Speicheltest erkennt Schlafmangel mit 91 Prozent Genauigkeit
Veröffentlicht am: 17.06.2026 um 11:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Trend heiĂt Mouth Taping â und wird von Sportlern und Influencern gefeiert. Mediziner warnen jedoch vor den Gefahren.
Bei Mouth Taping verschlieĂen Anwender ihren Mund nachts mit speziellem Pflaster oder Klebeband. Ziel: reine Nasenatmung erzwingen. Die Methode verspricht bessere Regeneration und tieferen Schlaf.
Doch die wissenschaftliche Basis ist dĂŒnn. Ein kanadisches Forschungsteam untersuchte im Mai 2025 in der Fachzeitschrift PLOS One insgesamt zehn Studien zum Thema. Das Urteil: Die Datenlage reicht fĂŒr eine allgemeine Empfehlung nicht aus.
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Nasenatmung ist besser â aber nicht fĂŒr jeden
Die Nasenatmung gilt physiologisch als vorteilhaft. Die Luft wird gefiltert, befeuchtet und angewÀrmt. Doch wer nachts durch den Mund atmet, hat oft einen Grund.
Die Psychologin Dr. Hanne Horvath warnt: âDer Trend setzt nicht an den Ursachen an.â Anatomische Hindernisse, Allergien oder eine chronisch verstopfte Nase könnten hinter der Mundatmung stecken. Ein mechanisches VerschlieĂen ohne AbklĂ€rung sei problematisch.
Klebeband kann gefÀhrlich werden
Besonders riskant ist Mouth Taping fĂŒr Menschen mit unentdeckten Atemwegserkrankungen. Bei Schlafapnoe, schweren Allergien oder akuten ErkĂ€ltungen kann das Unterbinden der Mundatmung die Sauerstoffversorgung gefĂ€hrden.
Die Warnung der Fachleute ist eindeutig: Vor dem Kleben sollte eine medizinische AbklÀrung stehen. Das ist umso relevanter, da Schlafstörungen in Deutschland zunehmen.
Laut einer aktuellen Analyse des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Juni 2026 berichten mehr als 35 Prozent der Erwachsenen ĂŒber Schlafprobleme. Das entspricht einem Anstieg von rund fĂŒnf Prozentpunkten innerhalb der letzten 15 Jahre.
Weniger Klinikaufenthalte trotz mehr Beschwerden
Trotz der Zunahme von Schlafstörungen werden Betroffene seltener stationĂ€r behandelt. Daten des Statistischen Bundesamtes vom Juni 2026 zeigen: 2024 gab es rund 67.200 stationĂ€re Behandlungen wegen Schlafstörungen. Das ist ein RĂŒckgang von 59 Prozent im Vergleich zu 2004, als noch etwa 165.400 FĂ€lle verzeichnet wurden.
Parallel zu alternativen Trends entwickeln sich auch medikamentöse und technologische Optionen weiter.
Melatonin jetzt rezeptfrei
Seit Ende Mai 2026 ist Melatonin in Dosierungen bis zu 3 mg fĂŒr die Kurzzeitbehandlung von Jetlag bei Erwachsenen unter bestimmten Voraussetzungen rezeptfrei erhĂ€ltlich. Das Bundesinstitut fĂŒr Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) bescheinigt dem Wirkstoff bei kurzzeitiger Anwendung ein gĂŒnstiges Sicherheitsprofil.
Mikrostrom gegen Schlaflosigkeit
In der Fachwelt diskutieren Experten vermehrt nicht-invasive Methoden. Dazu gehört die kraniale Elektrostimulation (CES). Dabei geben Ohrclip-Elektroden Mikrostrom ab, um Symptome von Schlaflosigkeit zu lindern.
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Speicheltest soll Schlafmangel nachweisen
Forscher der UniversitĂ€t ZĂŒrich stellten Mitte Juni 2026 eine vielversprechende Studie vor. Demnach könnte akuter Schlafmangel kĂŒnftig prĂ€zise ĂŒber Biomarker im Speichel nachgewiesen werden. Ein KI-Modell erreichte in ersten Tests eine Gesamtgenauigkeit von 91 Prozent.
Die fachliche Empfehlung bleibt trotz aller Trends konsistent: Bei chronischen Schlafproblemen steht eine fundierte Diagnose durch Fachmediziner im Vordergrund. Trends wie Mouth Taping haben ein ungeklĂ€rtes Risikoprofil â und ersetzen keine Ă€rztliche AbklĂ€rung.
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