Stressbewältigung, Minuten

Stressbewältigung: Sieben Minuten VR senken Angst stärker als Smartphone-Nutzung

Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 02:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Mehr Suchanfragen und Studien zu kurzen Entspannungsübungen prägen den wachsenden Bedarf an Unterstützung bei beruflicher Belastung.
Ein minimalistischer, aufgeräumter Schreibtisch mit einer kleinen Sukkulente und einem Glas Wasser in sanftem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Berichte verzeichnen ein merklich gestiegenes Interesse an Hilfsmitteln zur Stressbewältigung und unterstreichen den Stellenwert regelmäßiger Entspannungsphasen bei hohen beruflichen Belastungen. Laut entsprechenden Erhebungen haben sich die Suchanfragen zu Stressabbau-Produkten in den vergangenen sechs Monaten etwa um das 2,3-Fache erhöht.

Bereits in einer Umfrage aus dem Jahr 2023 gaben rund 68 Prozent der Befragten in Japan an, solche Produkte zu nutzen. Insbesondere für Berufstätige und Lernende mit langen Sitzzeiten im Büro, im Studium oder im Homeoffice gewinnen niederschwellige Ansätze an Bedeutung.

Spektrum von physischen Hilfen bis zu digitalen Gadgets

Zur Bewältigung akuter Anspannung kommt eine Vielzahl von Werkzeugen zum Einsatz. Dazu zählen physische Hilfsmittel wie Stresswürfel für Erwachsene, die mit klickbaren Tasten, Schaltern oder rollenden Kugeln auf Fingerbewegungen und Konzentration setzen. Sie dienen der Selbstregulation bei innerer Unruhe, setzen jedoch leise Bedienelemente und ein kompaktes Format für den Einsatz im Büro oder in der Bahn voraus.

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Neben Duft- und Aromaanwendungen verbreiten sich zudem digitale Instrumente, die Atemführung und Herzfrequenz erfassen. Fachleute weisen darauf hin, dass die Wirkung individuell verschieden ausfällt und teurere Modelle nicht automatisch bessere Ergebnisse liefern. Empfohlen wird meist eine Nutzung von etwa fünf Minuten mehrmals täglich.

Auch technische Neuheiten drängen in dieses Segment: Das Unternehmen Casio entwickelte mit Moflin eine KI-gestützte Roboter-Plüschfigur in Hamsterform zum Preis von 399 Euro, die auf Berührungen reagiert und lernfähig ist.

Zudem existieren softwarebasierte Angebote wie die Meditations-App Petit Bambou, die Anwendung RespiRelax+ für Atmung zur Herzratenvariabilität oder die App Jardin mental der französischen Krankenversicherung zur Erfassung von Stimmung, Schlaf und Angst. Bei der Krankenkasse AOK PLUS erhalten Versicherte im Alter von 18 bis 65 Jahren die Vorsorge-App Ally von Aumio Health ein Jahr lang kostenlos.

Jean Ochel, klinischer Psychologe und Mitgründer von Aumio Health, gab zu bedenken, dass viele KI-Chatbots darauf ausgerichtet seien, Nutzer möglichst lange im Dialog zu binden, was bei mentalen Themen der falsche Weg sei. Dr. Stefan Knupfer, Vorstand der AOK PLUS, hob hervor, dass Prävention dort greifen müsse, wo noch keine medizinische Behandlung notwendig sei.

Wissenschaftliche Befunde zu Kurzinterventionen

Begleitend dazu untersuchen Forschungsteams die Wirksamkeit kurzer Methoden zur Entspannung. Wissenschaftler der City St George’s in Großbritannien veröffentlichten Ergebnisse einer Untersuchung mit 131 Medizinstudenten, die auf etwa siebenminütige VR-Einheiten setzte.

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Die Gruppe mit VR-Headsets zeigte im Vergleich zur Smartphone-Kontrollgruppe direkt nach der Anwendung einen statistisch signifikant größeren Rückgang von Stress und Angst; 89 Prozent der VR-Teilnehmer nahmen einen spürbaren Unterschied wahr, verglichen mit 34 Prozent in der Vergleichsgruppe.

Am Zentrum für Psychologische Psychotherapie der Universität Heidelberg zeigte eine Untersuchung bei 90 jungen Patientinnen und Patienten, dass fünf- bis zehnminütige Techniken wie Bodyscans oder Atemübungen zu Beginn von Therapiesitzungen mit einer messbaren Verringerung der Symptomlast einhergingen. Fachleute wie Eli Susman erforschen zudem sogenannte Mikropraktiken, die lediglich 20 bis 30 Sekunden in Anspruch nehmen.

Amit Kumar von der Universität Neapel Federico II verweist auf den Nutzen langsamer Atemzüge, während Natalie van der Wal von der Technischen Universität Delft Ansätze wie Lachyoga, Dehnen oder beruhigende Berührungen beschreibt. Solche Interventionen ersetzen bei anhaltenden Beschwerden jedoch keine professionelle Behandlung.

Arbeitsplatzbelastung treibt den Bedarf

Der Hintergrund dieses Trends liegt häufig in arbeitsbezogenen Belastungen. Laut einer Befragung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK für den Fehlzeiten-Report aus dem Frühjahr 2026 bereiten 51,9 Prozent der Beschäftigten die allgemeine Wirtschaftslage große bis sehr große Sorgen.

Diese Sorgen gingen vermehrt mit Angst, Niedergeschlagenheit und Schlafstörungen einher. Eine Untersuchung des Gesundheitsanbieters Mavie ergab zudem, dass 75 Prozent der Arbeitenden in Österreich an ihrer Arbeitsstätte nicht über mentale Gesundheit sprechen, sich aber mehr als die Hälfte entsprechende Unterstützungsangebote im Betrieb wünscht.

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