Social, Prescribing

Social Prescribing: DĂĽsseldorf startet Pilotprojekt gegen Einsamkeit

05.07.2026 - 05:30:37 | boerse-global.de

Deutschland, Österreich und die Schweiz investieren massiv in medizinische Zentren und soziale Präventionsprojekte.

Gesundheitswesen im Umbruch: Milliarden fĂĽr neue Versorgungszentren
Social - Ein modernes, helles medizinisches Versorgungszentrum mit mehreren Behandlungsräumen, das integrierte Gesundheitsversorgung symbolisiert. 05.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Weg von der klassischen Einzelpraxis, hin zu großen Versorgungszentren und ganzheitlichen Behandlungsansätzen. Der Wandel ist teuer – und dringend nötig.

22 Millionen Euro für die „Praxiswelt“ in Chemnitz

Am 3. Juli öffnete die Poliklinik „Praxiswelt“ im Chemnitzer Johanniskarree ihre Türen. Auf 10.000 Quadratmetern arbeiten künftig 40 Ärzte und 145 Mitarbeiter aus 16 Fachrichtungen. Das Besondere: Neben einem ambulanten OP-Zentrum gibt es eigene CT-, MRT- und Röntgenkapazitäten. Die Investition: 22 Millionen Euro.

Auch bestehende Praxen ziehen in größere Verbünde. Die Hausärztin Dr. Petra Otte-Saier verlegte ihren Standort ins Ärztezentrum am Klinikum Biberach. Dort ergänzt sie das Angebot um Diabetologie, Naturheilverfahren und Reisemedizin. Die Brücke zwischen Schulmedizin und ganzheitlichen Ansätzen wird immer breiter.

FĂĽnf neue Zentren fĂĽr die Lausitz

Der demografische Wandel trifft ländliche Regionen besonders hart. Die Modellregion Gesundheit Lausitz reagiert: Am 3. Juli beschloss der Innovations- und Netzwerkrat den Bau von Primärversorgungszentren an fünf Standorten. Lauchhammer, Lübbenau, Luckau, Finsterwalde und Cottbus bekommen wohnortnahe Anlaufstellen. Ziel ist es, Krankenhäuser zu entlasten und dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

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Österreich plant noch größer. Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig kündigte an: Bis 2040 sollen landesweit 600 Primärversorgungszentren und 75 Fachärztezentren entstehen. Das Gesundheitsbudget 2027 liegt bei 3,36 Milliarden Euro. Die Ärztekammer Burgenland warnt jedoch vor Verdrängung: Klassische Hausarztpraxen könnten verschwinden, bis zu 50 Krankenhäuser mit weniger als 180 Betten drohe bis 2040 die Schließung.

Wo die Not am größten ist, helfen mobile Lösungen. In Bad Sobernheim überbrückt ein Arztmobil die hausärztliche Versorgung – nachdem eine Praxis schließen musste und die Kassenärztliche Vereinigung noch keinen Nachfolger fand.

Social Prescribing: Rezepte gegen Einsamkeit

Nicht jede Krankheit lässt sich mit Pillen heilen. In Düsseldorf startete am 4. Juli das Pilotprojekt „Social Prescribing“. Ärzte und Psychotherapeuten können soziale Präventionsrezepte ausstellen. „Link-Worker“ vermitteln Patienten an wohnortnahe soziale Angebote. Das Ziel: Gesundheit durch soziale Teilhabe verbessern. Die Techniker Krankenkasse finanziert das auf drei Jahre angelegte Projekt, die HHU Düsseldorf und die Charité Berlin begleiten es wissenschaftlich.

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Auch stationär wird ausgebaut. Das Hochwaldkrankenhaus in Bad Nauheim darf seine Bettenzahl von 241 auf 430 erhöhen. Die Baugenehmigung liegt vor, die Kosten: 130 Millionen Euro.

Schweiz plant Arbeitszeit-Deckel – Ärzte warnen

Nicht alle Neuerungen stoßen auf Begeisterung. In der Schweiz sorgt ein Konzept für Aufruhr: Ab 2027 soll die abrechenbare Zeit für ambulante Leistungen auf maximal 12 Stunden pro Tag begrenzt werden. Befürworter sehen eine Kostendeckelung, Ärztevertreter warnen vor negativen Folgen für die Patientenversorgung.

In der Wetterau zeigte ein Expertenaustausch am 3. Juli, wie dringend Reformen sind. Bis 2030 geht dort voraussichtlich die Hälfte der Allgemeinmediziner in den Ruhestand. Fachleute fordern: weniger Bürokratie, mehr elektronische Patientenakte und den konsequenten Ausbau von Gesundheitszentren. Nur so lasse sich der Arztberuf attraktiv halten und die Versorgung sichern.

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