmuster unterscheidet sich wesentlich vom klassischen Joggen: Charakteristisch sind eine hohe Schrittfrequenz von 180 bis 190 Schritten pro Minute, kurze Einzelschritte, das kontrollierte Aufsetzen auf dem Mittelfuà sowie eine aufrechte Körperhaltung.
Der Bewegungphysiologe Pekka MatomĂ€ki hebt hervor, dass langsames Laufen den Energieverbrauch bei gleichzeitig geringer physischer Belastung spĂŒrbar steigert. FĂŒr AnfĂ€nger empfiehlt sich zu Beginn ein Wechsel aus zwei Minuten Laufen und zwei Minuten Gehen oder ein Start mit zusammenhĂ€ngenden Einheiten von 20 Minuten.
Neben Einsteigern, ĂŒber 40-JĂ€hrigen, Ă€lteren Menschen und leicht Ăbergewichtigen greifen auch erfahrene LĂ€ufer und Spitzenathleten auf die Methode zurĂŒck, um die aerobe Basis aufzubauen oder Regenerationsphasen zu gestalten. Nach EinschĂ€tzung von MatomĂ€ki reicht es aus, lediglich einmal pro Woche eine schnellere Einheit zu absolvieren und das restliche Training bewusst langsam zu halten.
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Kardiometabolische Effekte im Grundlagenbereich
Aus physiologischer Sicht entspricht das Tempo weitgehend dem Zone-2-Training. Nach Richtwerten des American College of Sports Medicine (ACSM) bewegt sich die Belastung dabei im Rahmen von 65 bis 75 Prozent der maximalen Herzfrequenz.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Erwachsenen ein wöchentliches Pensum von 150 bis 300 Minuten moderater AktivitĂ€t â ein Ziel, das sich durch regelmĂ€Ăige Einheiten wie etwa dreimal wöchentlich 20 Minuten Slow-Jogging strukturiert ansteuern lĂ€sst.
Stephen Garland von der UniversitĂ€t Malmö verweist darauf, dass die direkte Forschung zum Slow-Jogging zwar noch ausbaufĂ€hig sei, die wissenschaftliche Evidenz fĂŒr niedrig-intensive Aerobic-AktivitĂ€ten jedoch als solide gilt. Entsprechende Bewegungsprogramme verbessern das Herz-Kreislauf-System, senken den Blutdruck und wirken sich positiv auf den Blutzuckerspiegel aus.
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Eine im Fachjournal Scandinavian Journal of Medicine & Science in Sports publizierte Meta-Analyse bestÀtigt diese EinschÀtzung und verzeichnet messbare Verbesserungen der kardiovaskulÀren Fitness sowie kardiometabolischer Marker.
Positive Auswirkungen auf Kognition und Sportpraxis
ErgÀnzend zu den organischen Effekten verweisen neurowissenschaftliche Untersuchungen auf mentale Vorteile. Eine Studie im Fachblatt Imaging Neuroscience unter der Leitung von Hideaki Soya an der UniversitÀt Tsukuba zeigte an 24 gesunden Teilnehmern, dass bereits 10 Minuten sehr langsamen Laufens bei 35 Prozent der maximalen Sauerstoffaufnahme (VO2max) die Stimmung und die exekutiven Hirnfunktionen messbar verbessern.
Bei den Messungen wurde eine gesteigerte Aktivierung prĂ€frontaler Hirnareale festgestellt. Dies knĂŒpft an eine vorangegangene Untersuchung aus dem Jahr 2021 in Scientific Reports an, die bei 10 Minuten moderatem Laufen mit 50 Prozent der VO2max vergleichbare Steigerungen der exekutiven Funktion und der Stimmungsregulation nachwies.
Eine systematische Ăbersichtsarbeit aus dem Jahr 2020, die 116 Studien zusammenfasste, ordnete regelmĂ€Ăiges Laufen zudem generell einem geringeren Aufkommen von Depressionen und AngstzustĂ€nden zu.
Die PopularitÀt des Ansatzes schlÀgt sich auch im urbanen Raum nieder. Im argentinischen Córdoba etwa nutzen Freizeitsportler zunehmend Strecken wie den 1,5 Kilometer langen Rundkurs im Parque del Centro sowie Areale im Parque Sarmiento und Parque 9 de Julio. Lokale SportgeschÀfte verzeichnen dort eine steigende Nachfrage nach Laufschuhen, wÀhrend Fitnessstudios mehr Neuanmeldungen registrieren.
