Social-Media-Sucht, Schlafstörungen

Social-Media-Sucht: Schlafstörungen und Depression bei jungen Nutzern

28.06.2026 - 14:33:27 | boerse-global.de

Food-Influencer dominieren als Informationsquelle für Jugendliche, doch Experten warnen vor fehlenden wissenschaftlichen Belegen für beworbene Wundermittel.

Ernährungsinfluencer: Milliardengeschäft mit fragwürdiger Wissenschaft
Social-Media-Sucht - Nahaufnahme eines Smartphone-Bildschirms mit einem Social-Media-Feed eines Food-Influencers und Finanzdaten-Overlays. 28.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Dahinter steckt ein Milliardengeschäft – mit fragwürdiger Wissenschaft.

Das Geschäft mit der gesunden Ernährung

Der Markt für Food-Influencer wächst rasant. Nano-Influencer starten bereits ab 1.000 Followern, Micro-Influencer bewegen sich zwischen 10.000 und 50.000 Followern. Die Einnahmequellen sind vielfältig: Markenkooperationen, eigene Kochbücher und Affiliate-Marketing mit Provisionen zwischen drei und zehn Prozent.

Besonders lukrativ: Nahrungsergänzungsmittel. Das Unternehmen Glow25 steigerte seinen Umsatz von 35 Millionen Euro (2022) auf prognostizierte 130 Millionen Euro (2025). Kein Wunder, dass selbst Industriegiganten umsteuern. Gelita-Chef Peter Hill fokussiert sein Unternehmen verstärkt auf Kollagen-Herstellung.

Wissenschaftliche Zweifel an den Wunderversprechen

Doch was bringen Kollagen-Präparate wirklich? Orthopäde Prof. Dr. Heiko Renkawitz und die Verbraucherzentralen warnen: Für die beworbenen Effekte auf Hautbild oder Knorpelregeneration fehlen ausreichende wissenschaftliche Belege.

Auch die Politik ringt mit der Diskrepanz zwischen Trend und Evidenz. Die SPD fordert eine Zuckersteuer auf Softdrinks – zwischen 20 und 30 Cent pro Liter, abhängig vom Zuckergehalt. Modellrechnungen versprechen Einsparungen von 10,8 bis 16 Milliarden Euro im Gesundheitssystem über 20 Jahre. Branchenverbände kontern: Auch staatliche Eingriffe basierten oft auf dünner wissenschaftlicher Basis.

Neue Standards für Content-Ersteller

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Die Branche professionalisiert sich. In der Schweiz entsteht der eidgenössische Fachausweis für Multimedia Content Creator – entwickelt mit Branchenexperten wie Stefan Bircher und Michel Alraun sowie dem Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation. Die ersten Prüfungen starten im Januar 2027. Die Kosten: 15.000 bis 20.000 Schweizer Franken für Vorbereitungskurse plus 2.800 Franken Prüfungsgebühr.

Parallel dazu stärkt die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz die Medienkompetenz junger Menschen. Seit Ende Juni bietet sie Workshops für Schüler der Sekundarstufe II an – mit kritischem Blick auf Ernährungshypes in sozialen Medien.

Die Schattenseiten der Dauerberieselung

Die Aufmerksamkeit im Netz konzentriert sich extrem. Laut einer Studie von Martin Andree lag der Gini-Koeffizient für die Aufmerksamkeitsverteilung 2025 bei 0,987 – nahezu vollständige Dominanz weniger Plattformen. Bei jungen Nutzern entfallen 62 Prozent der Nutzungszeit auf die zehn führenden Angebote.

Die Folgen sind alarmierend. Die Ruhr-Universität Bochum zeigt: Suchtartige Social-Media-Nutzung korreliert mit Schlafstörungen, Depressionen, Angstzuständen und geringerer Lebenszufriedenheit. Ethikrat und Kultusministerkonferenz fordern einen verantwortungsvolleren Umgang mit den Plattformen.

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Landwirtschaft und Handel reagieren

Die digitalen Trends erreichen auch die reale Wirtschaft. Landwirte im Burgenlandkreis bauen inzwischen Trendgetreide wie Quinoa an – verarbeitet unter anderem von Tiefkühlkosthersteller Frosta. Apotheken wiederum packen Aktionspakete zum Thema Intervallfasten, um den gestiegenen Beratungsbedarf zu decken.

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