Speicherpreise, Kartellklage

Speicherpreise: Kartellklage gegen Samsung, Micron und SK Hynix

01.07.2026 - 04:16:31 | boerse-global.de

DRAM- und NAND-Preise steigen rasant, KI-Boom treibt Nachfrage. Hersteller können Aufträge nicht erfüllen, Kartellklage eingereicht.

Chip-Krise: Speicherpreise explodieren durch KI-Boom
Speicherpreise - Nahaufnahme von leuchtenden RAM-Riegeln auf dunkler, reflektierender Oberfläche, die Knappheit und steigenden Wert von Speicherchips symbolisiert. 01.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Speicherbausteine werden rasant teurer, und eine Entspannung ist nicht in Sicht. Grund sind die boomende KI-Industrie und strategische Produktionsumstellungen der Hersteller.

Preisspirale dreht sich ungebremst

Die Finanzexperten von Jefferies rechnen für das dritte Quartal 2026 mit einem Preissprung von 40 bis 50 Prozent bei DRAM- und NAND-Speichern. Im vierten Quartal sollen weitere 30 bis 40 Prozent dazukommen. Und 2027? Da erwarten die Analysten einen Anstieg von 40 bis 45 Prozent im Jahresvergleich. Erst 2028 könnte sich die Lage mit einem Rückgang von 15 bis 20 Prozent leicht entspannen.

Die Marktforscher von Gartner zeichnen ein noch düstereres Bild: Die kombinierten Preise für DRAM und SSDs könnten bis Jahresende um satte 130 Prozent zulegen. Die Folge: PC-Hersteller geben die höheren Kosten weiter – mit einem prognostizierten Anstieg der PC-Preise um 17 Prozent. Kein Wunder also, dass die Auslieferungen von Computern um 10,4 Prozent einbrechen dürften.

KI-Boom frisst die Produktion

Der Haupttreiber der Krise ist der unstillbare Hunger der Künstlichen Intelligenz nach Rechenleistung. High Bandwidth Memory (HBM) – essenziell für KI-Rechenzentren – verschlingt bereits 23 Prozent der gesamten DRAM-Wafer-Produktion. Was für die KI gut ist, fehlt auf dem freien Markt für Consumer-Produkte.

Auf der ISC 2026 sorgte Lenovo-Manager Martin Hiegl für Aufsehen: „Die Speicherpreise werden wohl nie wieder auf das Niveau von 2025 zurückkehren.“ Seine Prognose: Eine Stabilisierung sei frühestens um 2030 zu erwarten. Lenovo rät Kunden bereits, ihre Hardware-Bedürfnisse zu überdenken – etwa auf 16 statt 32 Gigabyte RAM zu setzen.

Milliarden-Geschäfte und Lieferengpässe

Die großen Hersteller sichern sich langfristig ab – mit Verträgen, die für Kunden kaum Spielraum lassen. Micron meldete für das dritte Geschäftsquartal einen Umsatz von 41,5 Milliarden Euro – ein Plus von 346 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das Unternehmen hat sich über 16 nicht kündbare strategische Kundenverträge rund 100 Milliarden Euro an gebuchten Einnahmen gesichert. 22 Milliarden Euro flossen bereits als Vorauszahlung. Dennoch: Micron kann nur 50 bis 66 Prozent der Nachfrage seiner Schlüsselkunden bedienen.

Kartellvorwürfe: Klage gegen Samsung, Micron und SK Hynix

Die steigenden Preise haben nun juristische Folgen. Am 25. Juni 2026 reichten Kläger eine Sammelklage beim US-Bezirksgericht für den nördlichen Bezirk von Kalifornien ein. Die Vorwürfe wiegen schwer: Samsung, Micron und SK Hynix sollen sich abgesprochen haben, um die DRAM-Preise durch koordinierte Lieferbeschränkungen künstlich hochzutreiben.

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Die Kläger argumentieren, die Hersteller hätten sich gleichzeitig aus dem Consumer-Markt zurückgezogen, um sich auf HBM zu konzentrieren – eine künstliche Verknappung, die die Preise für DDR5-Module in die Höhe trieb. Micron wies die Vorwürfe zurück. Die Klage verweist auf historische Parallelen: Samsung und SK Hynix mussten bereits 2005 hohe Kartellstrafen wegen Preisabsprachen zahlen.

Konsumenten spüren die Krise

Die Auswirkungen sind längst im Alltag der Verbraucher angekommen. Microsoft berichtet, dass sich die Speicherkosten seit Anfang 2026 bereits versiebenfacht haben. Bis Ende 2027 soll sich dieser Wert noch einmal verdoppeln. Ab dem 1. August werden die Xbox Series S und X daher 100 Euro teurer.

Auch andere Hersteller reagieren:

  • Valve: Die Steam Machine kostet mit 1.049 Euro rund 300 Euro mehr als geplant. Auch das Steam Deck verteuerte sich um etwa 50 Prozent.
  • Sony: Die PS5 Pro mit 2 Terabyte Speicher liegt bei 899 Euro.
  • Apple: Die Preise ziehen an – das MacBook Neo stieg von 599 auf 699 Euro, andere Modelle verteuerten sich um bis zu 200 Euro.
  • Komponentenmarkt: Ein AMD EXPO ULL 32-GB-Kit startet bei 1.099 Euro – ein gewaltiger Aufschlag auf Standard-Riegel.

Die Prognosen für die Branche sind düster: Die Smartphone-Auslieferungen könnten 2026 um 15 Prozent einbrechen, da die Hersteller die höheren Komponentenkosten an die Kunden weitergeben.

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