Social-Media-Verbot, EU-Expertenbericht

Social-Media-Verbot: EU-Expertenbericht am 13. Juli erwartet

Veröffentlicht: 10.07.2026 um 13:54 Uhr, Redaktion boerse-global.de

EU, USA und Großbritannien verschärfen Regeln für Social-Media-Zugang von Kindern. Eine Studie zeigt große Wahrnehmungslücken bei Eltern.

Weltweite Regulierungswelle: Neue Gesetze zum Schutz Minderjähriger in sozialen Medien
Kinderhände halten ein Tablet mit abstrakten Daten, Erwachsener unscharf im Hintergrund, Symbol für Online-Sicherheit. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Gleich mehrere Regierungen arbeiten an neuen Gesetzen, die den Zugang zu Plattformen wie TikTok, Instagram oder Snapchat für Minderjährige massiv einschränken sollen. Auslöser sind alarmierende Studien, die eine große Kluft zwischen dem tatsächlichen Online-Verhalten von Kindern und der Wahrnehmung ihrer Eltern offenbaren.

EU-Kommission prüft Social-Media-Verbot für Minderjährige

Die Europäische Kommission bereitet eine grundlegende Neubewertung des Kinder-Jugendschutzes im Netz vor. Am 13. Juli 2026 wird ein hochrangiger Expertenbericht erwartet, der konkrete Empfehlungen zur Einschränkung des Social-Media-Zugangs für Minderjährige liefern soll. Im Raum stehen sowohl ein pauschales Verbot für bestimmte Altersgruppen als auch risikobasierte Beschränkungen. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat sich bereits für strengere Maßnahmen ausgesprochen. Eine offizielle Ankündigung ist für September 2026 geplant.

Der Vorstoß wird durch eine YouGov-Umfrage unter 5.100 Erwachsenen in fünf EU-Staaten gestützt. Demnach sind 75 Prozent der Befragten der Meinung, dass Plattformen für Minderjährige erst dann zugänglich sein sollten, wenn ihre Sicherheit nachgewiesen ist. Vierzehn Mitgliedsstaaten haben bereits Unterstützung für schärfere Regeln signalisiert. Länder wie Estland lehnen ein pauschales Verbot jedoch ab.

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Parallel dazu hat die EU-Kommission im April 2026 eine umfrage unter 5.000 Kindern im gesamten Binnenmarkt durchgeführt. Die Ergebnisse fließen in den Digital Fairness Act ein. Sie zeigen: 72 Prozent der Kinder befürworten eine Altersverifikation, 69 Prozent sind der Ansicht, dass Influencer nur sichere Produkte bewerben sollten. Fast die Hälfte der Befragten (48 Prozent) fordert zudem Regulierungen gegen süchtig machende Design-Funktionen.

USA: KIDS Act passiert das Repräsentantenhaus

In den Vereinigten Staaten hat das Repräsentantenhaus den KIDS Act mit 267 zu 117 Stimmen verabschiedet. Das Gesetzespaket, das nun dem Senat vorliegt, kombiniert eine überarbeitete Version des Kids Online Safety Act (KOSA) mit weiteren Internetregulierungen. Es würde Plattformen verpflichten, eine Altersverifikation einzuführen und spezielle Moderationsrichtlinien für Minderjährige zu entwickeln.

Doch das Vorhaben stößt auf erbitterten Widerstand von Bürgerrechtsorganisationen. Die Electronic Frontier Foundation warnt, dass verpflichtende Alterschecks die Privatsphäre und Meinungsfreiheit gefährden könnten. Auch vor Gericht wird gestritten: Am 24. Juni 2026 reichte die Internet Society eine Stellungnahme in einem Verfahren gegen den Texas App Store Accountability Act ein. Die Organisation kritisiert die Forderung nach amtlichen Ausweisen für App-Downloads und verweist auf einen früheren Datenleak in Texas, bei dem drei Millionen Führerscheine offengelegt wurden. Stattdessen empfehlen die Experten weniger invasive Methoden wie token-basierte Verifikationen.

Großbritannien plant Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige

Das Vereinigte Königreich macht ernst: Ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 16 Jahren soll im Frühjahr 2027 in Kraft treten. Die geplanten Regeln zielen auf Plattformen wie TikTok, Instagram und Snapchat ab. Verschlüsselte Messaging-Dienste wie WhatsApp und Signal wären ausgenommen. Dies baut auf dem Online Safety Bill auf, der im Oktober 2023 Gesetzeskraft erlangte. Er gibt den Aufsichtsbehörden die Macht, Unternehmen mit bis zu zehn Prozent ihres globalen Umsatzes zu bestrafen, wenn sie Kinder nicht ausreichend vor schädlichen Inhalten schützen.

Auch andere Länder setzen auf technische Lösungen. Ägypten hat in Zusammenarbeit mit Telekommunikationsanbietern den Dienst "Kindersim" gestartet. Er ermöglicht es Eltern, auf Netzwerkebene schädliche Webseiten oder den Zugang zu sozialen Medien zu blockieren. In Indien prüft der Allahabad High Court derzeit eine Klage, die ein Verbot von Gaming-Plattformen wie Roblox für Minderjährige fordert. Hintergrund sind Bedenken wegen finanzieller Ausbeutung und unangemessener Inhalte.

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Eltern unterschätzen das digitale Leben ihrer Kinder massiv

Eine aktuelle Studie des Family Online Safety Institute (FOSI) aus dem Frühjahr 2026 zeigt erschreckende Defizite in der elterlichen Wahrnehmung. Befragt wurden 4.006 Familien in den USA und Australien. Das Ergebnis: 38 Prozent der Kinder nutzen KI-Tools, aber nur 27 Prozent der Eltern wissen davon. In den USA stagniert die KI-Nutzung unter Kindern bei 72 Prozent – ein leichter Rückgang gegenüber 74 Prozent Ende 2025.

Die Forschung zeigt zudem: Obwohl 68 Prozent der Haushalte digitale Regeln aufgestellt haben, nutzen nur 49 Prozent der Eltern die technischen Kontrollmöglichkeiten auf den Smartphones ihrer Kinder. Die gute Nachricht: 90 Prozent der Kinder fühlen sich wohl dabei, mit ihren Eltern über ihr Online-Leben zu sprechen. Das Vertrauen in die Technologiebranche bleibt dagegen gering. Nur 27 Prozent der Eltern sind überzeugt, dass die Industrie ihre Familien ausreichend schützen kann.

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